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Dienstag, 26.01.2021 -

1. Mannschaft

„Der Wuppertaler SV ist eine Herzensangelegenheit“

Trainer Björn Mehnert im Gespräch mit neunzehn54

Vor dem Rückrundenauftakt in der Regionalliga West sprach die neunzehn54-Redaktion für Ausgabe 6 des WSV-Stadionmagazins - die zum Heimspiel gegen den SV Lippstadt erschien - mit unserem Trainer Björn Mehnert über seine Rückkehr nach Wuppertal, die kurze Winterpause und den anstehenden Abstiegskampf mit dem WSV. Von 2002 bis 2009 trug „Mehne“ mit einer kurzen Unterbrechung sehr erfolgreich als Spieler das rot-blaue Trikot.

Hallo Björn. Auch von uns noch ein herzliches Willkommen zurück im Tal. Nachdem du fast sieben Jahre als Spieler mit einigen Erfolgen das WSV-Trikot getragen hast, bist du nunmehr elf Jahre später als Trainer zurückgekehrt. Was bedeutet dir persönlich dieses Engagement?

Ich habe mich wahnsinnig gefreut über das Interesse des Vereins, denn der Wuppertaler SV ist eine Herzensangelegenheit. Für mich ist das ein Stück weit wie „nach Hause kommen“, denn in meiner Laufbahn als aktiver Fußballer gab es zwei wichtige Vereine: Das ist zum einen Borussia Dortmund, wo ich sehr lange im Jugend- und Seniorenbereich gespielt habe, und zum anderen eben der Wuppertaler SV. Ich glaube, es ist selten, dass man im Leistungsfußball ab der C-Jugend nur vier Vereine hatte - nicht nur heutzutage, sondern auch zu „meiner“ Zeit. In meinen 19 Jahren waren das wirklich nur diese zwei großen Vereine: Borussia Dortmund und Wuppertaler SV.

Welche Bilder von deiner Zeit als Spieler sind dir noch am meisten präsent?

Viele positive Bilder mit vielen ehemaligen Mannschaftskollegen, die auch über die Jahre Freunde geblieben sind, wie Andreas Gensler oder Christian Maly. Ich erinnere mich an viele Siege, die man mit den Fans gefeiert, aber auch an Niederlagen, die man gemeinsam durchlebt hat. Ich kann mich sehr gut erinnern an die Derbys gegen Rot-Weiss Essen und wie wir sie im Stadion am Zoo geschlagen haben. Ein Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig vor 13.000 Zuschauern, das Testspiel im Winter bei Minusgraden gegen Bayern München (Anm. d. Red.: 3:5-Niederlage am 24.01.2004), das Auswärtsspiel beim FC St. Pauli, als 500 WSV-Fans uns begleitet und nach dem Schlusspfiff Christian Maly gefeiert haben (Anm. d. Red.: 2:1-Sieg am 06.03.2004) - das alles sind natürlich durchweg positive Erlebnisse, die ich nie vergesse.

WSV-Fans erinnern sich gerne an die Saison 2003/04 mit Trainer Georg Kreß zurück, in der du mit Karsten Baumann ein herausragendes Verteidiger-Duo gebildet hast. Für dich ebenfalls ein besonderes Kapitel deiner Spielerkarriere?

Ja, klar. Alleine schon, mit Karsten Baumann zusammenspielen zu dürfen, denn er war nicht nur ein toller Fußballer, sondern auch ein feiner Mensch. Wir haben in dieser Saison wirklich eine Top-Mannschaft gehabt, nicht nur sportlich. Das war die WSV-Mannschaft, die sich nicht nur auf, sondern auch außerhalb des Platzes am besten verstanden hat. Das waren nicht nur die berühmten „Elf Freunde“, die man - frei nach dem Fußballroman von Sammy Drechsel - sein muss, sondern es waren 20, 22 Freunde. Das habe ich vorher und nachher in dieser Form nicht mehr erlebt.

Im Hier und Jetzt befindet sich der WSV im Abstiegskampf, so dass der Verein bekanntlich kurz vor der Winterpause einen Trainerwechsel vorgenommen hat. Wie kam es zu deiner Rückkehr?

Eins möchte ich klarstellen und das habe ich auch den Jungs gesagt: Für mich gibt es keine Hinserie und ich blicke auch nicht auf die letzten sechs Monaten zurück, sondern für uns gibt es nur das, was uns nun in naher Zukunft bevor steht: Wir haben jetzt 21 „Pokalspiele“, also eine Serie von 21 Spielen, in denen wir gegen jede Mannschaft - mit Ausnahme von Alemannia Aachen, gegen die wir zweimal spielen - genau einmal antreten dürfen. Diese Serie versuchen wir so erfolgreich wie möglich zu gestalten. Wie es in der Vergangenheit zu der Entwicklung bis zum Trainerwechsel gekommen ist, dazu kann ich nichts sagen. Ich kann sagen, dass die Kontaktaufnahme Anfang Dezember war und meine Rückkehr innerhalb von 36 Stunden vonstatten gegangen ist. Man hat mich kontaktiert und angefragt, ob es trotz meines Arbeitsverhältnisses in Hamm eine Möglichkeit gäbe. Ich habe dann mit meiner Geschäftsführung relativ schnell abgeklärt, dass es möglich ist, die Arbeitszeit zu halbieren, so dass es am Ende für mich gar keine Frage mehr war, dem Ruf des WSV zu folgen und „nach Hause“ zu kommen.

Wie würdest du den Zustand der Mannschaft und des Vereins beschreiben, als du hier deine ersten Tage als Trainer verbracht hast und mit welcher Stimmungslage bist du die Aufgabe angegangen?

Nochmal: Ich mag gar nicht zurückblicken. Die Jungs sind heiß auf Fußball und jeder will mit anpacken, um unsere „Pokalserie“ erfolgreich zu gestalten. Ich finde schon, dass eine grundsätzlich positive Stimmung herrscht, denn man hat die Insolvenz mit Hilfe von Friedhelm Runge hinter sich gelassen und muss nun gemeinsam versuchen, den WSV wieder in und außerhalb der Stadt leuchten zu lassen. Ich erinnere mich gerne zurück, als man durch die Stadt gegangen ist und als Spieler mit den Fans gemeinsam nach einem Sieg oder selbst nach einer Niederlage ein Bier trinken konnte. Dieses Wir-Gefühl auf allen Ebenen hat den WSV ausgezeichnet und war die Stärke im Erfolg und Misserfolg. Ich möchte eines klarstellen: Durch meine berufliche Erfahrung in den letzten Jahren brauche ich niemandem nach der Nase zu reden. Jeder sollte verstehen, dass es nur gemeinsam geht. Allen Leuten - auf der Geschäftsstelle, im Vorstand, Stephan Küsters, Gaetano Manno, allen um die Mannschaft herum und Friedhelm Runge - geht es um eine bessere sportliche Zukunft für und mit dem WSV. Niemand ist aktuell mit der sportlichen Situation zufrieden und da gilt es gemeinsam für alle, seine ganze Kraft und Energie in dem Bereich, in dem man seine Fähigkeiten hat, bestmöglich für unseren WSV einzusetzen.

Du bist in einer auch vom Spielplan her schwierigen Phase mit drei Auswärtspartien am Stück gekommen. Wie fällt dein Fazit der ersten drei Spiele unter deiner Leitung (3:3 in Bonn, 0:1 in Bergisch Gladbach, 0:3 in Dortmund) rückblickend aus?

Natürlich hätten wir gerne mehr Punkte geholt, das sage ich ganz ehrlich. Aber als ich hier angetreten bin, war mir klar - und das habe ich auch immer gesagt -, dass ich zwei Wochen brauche, um zu analysieren, gewisse Sachen aufzudecken, Steine umzudrehen und Dinge zu hinterfragen. Das habe ich nach meinem Empfinden dann auch getan. Es gab eben auch Gründe, warum die Mannschaft zum Ende des Jahres 2020 dort gestanden hat, wo sie stand. Aber all das ist abgehakt und wir blicken jetzt nach vorne. Wir sagen uns nicht „wir stehen auf einem Abstiegsplatz“, sondern „wir fangen bei Null an“.

In der kurzen Winterpause wolltest du zusammen mit der Sportlichen Leitung die Lage intensiv analysieren. Wie ist diese Analyse ausgefallen?

Einzelne Positionen waren nicht ausreichend besetzt, weil es zum Beispiel auf den Außenverteidigerpositionen nur einen Spezialisten für diese Position gab. Wir haben gewisse Positionen identifiziert, auf denen ich einfach Handlungsbedarf gesehen habe, um die Mannschaft so aufzustellen, dass sie die Ziele erreichen kann. Darüber hinaus glaube ich, dass wir innerhalb der Mannschaft ein größeres „Wir“ und ein größeres Gemeinschaftsgefühl entwickeln müssen. Es kann nicht sein, dass dieses Wir-Gefühl von außen kommt, sondern es muss immer von innen heraus kommen. Die Mannschaft muss es vorleben und auch hier muss der Einzelne vielleicht auch seine persönlichen Egoismen und Eitelkeiten ein Stück weit zurückstellen. Es geht nur als Team - das versuche ich als Teamplayer vorzuleben, damit es gemeinsam in eine Richtung geht.

Es gab eine deutliche Kaderumbesetzung. Wo lag hierbei der Schwerpunkt und was sind die Tugenden, mit denen die neuen Spieler dem Team weiterhelfen können?

Das sind durchaus ganz verschiedene Tugenden. Sebastian Patzler gibt der Mannschaft mit seiner Erfahrung und Routine Sicherheit, die er von hinten ausstrahlt. Man sieht in jedem Training, dass er auf dem Platz einfach ein positiver Typ ist. Er macht auch mal einen Spaß und ist ein absolut torwartverrückter Kerl, der mich an alte Zeiten erinnert. Wenn er seine Emotionen herauslässt nach einem gehaltenen Ball, hat sich der eine oder andere junge Spieler auch schon mal erschrocken. Ich finde das gut, denn so eine positiv-verrückte Art gehört einfach dazu. Von Lars Holtkamp und Moritz Römling vom VfL Bochum erwarte ich einfach, dass sie heiß auf Fußball sind. Sie sind top ausgebildet worden bei einem Zweitligisten und gehörten dort zum Kader, Moritz hat sogar ein paar Minuten spielen dürfen. Lars wurde leider in der Vorbereitung durch einen Muskelfaserriss ausgebremst, aber dennoch sind Lars und Moritz einfach zwei „junge Wilde“, die losgelassen werden wollen. Aber das erwarte ich eigentlich auch von jedem Spieler im Kader. Die Jungen sollen aktiv sein, marschieren, Fußball leben und Spaß daran haben. Sie dürfen auch mal Fehler machen und aus ihren Fehlern lernen, denn was ich nicht will, ist Passivität.

In diesem Jahr gab es nur eine kurze Trainingspause und die Vorbereitung fiel mit zwei Wochen bis zum Pflichtspielauftakt sehr kurz aus. Welche Schwerpunkte hast du dabei gesetzt?

Wir haben versucht, durch entsprechende Spielformen Spielfreude und Handlungsschnelligkeit rein zu bekommen. Wir haben sehr viel am Pass- und positionsspezifischem Passspiel gearbeitet. Wir haben daran gearbeitet, wie wir uns die Spieleröffnung und -fortsetzung vorstellen. Ich gebe ehrlich zu, dass es teilweise schwierig war, gewisse Automatismen zu erzeugen, etwa wenn zum Beispiel mit Uphoff und Pytlik zwei Spieler gleichzeitig ausfielen, die die Innenverteidigung bilden könnten, oder wenn der Kader zunächst noch nicht vollständig war. Also mussten und müssen wir uns alles nach und nach erarbeiten. Wir sind zunächst mit einem kleineren Kern in die Vorbereitung gestartet, was ich aber nicht als Nachteil ansehe, denn dieser kleinere Kern konnte zunächst besser zusammenwachsen, so dass es für die Neuverpflichtungen einfacher war, in unsere WSV-Familie einzutreten.

Neben dem „Wir-“ und dem Gemeinschaftsgefühl - welche Tugenden sind in der Rückrunde noch gefragt, um einen erfolgreichen Kampf um den Klassenerhalt zu bestreiten?

Wir müssen eine Familie sein und als Familie auftreten, so beschreibe ich das gerne. Eine Familie zeichnet sich dadurch aus, dass einer für den anderen da ist, egal in welcher Situation. Wenn man ein Fest feiern möchte, nimmt man jeden mit. Aber es geht eben auch darum, jemanden genauso mitzunehmen, wenn es einem nicht so gut geht. Im Spiel gegen den Ball muss sich jeder bestmöglich auf seiner Position einbringen und versuchen, ein Tor des Gegners zu verhindern. Genauso muss sich jeder einzelne im Offensivspiel einbringen. Einer muss für den anderen da und bereit sein, einen Fehler des Nebenmanns auszugleichen. Jeder muss bereit sein, auch mal einen Meter für den Nebenmann mehr zu machen, weil man sich eben darauf verlassen kann, dass einem in anderer Situation vom Nebenmann ebenfalls geholfen wird. Wir müssen eine starke Familie werden, um es jedem neuen Familienmitglied leicht zu machen, sich zu integrieren. Allerdings möchte ich nicht, dass man nach dem Spiel sagt „der Wuppertaler SV ist eine liebe, nette Familie“, sondern man soll uns durchaus als „eklige Gemeinschaft“ wahrnehmen.

Spielt für dich das Thema „Saisonabbruch“ noch eine Rolle - was für den WSV kurzfristig von Woche zu Woche die Gefahr mit sich bringen würde, knapp über oder knapp unter dem Strich zu stehen - oder gehst du davon aus, dass nun ziemlich sicher durchgespielt wird?

Schwierige Frage. Ich glaube, man sollte dieses Szenario einerseits nicht ganz aus dem Auge verlieren, aber andererseits sollten wir uns auch nicht von einem „Endzeitszenario“ verrückt machen lassen. So wie es aktuell entschieden und umgesetzt wurde gehe ich davon aus, dass die Regionalliga West als Profiliga - mit den ganzen Hygiene- und Testkonzepten, die dahinter stehen - auch bis zum Saisonende durchziehen wird. Die Vereine haben eine Menge investiert, um das bewerkstelligen zu können. Ich kann mir nur schwer vorstellen, dass die Saison nicht zu Ende gespielt wird, und habe die Hoffnung, dass die Pandemie aufgrund der nun zugelassenen Impfstoffe sich zumindest nicht weiter ausbreitet, sondern dass es eher - wenn auch langsam - rückläufig wird. Ich habe leider nicht die Hoffnung, dass wir in einem Monat wieder Zuschauer in den Stadien haben werden, obgleich uns das sicherlich helfen würde, denn unsere Familie ist groß und stark - das weiß ich aus eigener Erfahrung. Trotzdem müssen wir schnellstmöglich versuchen, Erfolgserlebnisse in die Köpfe zu bekommen, denn im Fußball findet vieles im Kopf statt. Ich bin ein Sportler mit Ehrgeiz, ebenso die Mannschaft, und wir bereiten uns auf jedes Spiel so vor, dass wir es gewinnen wollen.

Du hast das Thema „Geisterspiele“ angesprochen: Fehlen dir ohne Zuschauer die Emotionen oder hat sich mittlerweile ein Gewöhnungseffekt eingestellt?

Der wird sich nie einstellen, denn Zuschauer gehören ganz einfach dazu. Emotionen und Leidenschaft gehören dazu: Jubelnde Fans, aber auch mal Pfiffe - freudige und traurige Gesichter. All das macht den Fußball aus. Egal wie lange die Pandemie dauert, ich würde mich nie daran gewöhnen können, Fußball ohne Zuschauer zu erleben. Es ist schrecklich ohne Zuschauer, aber aktuell in der Pandemie der einzig vernünftige Weg.

Welche Art von Fußball möchtest du spielen lassen? Hast du eine grundsätzliche Idee oder muss man das immer abhängig vom Spielermaterial machen?

Ich versuche schon einen Wiedererkennungswert meiner Mannschaften zu erzeugen. Es gibt gewisse Werte, die sich zeigen sollten. Die Mannschaft sollte aktiv und mutig spielen. Man sollte Leidenschaft und eine gesunde Aggressivität mit schnellen Umschaltmomenten mit und gegen den Ball sehen. Die Spieler sollten aber auch immer einen gewissen Freiraum für Kreativität behalten, denn davon lebt der Fußball. Meine Spielidee zeichnet sich im Spiel gegen den Ball durch eine klare Ordnung aus und gibt im Offensivspiel den notwendigen Freiraum für eigene Lösungen der Spieler. Selbstverständlich sind aber Spielermaterial und vorhandene Charaktere Einflussfaktoren auf diese Idee.

In deiner bisherigen Trainerlaufbahn hat immer auch dein Hauptberuf bei einer Commerzbank-Tochter im Vordergrund gestanden. Wie verbindest du das mit deiner Trainertätigkeit beim WSV?

Ich habe eine Vereinbarung mit meinem Arbeitgeber getroffen und bin diesem auch sehr dankbar dafür, dass er der Reduzierung meiner Arbeitszeit so schnell zugestimmt hat. Ich widme mich nun voll und ganz bis zum Sommer dem WSV und dem Vereinsziel „Klassenerhalt“, sowie dem Vorhaben, das Schiff wieder in die richtige Richtung zu steuern. Das schaffe ich aber nicht alleine, deswegen war es mir auch sehr wichtig, in einem guten Team zusammenzuarbeiten. Die Jungs haben Power und Bock darauf, sie geben alles für den Verein. Wenn ich sehe, wie Stefan, Gaetano, meine beiden Co-Trainer und Niklas 24 Stunden den WSV leben und dafür alles geben, dann bin ich mir sicher, dass sich dieser Aufwand und deren Arbeit auszahlen wird. Ich bin dabei nur ein kleines Puzzleteil, das sich ebenfalls komplett einbringt und beide Jobs miteinander verbindet, da es mir einfach Spaß macht, in so einem Team arbeiten zu dürfen.

Das neue Jahr ist noch sehr jung. Welche Wünsche hast du für das Jahr 2021?

Ich wünsche mir einfach, dass wir alle gesund bleiben. Dass die Pandemie schnellstmöglich beendet ist, denn ich möchte eines Tages wieder viele bekannte Gesichter im Stadion treffen - vielleicht auch mit ähnlicher Frisur wie ich sie damals schon hatte (lacht). Ich hoffe auf viele „alte“ und „neue“ Gesichter, die mit dem WSV mitfiebern wollen. Ich möchte mit den Fans gemeinsam Siege feiern, aber auch bei Niederlagen ihren Rückhalt spüren - so wie ich die WSV-Fans kennengelernt habe.

Kannst du dir vorstellen, über die Saison hinaus WSV-Trainer zu bleiben und welche Entwicklung würde dir mittel- und langfristig vorschweben?

Ich möchte tatsächlich erst mal bis zum Sommer denken, denn es wird bis dahin anstrengend und hart genug werden. Wir werden alles geben und ich mache mir deshalb aktuell keine Gedanken über den Sommer hinaus. Für mich ist der WSV ein toller Verein und ich möchte helfen, dass man die Klasse erhält. Wenn der WSV das im Sommer geschafft hat und ich habe meinen Beitrag dazu geleistet, dann wäre ich stolz. Ginge es dann für mich nicht weiter, würde ich stolz nach Hause gehen. Sollte es eine Möglichkeit geben, dass es weitergeht, würde ich mich davor sicher nicht verschließen - aber mein Fokus ist ganz klar zunächst auf 21 Spiele gerichtet. Ich möchte nun gemeinsam mit der Mannschaft und dem Trainerteam alles raushauen und der Sommer interessiert mich eigentlich gar nicht. Vielleicht fragt ihr mich im Sommer ja nochmal dazu (lacht).

Mit dem SV Lippstadt kommt ein Mitkonkurrent um den Klassenerhalt nach Wuppertal. Was erwartest du von dem Spiel und von deiner Mannschaft?

Auf der Trainerbank des SV Lippstadt sitzt mit Felix Bechtold mein bester Freund. Wir kennen uns sehr gut und werden uns nicht viel vormachen können. Ich kenne seine Spielidee und er weiß, wie ich Fußball spielen lasse. Als Trainer bei Westfalia Rhynern war er mein Spieler und wir haben darüber hinaus unsere Freundschaft aufgebaut und bis heute gehalten. Ich freue mich immer, gegen ihn spielen zu dürfen. Er ist ein sehr guter Trainer, der seinen Weg gehen wird. Was erwarte ich von dem Spiel? Es wird natürlich ein Abstiegskampf, das muss man ganz klar sagen. Beide Mannschaften werden bis zum Ende um den Klassenerhalt spielen. Es werden Emotionen, Leidenschaft und Kampf im Spiel sein. Wir hoffen natürlich, dass die Zuschauer, die das Spiel leider nur im Livestream anschauen können, etwas geboten bekommen.

Was möchtest du zum Abschluss unseren Mitgliedern und Fans sagen?

Ich habe total Bock auf den WSV und freue mich auf die Spiele. Ich glaube, wenn man sich mit mir unterhält, merkt man das auch. Mir ist aber wichtig, dass wir die Situation gemeinsam meistern. Genau wie durch so eine Pandemie kommen wir durch den Abstiegskampf nur gemeinsam. Wir sind gerade in einer sportlichen Situation, die nicht schön ist. Ich erhoffe mir einfach, dass alle versuchen, gemeinsam und konstruktiv in eine Richtung zu gehen und uns bestmöglich zu unterstützen. Was ich versprechen kann: Auf dem Platz stehen Jungs, die charakterlich einwandfrei sind und für den WSV in den 21 Spielen alles geben werden. Ich kann keine bestimmte Punktzahl versprechen, denn ich bin schließlich kein Hellseher. Aber ich kann versprechen, dass die Jungs den WSV leben und alles raushauen werden. Es wird sicher auch Niederlagen geben, aber im Sommer werden wir gemeinsam im Sonnenschein den Klassenerhalt feiern. Glaubt an uns und unterstützt uns bestmöglich, denn gemeinsam sind wir stärker.

Vielen Dank für das ausführliche Gespräch, Björn, und viel Erfolg für die Rückrunde!

Quelle: neunzehn54

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