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Dez
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WSV
Mittwoch, 21.10.2020 -

1. Mannschaft

Im Gespräch mit Marco Königs

„Meine Frau und ich genießen es, wieder zu Hause zu sein“

Für Ausgabe 3 des WSV-Stadionmagazins, das seit letzten Samstag erhältlich ist, sprach die neunzehn54-Redaktion vor dem Heimspiel gegen den SV Rödinghausen mit Marco Königs. Der Torjäger wechselte mit der Empfehlung von 28 Zweit- und 190 Drittligaspielen Mitte September zu uns ins Tal. In der Vita des knapp 1,90 m großen Stürmers stehen Vereine wie die Würzburger Kickers, FC Hansa Rostock, SV Wehen Wiesbaden oder Preußen Münster. Nun genießt der 30-jährige Solinger die Rückkehr in die Heimat und hat sich mit dem WSV viel vorgenommen.

Hallo Marco. Bitte schildere uns eingangs, wie es zu deinem Wechsel zu uns gekommen ist?

Nachdem mein Vertrag bei Preußen Münster ausgelaufen ist, habe ich mit meiner Frau besprochen, dass wir nicht mehr so weit weg von zu Hause gehen wollten. Als Stephan Küsters Sportdirektor beim WSV geworden ist, hatte ich relativ früh Kontakt zu ihm, den wir fortlaufend gehalten haben. Dann habe ich angefragt, ob ich mich beim WSV fit halten kann, was mir die Verantwortlichen gerne ermöglicht haben. Im Endeffekt ging es anschließend ganz schnell und ich habe wenige Tage später einen Vertrag unterschrieben. Mir war es wichtig, in der Nähe meiner Heimat zu sein und ich freue mich, dass mir dies geglückt ist.

Was bedeutet „Heimat“ konkret für dich? Sind das Menschen, in deren Nähe du wieder sein wolltest oder geht es um eine Gegend, in der du wohnen möchtest?

Es ist beides. Ich habe hier alle meine Freunde. Meine Familie und die Familie meiner Frau kommen aus Solingen. Wenn ich zum Training fahre, komme ich bei meinem Vater oder meiner Oma vorbei und fahre durch die Gegend, in der ich aufgewachsen bin. Das ist schön zu sehen und dann muss ich immer schmunzeln. Wenn wir zwei Einheiten haben, kann ich bei meinen Eltern oder meiner Oma und meinem Opa etwas essen. Das ist für mich mehr wert als ein paar Euro zusätzlich. Ich war so lange weg und meine Frau und ich genießen es, wieder zu Hause in Solingen zu sein - insofern ist es für uns einfach top gelaufen.

Geht es darüber hinaus vielleicht auch darum, sich in der Heimat ein zweites Standbein aufzubauen für die Zeit nach dem Fußball?

Klar gibt es bei uns Überlegungen, wie es nach dem Fußball weitergehen wird. Da steht einem schließlich noch ein langer Arbeitsweg bevor, insofern beschäftigen wir uns mit diesem Thema und das ist mir auch wirklich wichtig. Es gibt zum jetzigem Zeitpunkt noch nichts Konkretes, aber man macht sich Gedanken.

Wie fandest du deine ersten Wochen beim WSV? Welche ersten Eindrücke hast du gewonnen?

Der Eindruck ist wirklich sehr gut. Bereits als ich mich hier nur fit gehalten hatte, habe ich gesehen, dass hier wirklich eine top Mannschaft, ein super Trainer und ein hervorragendes Umfeld sind, was mir die Entscheidung für den Wechsel leicht gemacht hat. Die Jungs, von denen ich einige auch schon vorher kannte, haben mich super aufgenommen und auch von den Trainingsinhalten her war ich sofort begeistert. Ich habe mich vom ersten Tag an wohlgefühlt und dieser erste Eindruck hat bis heute Bestand.

Wie schätzt du das Leistungsvermögen des Teams ein?

Wir haben eine echt gute Mannschaft, die für die Regionalliga auf jeden Fall sehr konkurrenzfähig ist. Wir haben in einigen Spielen unglücklich Punkte liegen gelassen. Die Mannschaft ist eben noch ziemlich jung, hat aber auf der anderen Seite ein riesiges Potential. Sie wird von Spieltag zu Spieltag wachsen, davon bin ich fest überzeugt. Die älteren und erfahreneren Spieler, zu denen ich auch gehöre, sind sicherlich gefragt, die Mannschaft dabei zu lenken.

Wie schwer wird es dieses Jahr mit 42 Spieltagen? Wie schätzt du die zu erwartende Belastung ein?

Die Saison wird natürlich brutal. Viele englische Wochen bedeuten eine enorme Belastung, aber da müssen wir jetzt durch. Wir müssen unsere Punkte sammeln und ich gehe davon aus, dass wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben werden, weil wir dafür eine viel zu gute Mannschaft haben, deren Qualität viel zu groß ist. Wenn wir diese Qualität auf den Platz bringen, werden wir die nötigen Punkte auch einfahren.

Wie siehst du deine Rolle in der Mannschaft? Mit welchen Stärken kannst du ihr am meisten helfen?

Natürlich möchte ich der Mannschaft in erster Linie mit Toren helfen. Ich bin Stürmer und für mich zählen die Tore. Aber als erfahrener Spieler möchte ich auch einer Führungsrolle gerecht werden. Wir haben eine gewisse Hierarchie in der Mannschaft und viele Jungs, die diesen Anspruch ebenfalls erfüllen können. Ich selbst versuche, da mitzuwirken und möchte meine Erfahrung an die jüngeren Spieler weitergeben. Über meine Stärken rede ich ehrlich gesagt nicht so gerne, aber ich glaube, dass ich die Bälle gut halten kann und einen guten Abschluss habe. Weiterhin versuche ich, meine Mentalität in die Waagschale zu werfen.

Du hast dich für die ungewöhnliche Rückennummer 48 entschieden. Wie kommt’s?

Das werde ich in der Tat von vielen Leuten gefragt. Zum einen waren nicht mehr so viele Rückennummern frei und andererseits habe ich die 48 dann genommen, weil meine Frau am 4. August Geburtstag hat. Das soll ein kleines Zeichen für sie sein.

Du hast 190 Dritt- und 28 Zweitligaeinsätze absolviert. Wie ordnest du den Gang in die vierte Liga sportlich ein?

Aus meiner Sicht ist die Regionalliga sportlich eine super Liga und fühlt sich nicht wie ein Rückschritt an. Das letzte Jahr in der 3. Liga lief, wenn man ehrlich ist, nicht mehr so top und irgendwie bekomme ich durch diese Entscheidung gerade den Spaß am Fußball zurück. Ein bestimmtes Gefühl für den Fußball, das ich im letzten Jahr nicht mehr hatte, habe ich in den letzten Wochen beim WSV wieder zurückbekommen. Ich möchte in der Heimat sein und wieder Spaß am Fußball haben. Auf diese Weise ist das für mich ein neuer Anlauf, so dass ich nun einfach eine gute Regionalliga-Saison spielen möchte.

Was sind sportlich die größten Unterschiede zwischen der zweiten und vierten Liga?

Natürlich ist die individuelle Qualität der Spieler in der zweiten Liga viel höher, das muss man schon sagen. Selbst der Schritt von der dritten in die zweiten Liga ist ein enormer Qualitätsunterschied, der sich damals für mich bemerkbar gemacht hat und den ich ehrlich gesagt vorher nicht so groß erwartet hatte. In der dritten und vierten Liga werden gerne auch mal lange Bälle gespielt und es finden mehr Zweikämpfe statt. In der zweiten Liga sind wirklich alle Spieler einer Mannschaft individuell sehr, sehr stark. Das ist fußballerisch eine andere Welt mit extrem hohem Tempo.

Was sagst du zu den coronabedingten Unsicherheiten? Welche Einstellung hast du dazu gefunden?

Wenn einem im Januar jemand gesagt hätte, dass die 3. Liga pausieren muss und die Regionalliga sogar abgebrochen wird, dann hätte man das wohl niemals geglaubt. Aber jetzt ist die Situation Realität und bestimmt den Alltag. Ich bin natürlich froh, dass wieder Fans ins Stadion dürfen, würde aber logischerweise auch viel lieber vor noch mehr Zuschauern spielen. Im Endeffekt hoffe ich, dass schnell ein Impfstoff gefunden wird, so dass man nach Möglichkeit irgendwann wieder in den Alltag zurückkehren kann.

Hast du dir eine bestimmte Trefferanzahl vorgenommen? Welche Ziele verfolgst du ansonsten?

Eine konkrete Trefferanzahl habe ich mir nicht zum Ziel gesetzt. Ich blicke von Spiel zu Spiel und versuche einfach, so viele Tore wie möglich zu machen. Ich bin heiß, habe einfach Bock auf die Saison und freue mich auf alle weiteren Spiele. Ich hoffe und gehe davon aus, dass wir im Mittelfeld bis oberes Mittelfeld mitspielen können. Ich glaube, dafür haben wir die Qualität. Ich persönlich möchte einfach so lange wie möglich und so lange es mir Spaß macht Fußball spielen. Ich kann mir auch vorstellen, länger beim WSV zu bleiben. Bislang macht mir alles sehr viel Spaß und die Konstellation gefällt mir sehr gut, das ist alles top.

Welche Hobbys außer Fußball hast du und wo trifft man dich in deiner Freizeit an?

Ich gehe oft mit meinen Jungs aus Solingen Tennis spielen. Außerdem haben wir hier eine Rennrad-Clique. Ich muss schon sagen, dass ich sehr viel Sport mache. Darüber hinaus unternehme ich natürlich gerne etwas mit meiner Frau oder mit Freunden und wir verbringen gerne mal einen schönen Abend. Darüber hinaus haben wir einen kleinen Mops, mit dem wir viel Spaß haben.

Was für ein Spiel erwartest du gegen den SV Rödinghausen?

Der SV Rödinghausen war bekanntlich Meister der abgebrochenen Regionalliga-Saison, hat aber im Sommer einige wichtige Spieler des damaligen Kaders verloren, zum Beispiel Torjäger Simon Engelmann, der nach Essen gewechselt ist. Ihr Start war vielleicht etwas durchwachsen, aber uns erwartet natürlich eine richtig schwere Partie. Zu Hause wird es dennoch unser Ziel sein, einen Sieg zu holen.

Vielen Dank für das Gespräch, Marco, und viel Erfolg im rot-blauen Trikot!

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