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Okt
WSV
14:00
RWO
Dienstag, 08.09.2020 -

1. Mannschaft

Im Gespräch mit Stephan Küsters

„Der WSV als Traditionsverein ist immer eine interessante Adresse“

Für Ausgabe 1 des WSV-Stadionmagazins - das seit Samstag erhältlich ist - sprach die neunzehn54-Redaktion vor dem Meisterschaftsauftakt mit dem neuen sportlichen Leiter, Stephan Küsters, u.a. über seinen Start in Wuppertal, den Spielerkader, die Ausgangslage in der Regionalliga und die Wichtigkeit eines starken Unterbaus in der Jugend.

Herzlich willkommen im Tal, Stephan. Wie sind deine ersten Wochen beim WSV gelaufen und hast du dich schon eingelebt?

Ich habe mich gut eingelebt. Im Stadion habe ich ein ruhiges Büro, in das ich mich für meine vielen Gespräche, die ich führe, zurückziehen kann. Das ganze WSV-Team hat es mir sehr einfach gemacht und nehmen alle Neuen sehr gut auf.

Als Spieler hast du viele Erfahrungen gesammelt. Du hast 1. und 2. Bundesliga beim damaligen FC Bayer 05 Uerdingen gespielt, in der damaligen drittklassigen Regionalliga Nord 160 Einsätze für Preußen Münster sowie 114 Spiele für Preußen Münster und den FC Remscheid in der Regionalliga West/Südwest absolviert. Was war deine schönste Zeit als Spieler?

Meine schönste Zeit hatte ich bei Preußen Münster, wo ich fast 15 Jahre als Spieler und in der Sportlichen Leitung gewesen bin. Das war meine schönste und intensivste Zeit.

Weißt du noch, wo du am 6. April 1997 mit dem FC Remscheid gespielt hast?

Nein.

Du hast in der 61. Minute bei der damaligen 1:4-Niederlage im Stadion am Zoo gegen den WSV vor 2.900 Zuschauern das zwischenzeitliche 1:3 erzielt. Keine Erinnerungen mehr daran?

Eigentlich müsste ich mich daran erinnern, da ich in meiner Karriere nicht so viele Tore geschossen habe. Trotzdem kann ich mich gerade nicht daran erinnern.

Mit 34 Jahren hast du deine sportliche Karriere beendet. Was hast du danach gemacht?

Parallel zu meiner aktiven Zeit als Fußballer habe ich mir schon ein berufliches Standbein aufgebaut, indem ich mehrere Sportgeschäfte eröffnet und geführt habe. Das habe ich bis heute so fortgeführt und aktuell gibt es noch ein Sportgeschäft in Duisburg, um das sich aber mein Filialleiter kümmert. Neben dieser Tätigkeit hatte ich sehr schöne Jahre bei Preußen Münster und Viktoria Köln in der sportlichen Leitung.

Nach deiner Zeit bei Viktoria Köln warst du eine Zeit lang ohne Verein. Wie und in welchen Spielklassen hast du dich auf dem Laufenden gehalten?

Ich habe viel in der 3. Liga, der Regionalliga, aber auch in den Oberligen gescoutet, mindestens drei Spiele in der Woche, um einfach auf dem Laufenden zu sein, wenn der richtige Verein - wie es jetzt hier beim WSV der Fall ist - mit einer neuen Aufgabe auf mich zukommt.

Wie kam es dann zu deiner Verpflichtung beim WSV?

Friedhelm Runge hat mich kontaktiert und mir von seinen Ideen erzählt. Da Thomas Richter hauptberuflich tätig ist und nicht die entsprechende Zeit für die Sportliche Leitung des WSV aufwenden kann, war er auf mich gekommen. Alles was rund um die Regionalligamannschaft anfällt, wie Vertragsgespräche, Kaderplanung und andere administrative Dinge, ist zu zeitintensiv, um es neben einem Hauptberuf erledigen zu können, so dass ich mich neben Teammanager Dirk Schneider nun darum kümmere. Nach einem Austausch, welches Aufgabengebiet auf mich zukommen würde, habe ich zugesagt. Der WSV als Traditionsverein ist immer eine interessante Adresse, auch wenn die letzte Zeit etwas schwierig war. Wir sollten jetzt aber nach vorne schauen, für positive Stimmung sorgen und gemeinsam mit dem Trainerteam die Mannschaft nach vorne bringen.

Der aktuelle Regionalligakader ist größtenteils zusammengeblieben und nur wenige neue Spieler sind von außen dazugekommen. Kann das ein Vorteil sein?

Wir haben Spieler, die schon oberstes Regal in der Regionalliga sind. Bei vielen jungen Spielern muss ich mir auch erst einmal einen Überblick verschaffen, auf welchem Niveau sie sind. Es kann schon ein Vorteil sein, dass wir einen eingespielten Stamm haben. Die richtige Qualität wird man dann sehen, wenn es losgeht.

Als du dein neues Tätigkeitsfeld angetreten hast, stand bereits ein Großteil des Kaders durch die Vertragsverlängerungen fest. Inwieweit warst du schon in die Planung involviert bzw. hat dieser Umstand Einfluss auf deine Gestaltung des Kaders genommen?

Die Vertragsverlängerungen waren schon fix, als ich hier angefangen habe. Meine Verpflichtungen haben dann mit Jonas Erwig-Drüppel, Tim Wendel und Daniel Szczepankiewicz begonnen.

Wie schätzt du den Kader ein und welche Rolle traust du der Mannschaft in der neuen Spielzeit zu?

Zum jetzigen Zeitpunkt ist es schwer, da eine Einschätzung abzugeben. Man muss schauen, wie die Entwicklung der Mannschaft, die es mit einem Großteil des jetzigen Kaders im letzten Jahr nicht einfach hatte, vorangeht und wie die Neuverpflichtungen einschlagen. Wir sollten erst einmal den Saisonstart abwarten und daraus dann vielleicht eine Tendenz ableiten, in welche Richtung es geht. Einfache Spiele gibt es in der Regionalliga bekanntlich nicht und jeder Gegner, gegen den wir dort antreten, hat seine Berechtigung, in dieser Spielklasse vertreten zu sein. Unabhängig vom Namen.

Welche Tugenden werden entscheidend sein, um am Ende erfolgreich zu sein?

Bei unserer Mannschaft muss für Umfeld und Fans, gerade als Traditionsverein, immer der absolute Sieges- und Kampfeswille erkennbar sein. Man kann sicherlich auch mal ein Spiel verlieren, muss aber immer alles rausgehauen haben. Wenn man das nicht macht, hat man ein Mentalitätsproblem und wenn man ein Mentalitätsproblem hat, dann hat man auch keinen Erfolg. Wir haben viele Spieler im Kader, die über Erfahrung und die Mentalität kommen. Die müssen vorangehen, unsere jungen Spieler mitziehen und führen. Wir haben nicht das große Geld, auch wenn wir ein Traditionsverein sind. Davon muss man sich lösen. Wir wollen aber Fußball mit Leidenschaft spielen und der Gegner muss wissen, dass es weh tut, nach Wuppertal zu kommen. Wir müssen sprichwörtlich den Rasen umpflügen, um auch unsere Fans mitzunehmen und mit einem positiven Gefühl nach Hause zu gehen.

Wie schätzt du die aktuelle Zusammensetzung der Regionalliga West ein? Siehst du auch in RW Essen den absoluten Überflieger oder wer wird aus deiner Sicht oben mitspielen?

Da gibt es keine zwei Meinungen, wenn man sieht, wen Essen alles verpflichtet hat. Selbst mit der zweiten Reihe kann man eine sehr gute Mannschaft in der Regionalliga aufstellen. Aber jedes Jahr wird auch gesagt, dass Essen hoch in die 3. Liga muss. Sie haben den absoluten Druck und sind schon so etwas wie eine Übermannschaft. Man sollte aber aus meiner Sicht zwei andere Vereine nicht außer Acht lassen: Die U23 von Borussia Dortmund, die mit Enrico Maaßen einen guten Trainer verpflichtet hat, der zuletzt mit dem SV Rödinghausen Meister geworden ist. Und auch Fortuna Köln ist zu nennen, wenn man sich einmal die dort getätigten Verpflichtungen anschaut. Auch wenn kaum einer über sie spricht.

Aufgrund des späten Saisonstarts und 42 Spieltagen mit 40 Meisterschaftsbegegnungen aufgrund der Corona-Pandemie wird quasi ab September bis Juni 2021 mit einigen englischen Wochen durchgespielt. Wie beurteilst du diese hohe Spielbelastung und siehst du es so wie die meisten Fußballer, die lieber mehr spielen als trainieren?

Ich war schon als Spieler ein Fan davon, lieber viel zu spielen statt zu trainieren. Man muss dafür eine gewisse Breite und Qualität haben, um diese hohe Anzahl an Spielen auffangen zu können, die natürlich anstrengend sind.

Wie groß muss ein Kader für diese Aufgabe sein?

Mit einer Kaderstärke von 22 Feldspielern und drei Torhütern sollte man gut durch die Saison kommen, wenn man nicht allzu viele Verletzte hat. Bei größeren Kadern hat man auch immer viele unzufriedene Spieler, was zu Unruhe führen kann. Dann lieber ein kleinerer Kader mit etwas mehr Qualität.

In der Regionalliga gibt es eine Vierteilung: Zweitvertretungen von Lizenzvereinen, Traditionsvereine im Profi- oder Halbprofibereich mit vielen Zuschauern, aufstrebende Vereine mit finanzstarken Partnern im Rücken, gerade aus dem westfälischen Bereich, und reine Amateurvereine mit Feierabendfußballern. Wie beurteilst du die Regionalliga auch im Hinblick auf den Übergang in den reinen Profibereich 3. Liga?

Vom Finanziellen her ist die Regionalliga eine sehr schwierige Liga und für alle Vereine sehr schwer zu bewältigen. Vom Fußballerischen her hat die Regionalliga West eine sehr gute Qualität. Jeder Verein kann froh sein, wenn er die Regionalliga dauerhaft in Richtung 3. Liga verlassen kann, da sie finanziell schwer zu stemmen ist. Um aufzusteigen, muss man natürlich viel Geld investieren, da man mit geringen Mitteln nicht in die Spitzengruppe hineinstoßen kann. Trotzdem kann man sicherlich auch mit weniger Geld für Furore sorgen, was auch für uns gelten könnte. Wir sind der Traditionsverein, der als Underdog in die neue Saison geht, über den aktuell keiner spricht, was die Spitze angeht. Von daher befinden wir uns in einer angenehmen Situation, so in die Saison starten zu können und werden dann mal sehen, was dabei herauskommt.

Wie wichtig ist es als Sportlicher Leiter aus deiner Sicht, dass man sich in die Spieler hineinversetzen kann?

Das finde ich superwichtig. Erfahrung ist eine ganz wichtige Voraussetzung für diese Position. Wenn man nicht die Sprache der Spieler spricht oder versteht und diese wissen, dass du den Ball nicht geradeaus spielen kannst, ist es schwieriger, die Spieler zu erreichen. Da bin ich schon im Vorteil, weil ich den Beruf des Fußballers selbst jahrelang ausgeübt habe.

Wie sieht ein Arbeitsalltag als Sportlicher Leiter des WSV aus?

Momentan führe ich sehr viele Gespräche, bin eigentlich von morgens bis abends in meinem Büro und schaue mir die Trainingseinheiten an, um mir einen Überblick über die Mannschaft zu verschaffen. Das mache ich mit viel Freude und Spaß an der Aufgabe. Viel Unterstützung erfahre ich auch von meinem gesamten Umfeld, bei dem ich merke, dass alle sehr engagiert für den WSV tätig sind. Da sehe ich mich als Teamplayer mit allen zusammen in einem Boot, denn einer alleine wird den Verein nicht voranbringen können. Ich sehe den Verein auf einem guten Weg und dabei möchte ich helfen.

Der Alltag und auch der Spielbetrieb sind durch die Corona-Pandemie stark beeinflusst. Welche Meinung hast du zur Diskussion, in welchem Umfang wieder Zuschauer in die Stadien zugelassen werden sollen?

Nur so viel: Ich werde es genießen, wenn Zuschauer bei unseren Spielen im Stadion am Zoo dabei sein können, da sie einfach zum Fußball dazugehören. Wenn man wie wir über ein großes Stadion verfügt und eine vernünftige Verteilung hinbekommen kann, dann sollte man dies auch zulassen, um ein wenig Atmosphäre zu haben. In der Fußgängerzone ist das Ansteckungsrisiko sicherlich nicht geringer. Damit ist aus meiner Sicht schon alles gesagt.

Wie wichtig ist aus deiner Sicht ein starker Unterbau für den WSV und wie möchtest du als Sportlicher Leiter Einfluss nehmen?

Das ist schon fast außergewöhnlich und wird außerhalb Wuppertals zu wenig gewürdigt. Alle drei Leistungsmannschaften spielen in den höchstmöglichen Ligen, dazu hat man mit der umgebauten Turnhalle hier auf dem Stadiongelände hervorragende Möglichkeiten für die Jugend bekommen. Das ist sensationell, was die Stadt dort umgesetzt hat. Als ich das gesehen habe, bin ich aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen. Wir müssen einfach weiter daran arbeiten, dieses Potential auszuschöpfen. Nachdem ich mich hier intensiver eingelebt habe, werde ich mich sicherlich auch mit den Jugendverantwortlichen und Trainern zusammensetzen, wie ich dort helfen kann und wir noch weiter vorankommen.

Was macht der Privatmensch Stephan Küsters?

Ich wohne mit meiner Freundin und meinen Hunden in Pulheim. Am besten kann ich bei ausführlichen Spaziergängen abschalten, wo dann auch mal das Handy ausbleibt. Wir gehen gerne Essen oder setzen uns gemütlich mit Freunden zusammen.

Vielen Dank für das ausführliche Gespräch, Stephan!

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