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Okt
WSV
14:00
RWO
Donnerstag, 19.12.2019 -

1. Mannschaft

"Konstanz in den Basics!"

Neunzehn54 im Gespräch mit unserem Trainer Alexander Voigt.

Winterpause - wir haben noch eine Lektüre für euch! Bitte beachtet, dass das Interview vor den Spielen gegen Düsseldorf und Aachen geführt wurde.

Ein paar Tage nach dem letzten Heimspiel gegen RW Essen trafen wir uns mit Trainer Alexander Voigt, der die Mannschaft nunmehr seit dem 14. Spieltag betreut. Ein Gespräch über ein emotionales Derby, eine schrittweise Entwicklung, die aktuelle Stimmungslage im Verein, sowie kurz- und mittelfristige Ziele.

Alex, 1:2 im Derby gegen RW Essen durch ein Gegentor in der 96. Minute. Wie ordnest du dieses emotionale Spiel mit etwas Abstand ein?

Der Zeitpunkt des entscheidenden Gegentores war natürlich, wie ich schon in der anschließenden Pressekonferenz gesagt hatte, ein Schlag in die Fresse. Gerade wenn du so ein Spiel abgeliefert hast, das, wie ich finde, von der Einstellung und vom Taktischen her von der Mannschaft wirklich richtig gut war. Wenn du dann so ein Gegentor bekommst, was die Mannschaft einfach nicht verdient hatte, dann hast du da ein, zwei Tage dran zu knabbern, das muss man schon ehrlich zugeben. Wir haben den Jungs nach dem Spiel etwas frei gegeben, was gut getan hat, denn wir mussten das Ding natürlich auch irgendwo abhaken, weil der Fokus auf den nächsten wichtigen Spielen liegen muss.

Welche Worte findet man als Trainer nach so einem extremen Spielverlauf?

Ich glaube nicht, dass es etwas bringt, die Wunde noch mal aufzureißen. Die war schon tief genug. Es geht einfach darum, positiv zu bleiben und weiter nach vorne zu gucken, denn wir haben gar keine andere Wahl. Wir haben keine Zeit zu verlieren!

Wie hat dir die Stimmung im Stadion am Zoo gefallen?

Die Stimmung war top! Sie war so, wie man sie sich für ein Derby wünscht und wie sie vielleicht noch in dem einen oder anderen Spiel sein kann. Ich weiß, dass die Zuschauerzahlen nicht so hoch bleiben werden wie gegen Essen, aber ich glaube, dass zum Beispiel auch schon gegen Fortuna Köln eine ordentliche Stimmung im Stadion war, weil die Leute gesehen haben, dass da eine Mannschaft auf dem Platz steht, die kämpft und sich zerreißt. Und das muss das Ziel in jedem Heimspiel sein.

„Ich glaube, dass sich gerade Schritt für Schritt etwas entwickelt“

Wie beurteilst du insgesamt den Verlauf der ersten Spiele unter deiner Leitung?

Vor dem Spiel bei Gladbach II hatte ich eineinhalb Tage Zeit, um überhaupt erst mal die Jungs kennenzulernen. In dieser kurzen Zeit konnte man schon merken, dass es keine einfache Situation war. Die Jungs hatten aufgrund der Negativserie ein Problem, positiv in ein Spiel reinzugehen. Auch wenn das Ergebnis in Gladbach natürlich richtig schlecht war, möchte ich das Spiel aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit aber ehrlich gesagt gar nicht so hoch hängen. Was wir danach gegen Fortuna Köln gezeigt haben, ging schon in die Richtung, wo ich die Mannschaft haben will, gerade von der Mentalität her. Mir war danach klar, dass es in Bergisch Gladbach ein unangenehmes Spiel wird, denn jeder erwartete irgendwo einen Sieg mit Pauken und Trompeten, aber das ist in unserer Situation im Moment nicht zu machen. Dann kam das Spiel gegen RWE, was rein vom Ergebnis her natürlich viel zu wenig in unserer jetzigen Phase war, aber ich glaube, dass sich trotzdem gerade Schritt für Schritt etwas entwickelt. Gerade was die mannschaftliche Geschlossenheit und das Auftreten auf dem Platz angeht.

Wie empfindest du in der Gesamtbetrachtung die aktuelle Stimmungslage im Verein?

Ich habe natürlich auch irgendwo am Rande mitbekommen, dass die Stimmung am Anfang der Saison sehr gut war. Aber es steht und fällt natürlich leider alles mit Ergebnissen. Wenn die über einen so langen Zeitraum nicht kommen, dann ist es völlig normal, dass die Stimmung kippt. Vielleicht war sie an der einen oder anderen Stelle auch übertrieben negativ, aber die Leute wollen halt Ergebnisse sehen, das ist Fakt. Ich glaube, dass sich das ein bisschen gewandelt hat in den letzten Wochen, weil man einfach sieht, dass da eine andere Mannschaft auf dem Platz steht. Eine Mannschaft, die sich zerreißt, zum einen für den Verein, aber zum anderen auch für sich selbst, denn es sind sehr viele junge Spieler dabei, die sicherlich noch mal einen Schritt machen wollen in ihrer Karriere. Wir müssen zweifellos zusehen, dass wir bis zum Winter nicht zu viel Anschluss verlieren und ich bin sehr zuversichtlich, dass uns das gelingen wird, so dass wir anschließend mit einer guten Vorbereitung eine richtig gute Rückrunde spielen werden.

„Wenn wir in den Basics konstant werden, kommt irgendwann auch der Fußball wieder“

Welche mittel- oder langfristigen Ziele hast du mit der Mannschaft? Welcher Fußball schwebt dir idealerweise vor?

Langfristige Ziele sind, glaube ich, gerade fehl am Platz. Meiner Ansicht nach müssen wir jetzt erst mal von Woche zu Woche gucken, was wir auf den Platz bringen. Klar habe ich irgendwo eine andere Vorstellung von Fußball, jeder Trainer hat seine Ideen. Ich habe gerne eine Mannschaft, die sehr offensiv ist, die viel Fußball spielt, aber das geht nur, wenn man die Basics bringt. Basics heißt: Laufen, kämpfen! Das sind Klassiker, aber genau die musst du bringen, um überhaupt über irgendwelche anderen Sachen sprechen zu können. Eine gute Organisation auf dem Platz zu haben, taktisch diszipliniert zu sein, das ist enorm wichtig. Ich möchte die Mannschaft an den Punkt bekommen, dass sie dies konstant abrufen kann und nicht solche Schwankungen zeigt wie zum Beispiel in der ersten Halbzeit in Bergisch Gladbach. Du spielst hier über 90 Minuten ein Spiel gegen RWE, nach dem du dich fragst, was für eine Mannschaft in der ersten Halbzeit in Bergisch Gladbach auf dem Platz stand. Wenn wir in den Bereichen, die ich genannt habe, konstant werden, kommt irgendwann auch der Fußball wieder.

Wie sehr beeinflusst die bekanntermaßen finanziell schwierige Lage des Vereins deine Tätigkeit?

Ganz ehrlich: Mir ist es für meine Arbeit auf dem Platz egal. Ich konzentriere mich darauf, dass die Mannschaft sich weiterentwickelt und dass wir jedes Wochenende auf dem Platz zeigen, dass wir eine Mannschaft sind. Klar kriege ich das alles am Rande mit, aber das sind alles Geschichten, die mich und die Jungs auch gar nicht beeinflussen dürfen, denn für uns zählt nur die Leistung auf dem Platz.

Edin Pepic ging als Nummer 1 in die Saison, seit einigen Spielen steht Niklas Lübcke im Tor. Wie siehst du die Position der beiden Torhüter?

Als ich kam, hatte ich zunächst extrem wenig Zeit. In dieser Phase stand Niki Lübcke im Tor. In so kurzer Zeit war für mich überhaupt kein großer eigener Eindruck von den beiden Torhütern möglich, so dass ich mich auf die Meinungen meines Torwarttrainers, meines Co-Trainers und von Karsten Hutwelker verlassen musste. Ich habe mich dann letztendlich dafür entschieden, Niki spielen zu lassen. Mit dem unglücklichen Spiel in Gladbach war es weder für mich, noch für ihn ein leichter Start, aber ich bin niemand, der dann sofort den Torwart fallen lässt. Gerade er als junger Torhüter braucht Vertrauen und das hat er in den letzten drei Spielen ohne Wenn und Aber zurückgezahlt. Deswegen wird die Situation auch erst mal so bleiben.

Kannst du dir eine Verlängerung deines bis Sommer 2020 laufenden Engagements vorstellen?

Ich kann mir vorstellen, länger zu bleiben, weil ich finde, dass der WSV ein cooler Club ist! Das kann man selbst nach so kurzer Zeit schon sagen. Aber jetzt geht es erst mal darum, bis zum Sommer erfolgreich zu sein und unser Ziel, den Klassenerhalt, zu erreichen. Und dann schauen wir weiter.

Die Regionalliga ist bislang deine höchste Station als Cheftrainer. Was sind deine weiteren Ziele?

Man hat als Trainer natürlich das Ziel, so hoch wie möglich zu arbeiten. Das hängt dann letztendlich mit den Lizenzen zusammen. Ich habe die A-Lizenz und bin mir derzeit noch gar nicht zu 100 Prozent sicher, ob ich den Fußballlehrer machen möchte oder nicht, denn ich glaube, es gibt so viele Fußballlehrer auf dem Markt, die auf der Straße sitzen und auf einen guten Job warten. Weit entfernte persönliche Ziele auszugeben empfinde ich als falsch. Ich möchte jetzt hier, wo ich bin, erfolgreich sein.

Was machst du in deiner Freizeit, wo trifft man dich bevorzugt an? Gibt es ein Leben ohne Fußball?

(lacht) Definitiv, man hat trotz des Fußballs noch Freizeit und andere Hobbys. Ich habe eine kleine Tochter, um die ich mich gerne kümmere. Ich bin in der Freizeit viel mit meiner Partnerin unterwegs. Wir wohnen im Bereich Köln und dies ist bekanntlich eine coole Stadt, in der man viel unternehmen kann.

Vielen Dank für das Gespräch, Alex, und viel Erfolg für dich und die Mannschaft!

Quelle: neunzehn54


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