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Dienstag, 09.02.2021 -

1. Mannschaft

„Ich versuche mich jeden Tag weiterzuentwickeln“

Unser Stadionmagazin neunzehn54 im Gespräch mit Kevin Pytlik

Kevin Pytlik spielte bereits in der U14 beim WSV und kam über Umwege im Ruhrgebiet pünktlich nach dem Aufstieg in die Regionalliga West 2016 wieder zurück an die Hubertusallee, wo er seitdem - mit Ausnahme eines kurzen Abstechers bei den Sportfreunden Lotte 2018/19 - im Kader steht. In der laufenden Saison kam der Verteidiger auf elf Einsätze im rot-blau Dress, verpasste nur aufgrund einer Verletzung und einer Zwei-Spiele-Sperre nach einer Notbremse im Heimspiel gegen den SC Wiedenbrück die übrigen Meisterschaftsspiele seiner Mannschaft. In der Winterpause sprach die neunzehn54-Redaktion für Ausgabe 6 des WSV-Stadionmagazins mit unserem Abwehrspieler Kevin Pytlik unter anderem über die laufende Saison, seine Zeit bei der polnischen U-Nationalmannschaft und wie es für ihn persönlich ist, ohne die zahlreichen Zuschauer im Stadion am Zoo auszukommen.

Unsere Nummer 27 erblickte im Jahr 1997 in Wuppertal das Licht der Erde. Bereits im jungen Alter - als andere 5-jährige noch ganz andere Interessen haben - spielte Kevin bei den Sportfreunden Siepen in der Jugend Fußball. Nach fünf Jahren beim kleinen Verein in Velbert-Neviges schloss sich der heute 1,85 Meter große Verteidiger dem FC Wülfrath an und spielte bereits auf höherem Niveau. Da dort die guten Leistungen nicht unbeachtet blieben, wechselte Kevin zum Wuppertaler SV. Ab Sommer 2010 lief er mit seinem neuen Team beim U14 Nachwuchs-Cup auf und konnte sich mit Mannschaften wie Borussia Dortmund und Bayer 04 Leverkusen messen. Nach einer Saison zog es Kevin weiter zu Eintracht Dortmund. Dort blieb der gelernte Verteidiger ebenfalls für eine Spielzeit und im darauffolgenden Jahr wechselte er zum heutigen Ligakonkurrenten Rot-Weiss Essen. In der dortigen U16 machte Kevin wieder einmal auf sich aufmerksam und weckte das Interesse des Zweitligisten VfL Bochum, der in ganz Deutschland einen guten Ruf für seine exzellente Jugendarbeit genießt. Beim VfL zählte Kevin sowohl in der B- wie auch in der A-Jugend zum Stammpersonal und empfahl sich so für eine Rückkehr zum Wuppertaler SV, der nach einer starken Saison mit Aufstieg und Niederrhein-Pokalfinale wieder in die Regionalliga aufgestiegen war.

Trainer Stefan Vollmerhausen schenkte dem jungen Polen in der Spielzeit 2016/17 vierzehnmal das Vertrauen und stellte ihn auf. 2017/18 spielte nicht nur die ganze Mannschaft eine super Saison, die mit Tabellenplatz drei endete, sondern auch der beidfüßige Innenverteidiger, der in seinem zweiten Seniorenjahr unter Trainer Stefan Vollmerhausen und ab der Rückrunde unter Trainer Christian Britscho auf insgesamt einundzwanzig Einsätze kam. Dies hatte jedoch zu Folge, dass der Wuppertaler SV in der Saison 2018/19 einen neuen Verteidiger brauchte, weil die Sportfreunde Lotte auf den gebürtigen Wuppertaler aufmerksam geworden waren und ihn verpflichteten. Doch am Autobahnkreuz lief es für Kevin Pytlik leider ganz anders als geplant: Der Neuzugang kam durch eine Verletzung nicht zum Zug und bestritt kein einziges Spiel in der 3. Liga. Da man beim Wuppertaler SV jedoch noch genau wusste, was man an ihm hat, schloss sich der damals 21-jährige im Sommer 2019 wieder dem WSV an.

Von dazugewonnener Flexibilität und einem rätselhaftem Tor

Was sich leider durch Kevins Karriere zieht, sind die Verletzungen, wie der heute 23- jährige sagt: „Leider werde ich immer wieder irgendwie durch Verletzungen gebremst, die dann mal zwei bis drei Wochen dauern und mich für einige Spiele rauswerfen.“ In der abgelaufenen Saison 2019/20, die Anfang des Jahres 2020 abgebrochen wurde, bestritt Kevin fünfzehn Partien, in denen er meistens in der Innenverteidigung spielte. In der Innenverteidigung fühlt sich der beidfüßig ausgebildete Verteidiger am wohlsten, wie er verrät: „Am liebsten spiele ich und sehe ich mich klar in der Innenverteidigung. Ob rechts oder links ist egal. Ich kann aber überall spielen, zur Not auch hinten rechts oder links, was ich ja auch schon gemacht habe.“ Eine kleine Anekdote zu seiner Zeit auf der Rechtsverteidigerposition erzählt uns der 23-jährige ebenfalls: „Noch vor einiger Zeit war ich etwas sauer, wenn ich rechts hinten verteidigen musste. Das war unprofessionell von mir und mittlerweile denke ich nicht mehr so. Die Hauptsache ist, man ist gesund und darf spielen. Das steht über allem. Ansonsten versuche ich mich jeden Tag weiterzuentwickeln“, so unsere Nummer 27.

Während seiner Zeit beim VfL Bochum konnte Kevin nicht nur seinen damaligen Vereinstrainer von seinen Stärken überzeugen, sondern mit überzeugenden Leistungen auf dem Feld auch den Coach der polnischen U18-Nationalmannschaft, der ihn sodann einlud. Kevin lief zweimal für die Auswahl auf und schoss sogar ein Tor. Wie der Treffer fiel, ist für ihn selbst jedoch auch ein kleines Rätsel: „Ich habe ein sehr schönes Tor gemacht, nach dem ich nicht jubeln konnte, weil ich selber nicht wusste, wie ich das gemacht habe“, so der Verteidiger. „Auf so eine Zeit blickt man natürlich sehr gerne zurück und man guckt auch auf die anderen Jungs, wie sie sich entwickelt haben. Viele der Jungs aus dem Kader sind gestandene Spieler in den Topligen geworden. Ich habe diese Erfahrung sehr gerne mitgenommen und konnte natürlich vieles mitnehmen, was mir auch auf meinem Weg weiterhelfen wird“, erzählt der zweimalige U-Auswahlspieler Polens.

Nicht nur für die gesamte Mannschaft läuft die bisherige Saison 2020/21 eher schleppend, sondern auch für unseren Innenverteidiger, der aufgrund von Verletzungen und einer roten Karte auf lediglich elf Einsätze kommt. „Die Hinrunde ist nicht gut verlaufen, da müssen wir nichts schönreden. Ich glaube, jeder bei uns im Kader und im Verein hat andere Ambitionen, als dort zu stehen wo wir es tun. Die Realität ist aber so, dass wir dort stehen und uns rauskämpfen müssen. Ich glaube an uns und bin zu 1000 Prozent davon überzeugt, dass wir da wieder rauskommen“, so das Fazit des Verteidigers zur durchwachsenen Hinrunde in der diesjährigen Regionalliga West. Um welches Thema man in 2020 ebenfalls nicht herum kommt, ist die anhaltende Corona-Pandemie. Hierzu sagt Kevin: „Ich selber versuche so gut es geht, die Regeln einzuhalten und andere und mich zu schützen.“ Was ihm ebenfalls aktuell - neben den fehlenden Punkten - noch fehlt, sind die Fans: „Es ist schwer für alle - für uns und die Fans natürlich auch. Sie wollen ins Stadion und wir wollen sie im Stadion haben. Ich glaube, dass wir den einen oder anderen Punkt mehr hätten, wenn wir im Stadion auf sie zählen könnten.“

Fußball von acht bis dreiundzwanzig Uhr

Kevin beschreibt sein Leben wie folgt: „Viel muss man dazu eigentlich nicht wissen: Bei mir fängt Fußball um acht Uhr an und hört um dreiundzwanzig Uhr auf. Privat gucke ich viel Fußball und mein ganzes Leben dreht sich darum. Wenn dann doch mal Zeit oder Lust für etwas anderes ist, bin ich gerne mit meinem Fahrrad oder zum Spazierengehen in der Natur unterwegs. Ohne Corona gehe ich gerne mit Freunden ins Restaurant.“

In der aktuellen Winterpause fand wieder eine Instagram-Liveübertragung mit Stadionsprecher Carsten Kulawik und unserem besten Torschützen Beyhan Ametov statt. Dort berichtete Kevins Mitspieler von der anhaltenden Kabinen-Diskussion zwischen den beiden, ob der Portugiese Cristiano Ronaldo oder der kleine, flinke Lionel Messi vom FC Barcelona der vermeintlich bessere Spieler ist. Auf unsere Frage, warum Lionel Messi in seinen Augen der bessere Spieler ist, sagt der gebürtige Wuppertaler lachend: „Schwieriges Thema. Ich versuche es kurz zu halten: Es ist irgendwo Geschmackssache. Lionel Messi ist 1,70 Meter klein und hat nur seinen linken Fuß, Cristiano Ronaldo ist 1,85 Meter groß, kopfballstark und beidfüßig. Ronaldo hat definitiv bessere Anlagen als Messi - nur kommt ungefähr dasselbe dabei heraus. Ronaldo ist ein Arbeitsmonster. Es beeindruckt mich seine Mentalität und was er dafür investiert. Würde Messi das investieren, wäre er nicht sechs-, sondern zehnmal Weltfußballer. Kurz und knapp: Ronaldo hat sich alles erarbeitet. Messi ist dagegen so geboren und muss dafür nichts tun, er geht auf den Platz und spielt alle schwindelig. Er ist der beste Fußballer.“ Kevins Lieblingsspieler sind jedoch andere und spielen nicht, wie er selbst, in der Innenverteidigung: Der Pole Jakub „Kuba“ Blaszczykowski und der heutige Trainer seines Lieblingsklubs Atletico Madrid, Diego Simeone. Außerdem drückt Kevin dem polnischen Hauptstadtclub Legia Warschau die Daumen.

Wir bedanken uns bei Kevin Pytlik, dass er sich die Zeit für die neunzehn54-Redaktion genommen hat und uns Rede und Antwort stand. Wir drücken ihm sowohl auf als auch neben dem Platz die Daumen und wünschen - gerade in der aktuellen Phase - Gesundheit, sowie eine verletzungsfreie und erfolgreiche Zeit beim Wuppertaler SV. Viel Spaß weiterhin im Stadion am Zoo und im rot-blauen Trikot!

Quelle: neunzehn54

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