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WSV
Donnerstag, 28.01.2021 -

1. Mannschaft

Im Gespräch mit Stephan Küsters

„Es gibt jetzt keine Ausreden mehr für uns“

Vor dem Rückrundenauftakt in der Regionalliga West fragte die neunzehn54-Redaktion für Ausgabe 6 des WSV-Stadionmagazins - die zum Heimspiel gegen den SV Lippstadt erschien - bei unserem Sportlichen Leiter Stephan Küsters nach, warum es einen großen Kaderumbruch im Winter gegeben hat und wie das Ziel Klassenerhalt geschafft werden soll.

Zum Jahreswechsel steht der WSV auf einem unbefriedigenden Abstiegsplatz in der Regionalliga West. Wie fällt dein Zwischenfazit nach 19 von 40 absolvierten Spielen aus?

Der Abstiegsplatz sagt eigentlich alles aus. Unsere Situation ist absolut nicht zufriedenstellend. Aus dem Grund haben wir die Köpfe zusammengesteckt und gesagt, dass wir etwas ändern müssen. Das haben wir getan. Wir haben Spieler aus dem Kader genommen, bei denen sich viele Außenstehende gefragt haben, warum es gerade diese Spieler getroffen hat. In meinen Augen - bei 16 Punkten aus 19 Spielen - hat kein Spieler das Recht zu sagen, ich habe meine Leistung gebracht. Ich hatte das Gefühl, dass die Mannschaft neue Impulse brauchte. Namen sind Schall und Rauch und deshalb haben wir jetzt die Entscheidungen so getroffen. Ich hoffe, dass wir ab sofort den Weg in die andere Richtung gehen werden.

Nach außen hin wurde immer vermittelt, dass in der Kabine pure Harmonie herrschte. War dem doch nicht so?

Vielleicht herrschte in der Kabine zu viel Harmonie. Aus meiner Sicht ist im Fußball aber auch eine extreme Mentalität gefragt. Und wenn wir zu wenig Mentalität haben, dann haben wir gleichzeitig auch zu wenig Erfolg. Deshalb waren wir jetzt an dieser Stelle gefordert, auch wenn es natürlich einigen Spielern wehtut. Wir benötigen in der Mannschaft mehr Mentalität und daher müssen wir einige Spieler abgeben. Das ist das Fazit, was wir gezogen haben und ich bin überzeugt davon, dass dies der richtige Schritt ist. Wenn wir in der bestehenden Konstellation geblieben wären, hätte ich große Bauchschmerzen gehabt.

Bleiben wir noch einmal kurz beim bisherigen Saisonverlauf. Befand sich die Mannschaft zu sehr in einer Komfortzone?

Ich würde eher sagen, in einer Wohlfühloase.

Die Gehälter sind trotz Corona-Lage - auch durch den Hauptgeldgeber Friedhelm Runge - zuverlässig gesichert. Nach außen hin hieß es, dass wir eine sorgenfreie Saison 2020/21 spielen wollen. Habt ihr den Spielern damit vielleicht auch etwas die Vision genommen, mehr zu wollen und an die Leistungsgrenze zu gehen?

Wir wollten ihnen ein wenig den Druck nach der letzten schweren Saison nehmen. In einer solchen Situation erkennt man dann im Folgenden aber auch, ob die Spieler dies anerkennen und sich sagen, ich haue jetzt alles für den Wuppertaler SV raus, weil ich den schönsten Job der Welt ausüben und mich nur auf das Fußballspielen konzentrieren kann. So ist es mit viel gutem Willen für die Jungs aufgebaut worden. Im Folgenden muss sich dann zeigen, ob ein guter Charakter in der Truppe herrscht oder nicht. Wenn wir dann bei 16 Punkten aus 19 Spielen stehen muss ich sagen, dass wir nicht genügend Charakter in der Mannschaft haben, um den Wuppertaler SV in die Region zu bringen, wo wir alle hinwollen. Deshalb haben wir jetzt diese personellen Entscheidungen getroffen.

Wie beurteilst du die bisherigen Winterverpflichtungen und sind noch weitere Kaderneuzugänge zu erwarten?

Bis 31. Januar besteht noch die Möglichkeit, Spieler zu verpflichten. Man muss auch schauen, ob der eine oder andere freigestellte Spieler noch einen neuen Verein findet. Aktuell sind wir sehr zufrieden mit den Neuzugängen. Lars Holtkamp und Moritz Römling sind zwei Toptalente, haben die ganze Zeit unter Topbedingungen bei einem Zweitligisten trainiert und häufig im Kader gestanden oder erste Einsätze gehabt. Das bekommt man nicht einfach so geschenkt, sondern muss man sich erarbeiten. Von beiden erhoffen wir uns individuell eine bessere Qualität für unsere Mannschaft, auch wenn Lars Holtkamp verletzungsbedingt erst einmal ausfällt. Mit Sebastian Patzler haben wir einen Torwart geholt, der für mich einer der besten in der Regionalliga West ist, was er auch schon bewiesen hat. Mit Viktoria Köln ist er zweimal Meister geworden und in die 3. Liga aufgestiegen. Aus diesem Grund muss er schon eine Qualität haben, um dort im Tor zu stehen. Burak Gencal war absoluter Leistungsträger beim Bonner SC und hat gezeigt, dass er gut Tore vorbereiten aber auch selbst erzielen kann. Er ist ein Spieler mit einer sehr guten Mentalität, kein Lautsprecher, der aber an sich hohe Ansprüche stellt und für die Mannschaft alles reinhaut. Er ist ständig unterwegs, kann sowohl auf den Außenbahnen, hinter der Spitze oder selbst - mit einem guten Abschluss - vorne drin stehen, ist also variabel einsetzbar. Er ist ein Spieler, den man gerne in seinen Reihen hat. Mit Christopher Schorch und Lars Bender haben wir zudem weitere Erfahrung und Mentalität ins Team geholt. Schorch ist mit Uerdingen aus der Liga aufgestiegen, kopfballstark und ein Leader. Das brauchen wir jetzt. Lars Bender ist einer erfahrener Junge, der defensiv und offensiv stark ist. Er ist trotz seines Alters sehr agil und ein moderner Rechtsverteidiger. Die beiden bringen Stabilität in die Truppe.

Trainer Björn Mehnert spricht von 21 „Pokalspielen“, die in der Rückrunde, inklusive des Nachholspiels gegen Alemannia Aachen, anstehen. Was ist jetzt gefragt, um den Kampf um den Klassenerhalt erfolgreich zu bestreiten?

Das mit den Pokalspielen ist ein guter Ansatz, da wir ab jetzt wirklich jedes Spiel wie ein Endspiel angehen sollten. Wir müssen zeigen, dass wir eine Mannschaft sind und nicht bloß davon reden, dass wir viel Harmonie haben und uns gut verstehen. Kampfgeist und Mentalität muss an oberster Stelle stehen. Wir dürfen nicht mehr rechts oder links schauen, sondern im nächsten halben Jahr zählt nur Fußball für uns. Es gibt jetzt keine Ausreden mehr für uns.

Mit dem SV Lippstadt kommt ein Mitkonkurrent um den Klassenerhalt nach Wuppertal. Was erwartest du von der Mannschaft im ersten Heimspiel 2021?

Wir müssen auf den Platz gehen und den Rasen umpflügen, was im Winter ja auch nicht so schwer ist (schmunzelt). Bisher haben wir in den Heimspielen immer versucht Fußball zu spielen, was bei den aktuellen Platzverhältnissen aber schwer möglich ist. Wir haben da eher ein Geläuf, so dass wir unsere Spielweise umstellen müssen - was aber keine Ausrede für unsere bisher schwache Punkteausbeute sein soll. Wenn wir rausgehen, kann es nur Kampfgeist geben und wir müssen uns in jeden Zweikampf reinhauen. Wir müssen es wie ein Endspiel angehen, an dessen Ende bei einem Sieg der Pokal winkt und wir mit unseren Fans - wenn auch leider auf Distanz am Endgerät - jubeln wollen. Das muss oberste Priorität sein und wäre extrem wichtig.

Du sprichst die aktuellen Platzverhältnisse an: Gerade im Winter gab es in den letzten Jahren viele Spielausfälle in Wuppertal. Ohne Zuschauer könntet ihr auch auf Kunstrasen ausweichen. Gibt es diesbezüglich Überlegungen bei euch, um zu viele Nachholspiele zu vermeiden?

Wenn wir vom Sportplatz Nocken sprechen, so kann es natürlich auch passieren, dass der dortige Kunstrasen schneebedeckt oder vereist ist, da er höher als das Stadion liegt. Wir prüfen aber diese Option und wollen nicht unnötig viele Nachholspiele haben. Nicht dass die Saison doch auf einmal abgebrochen wird und wir dann große Augen machen, weil wir unter dem Strich stehen, dann hätten wir alle ein Problem. Deshalb haben wir unsere Fühler ausgestreckt und müssen natürlich abwarten, ob wir dafür auch die Genehmigung bekommen würden.

Was möchtest du zum Abschluss unseren Mitgliedern und Fans sagen?

Ich wünsche allen ein frohes und vor allem gesundes neues Jahr. Gesundheit ist in der aktuellen Situation das Wichtigste überhaupt. Wir als WSV - dazu gehören Mannschaft und das gesamte Umfeld - wollen den Partnern, Mitgliedern und Fans wieder ein Lächeln ins Gesicht bringen. Die letzten Wochen und Monate haben wir alle wenig zu lachen gehabt. Wir wollen alle zusammen wieder Freude ins Stadion - aktuell leider ohne Fans - oder nach Hause bringen. Wenigstens können die Spiele über Streaming verfolgt werden und ich wünsche uns allen eine viel bessere Rückserie. Dass wir relativ schnell da unten rauskommen, den weiteren Spielen entspannter entgegensehen können und wir im weiteren Verlauf vielleicht nicht jedes Spiel als Endspiel betrachten müssen. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg für uns und wir müssen unsere Hausaufgaben machen. Dafür benötigen wir unsere Fans, auch wenn sie nicht im Stadion sind. Rundherum sollten wir uns positiv auf die Mannschaft und das, was auf uns zukommt, einlassen. Das wünsche ich mir von unseren Fans. Ich kann versprechen, dass wenn wir rausgehen, wir alles geben werden. Dabei wünsche ich uns allen viel Erfolg.

Vielen Dank, Stephan, und viel Glück und Erfolg für die anstehende Rückrunde!

Quelle: neunzehn54

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