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Jan
WSV
14:00
SVL
Montag, 30.11.2020 -

1. Mannschaft

Im Gespräch mit Stephan Küsters

„Oberste Priorität ist, dass wir Konstanz in unsere Leistungen bekommen“

Vor dem Heimspiel der Regionalliga West gegen den SC Wiedenbrück sprach die neunzehn54-Redaktion für Ausgabe 5 des WSV-Stadionmagazins mit unserem Sportlichen Leiter Stephan Küsters u.a. über sein Zwischenfazit zur laufenden Saison und die derzeitigen Unwägbarkeiten, bedingt durch die Corona-Pandemie.

Hallo Stephan. Die Saison in der Regionalliga West ist für jeden Verein - je nach Anzahl der absolvierten Spiele - mehr oder weniger vorangeschritten. Wie fällt dein aktuelles Zwischenfazit für den WSV aus?

Bis zu den Spielen in Homberg und Wegberg-Beeck fand ich unsere Tendenz positiv. Durch diese beiden Spiele sind wir zurückgeworfen worden. In der Phase war ich leider durch eine Erkrankung nicht bei den Spielen dabei, was eine Beurteilung am Livestream schwierig macht, da man dort nur Teile des Spielfelds verfolgen kann. Letztendlich war das Auftreten von uns in beiden Partien nicht gut. In Köln haben wir dann 70 Minuten in Unterzahl gespielt, aber alles reingeworfen und eine gute Leistung gezeigt, worauf wir in den nächsten Begegnungen wieder aufbauen müssen.

Die bisherige Punkteausbeute ist aber ein Schnitt, bei dem man nur um den Klassenerhalt spielt.

Definitiv müssen wir unsere Punkteausbeute verbessern.

Was hat dir in der sportlichen Entwicklung besonders gut gefallen und welche Verbesserungen sollten aus deiner Sicht erreicht werden?

Mir gefällt es, dass ich eine Weiterentwicklung aller Spieler, insbesondere unserer jungen Spieler, im Training sehe. Oberste Priorität ist, dass wir Konstanz in unsere Leistungen in den Spielen bekommen. Das schaffen wir nur, wenn wir durch Erfolgserlebnisse in die positive Spur zurückkommen. Bis zum Jahresende müssen wir vor allem in den Spielen gegen die Konkurrenz als WSV punkten. Dazu gibt es keine zwei Meinungen.

Aufgrund der Corona-Pandemie gibt die Tabelle ein stark verzerrtes Bild ab. Schaust du überhaupt noch auf eure Platzierung?

Letztlich ist es nur Aachen, die mit der Spielanzahl deutlich hinterherhinken, bei den anderen Mannschaften sind es ja meistens nur ein bis zwei Spiele. Ich brauche aber nicht auf die Tabelle zu schauen, um festzustellen, dass wir bislang eindeutig zu wenige Punkte geholt haben. Die Bilanz müssen wir schnellstmöglich aufbessern, um in der Tabelle nach oben zu klettern. Da helfen uns nur Siege weiter.

Wie stark beeinträchtigt die jeweilige Corona-Lage euren Trainings- und Spielbetrieb?

Wir machen Woche für Woche regelmäßige Tests, um mögliche Positivfälle von der restlichen Mannschaft trennen zu können, damit wir ganz normal weiter trainieren können. Dabei hilft es uns enorm, dass wir zur Profiliga erklärt wurden. Da ist auch der WDFV gefordert, mit den Gesundheitsämtern zu sprechen, damit wir in der Regionalliga West, wie die ersten drei Ligen im Fußball auch, als Profivereine behandelt werden. Ansonsten sollte man die Testkapazitäten, wenn sie knapp werden sollten, lieber anderweitig einsetzen.

Wie muss man sich die konkreten Abläufe bzgl. der Testungen der Spieler vorstellen?

Grundsätzlich müssen wir in einer normalen Woche 48 Stunden vor einem Spiel testen, in einer englischen Woche einmal pro Woche. Unser Physiotherapeut Niklas Hauck wurde dafür extra geschult und führt diese Tests in Verbindung mit einem Arzt, der ihm zur Seite steht, durch.

Wöchentlich gibt es neue Corona-Fälle bei den Vereinen. Mal fehlen einzelne Spieler, mal geht eine ganze Mannschaft in Quarantäne, je nach Entscheidung des jeweiligen Gesundheitsamtes. Ist die Liga sportlich in diesem Jahr besonders unberechenbar?

Die Testungen sind ja auch deshalb eingeführt worden, damit wir die Saison zu Ende spielen können. Da ist für mich, wie bereits gesagt, der WDFV zuständig, gegenüber den Gesundheitsämtern in NRW zu kommunizieren, dass die Regionalliga West als Profiliga eingestuft worden ist und dann auch so behandelt werden muss. Meiner Meinung nach kann es vor diesem Hintergrund nicht sein, dass gesamte Mannschaften bei einzelnen, wenigen Positivfällen in Quarantäne geschickt werden. Dafür betreiben wir einen großen Aufwand mit Maske tragen, auch auf den Fahrten zum Training und zu den Spielen, getrennten Kabinen, großzügigen Abständen und Besprechungen in entsprechend großen und belüftbaren Räumen. Das sollte bei der Beurteilung durch die Gesundheitsämter auch entsprechend berücksichtigt werden.

Kann die Spielzeit aus deiner Sicht überhaupt regulär beendet werden oder wird es am Ende auf eine Quotientenregel hinauslaufen?

Zur jetzigen Zeit ist es schwer, etwas zur zukünftigen Entwicklung der Pandemie zu sagen. Aktuell spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, die Saison zu Ende zu spielen, da sich die ausgefallenen Spiele noch in Grenzen halten.

Aktuell finden alle Begegnungen als „Geisterspiele“ statt. Fehlen dir ohne Zuschauer die Emotionen? Wie fühlt sich der Fußball gerade für dich an?

Leider durfte ich als Sportlicher Leiter des WSV unsere Fans noch nicht wirklich im Stadion erleben, weiß aber, dass sie viel und gute Stimmung machen können. Fans fehlen nicht nur uns, sondern allen anderen Mannschaften in den Stadien auch. Emotionen und Stimmung von den Rängen gehören hundertprozentig im Stadion dazu. Das tut gerade Traditionsvereinen weh, wenn die Fans nicht da sind. Aktuell haben sich die Spieler aber darauf fokussiert, es anzunehmen, dass einem im Stadion eine gähnende Leere auf den Rängen erwartet. Darauf haben wir uns mittlerweile eingestellt, auch wenn es nicht schön ist.

Von den bundesweit fünf Regionalligen setzt aktuell nur die Regionalliga West den Spielbetrieb fort. Wie hast du die Entscheidung des WDFV aufgefasst?

Ich bin froh, dass wir weiterspielen dürfen und habe die Entscheidung positiv aufgefasst. Auf Dauer werden es aber gerade die Traditionsvereine in der Regionalliga nicht stemmen können, ohne Zuschauereinnahmen zu überleben. Jeder Verein braucht eine gewisse Anzahl an Zuschauern, um seine Kosten decken zu können. Ich hoffe, dass die finanziellen Schäden für die Vereine dadurch nicht zu groß ausfallen, ohne Zuschauer zu spielen. Wir hatten bekanntlich eine sehr niedrige Zuschauerzahl kalkuliert, die wir jetzt aber auch nicht mehr erreichen können.

Wie stehst du in diesem Kontext zu der Diskussion, dass die Liga als Profisport eingestuft wurde, obgleich die andere Hälfte der Vereine zweifellos Amateurstatus hat?

Was die Amateurvereine stemmen müssen, ist nicht einfach. Ich ziehe den Hut davor was dort geleistet wird, wenn z.B. nicht unter Profibedingungen, sondern erst nach Feierabend trainiert wird und dann noch, wie aktuell, die ganzen englischen Wochen dazukommen. Andererseits wissen diese Vereine, was sie in der Regionalliga erwartet. Da muss man sich dann vorher überlegen, ob man in dieser Spielklasse dabei sein möchte.

Wie sehr wird dein Tätigkeitsbereich als sportlicher Leiter durch die Corona-Pandemie beeinträchtigt?

Schwer ist es derzeit für mich, mir keine anderen Spiele live im Stadion anschauen zu können. Vor der Pandemie habe ich bestimmt drei Spiele in der Woche angeschaut. Wenn man sich ein persönliches Bild von Spielern machen möchte, ist es vor Ort einfacher als im Rahmen einer Videozusammenfassung. Das ist die derzeit größte Beeinträchtigung meiner Arbeit. Alles andere läuft als Sportlicher Leiter, wo viel im Büro gearbeitet und Gespräche geführt werden, relativ normal. Da lege ich derzeit meinen Fokus mehr drauf. Ich hoffe einfach für das kommende Jahr, wieder mehr Spiele anderer Vereine selbst im Stadion anschauen zu können.

Weihnachten steht vor der Tür und ist bekanntlich die Zeit für Wünsche. Was wünscht sich Stephan Küsters für das Jahr 2021?

Dass wir wieder mehr mit Menschen zusammenkommen dürfen, wenn der Impfstoff da ist, in der Bevölkerung verteilt wird und dadurch wieder ein wenig mehr Sicherheit vorhanden ist. Für alle wäre es sehr schön, wenn der Alltag, der vor der Pandemie da war, zurückkehrt. Mittlerweile ist es schon anstrengend, sich jeden Tag mit Corona zu beschäftigen. Das wäre für die gesamte Gesellschaft wünschenswert, damit wir ruhig und gewissenhaft in eine Normalität zurückfinden. Für den Fußball wünsche ich mir, dass die Fans im nächsten Jahr wieder in die Stadien dürfen.

Und für den WSV?

Dass wir sportlich die Wende schaffen und wieder in ruhiges Fahrwasser kommen, um dann mit der Planung für die neue Spielzeit beginnen zu können. Ich erhoffe mir weitere Planungssicherheit auch dadurch, dass wir hoffentlich zum Jahresende das Insolvenzverfahren abschließen können und der WSV schuldenfrei in die Zukunft schauen kann. Ich wünsche mir, dass wir im Verein die „Köpfe noch enger zusammenstecken“ und gemeinsam mit unseren Unterstützern und insbesondere Friedhelm Runge in die richtige Richtung gehen. So habe ich den WSV zwar auch bisher schon wahrgenommen, aber ich möchte es noch inniger machen und gegenüber unseren Mitgliedern, Fans und der Öffentlichkeit Transparenz beweisen, damit jeder weiß, dass der Wuppertaler SV auf dem Weg in die richtige Richtung ist. Wir haben noch ganz viel Luft nach oben und diese Lücke würde ich gerne kleiner werden lassen, damit wir uns nicht mehr nur mit dem Klassenerhalt beschäftigen müssen. Wir wollen in der nächsten Saison als WSV - mit der Mannschaft und mit den Fans - zusammen in die richtige Spur finden.

Vielen Dank für das Gespräch, Stephan, und bleib gesund!

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