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Dienstag, 23.03.2021 -

1. Mannschaft

„Ich möchte dem Verein mit dem, was in meiner Macht steht, weiterhelfen“

Unser Stadionmagazin neunzehn54 im Gespräch mit Rückkehrer Kevin Hagemann

Als in der kurzen Winterpause der WSV mehrere neue Spieler präsentierte, freuten sich viele treue Anhänger sicherlich am meisten über einen der letzten Neuzugänge. Als der Sportliche Leiter Stephan Küsters in den letzten Stunden der Transferperiode den ehemaligen Publikumsliebling Kevin Hagemann vorstellte, konnten es viele Fans kaum glauben. Der Ennepetaler hatte den Verein im Sommer 2019 verlassen und sich der U23 von Fortuna Düsseldorf angeschlossen. Nach anderthalb Jahren bei den Landeshauptstädtern und 23 Spielen im Trikot der Bundesliga-Reserve zog es ihn nun zurück ins Bergische Land, wo Kevin aber aufgrund eines Muskelfaserrisses, welchen er sich kurz nach seinem Wechsel im Training zuzog, zunächst auf der Tribüne Platz nehmen musste. Am vergangenen Samstag feierte der Rückkehrer gegen den SV Bergisch Gladbach sein Heimspieldebüt und trug sich mit seinem Treffer zum 2:0 gleich mal in die Torschützenliste ein.

Der Offensivspieler wurde 1990 in Recklinghausen geboren und verbrachte seine gesamte Jugend bei Vereinen aus Westfalen. So spielte „Hage“ für den TuS Ennepetal, den Hasper SV und den FSV Gevelsberg. Beim TuS aus Ennepetal begann der Linksaußen auch seine Karriere bei den Senioren, bevor es ihn 2011 zum damaligen NRW-Ligisten SV Westfalia Rhynern zog. Nach anderthalb Jahren wechselte unser „Heimkehrer“ zur SSVg Velbert, die damals in der Regionalliga West spielte. Als die Schlossstädter im Sommer 2014 als Tabellenletzter den bitteren Gang in die Oberliga Niederrhein antreten mussten, ging Kevin ab sofort eine Liga tiefer auf Torejagd. Sah es am zweiten Spieltag der Saison 2014/15 nach einer 0:4-Klatsche gegen den WSV in der heimischen Sonnenblume noch alles andere als nach dem Wiederaufstieg aus, setzten sich die Velberter am Ende dann doch mit 80 Punkten durch und die Rot-Blauen hatten auf Platz 2 das Nachsehen. Doch das Auf und Ab mit Velbert ging für den 1,70 m großen Dribbelkünstler weiter: Im Sommer 2016 belegte die SSVg den ersten Abstiegsplatz und musste wieder einmal den bitteren Gang in die Oberliga Niederrhein antreten. Der Wuppertaler SV stieg parallel aus der Oberliga auf und verpflichtete Kevin, der somit weiterhin in der Regionalliga auf Torejagd gehen konnte. Der heute 30-jährige kam unter dem damaligen Trainer Stefan Vollmerhausen sofort als Stammspieler zum Zug und war in seiner ersten WSV-Saison an 16 Toren direkt beteiligt. In seinem zweiten Jahr im Stadion am Zoo kam Kevin verletzungsbedingt lediglich auf neun Einsätze, in denen er immerhin an sieben Toren beteiligt war. Im Wintertestspiel beim FC Wetter und beim Auswärtsspiel in Aachen verletzte sich unser „Flitzer“ schwer, so dass die Saison gelaufen war. Seine vorerst letzte Spielzeit bei uns im Bergischen Land verlief leider sehr unruhig und nach einem chaotischen Winter mit Crowdfunding und Fast-Insolvenz hatte Kevin ein fast komplett neues Team um sich herum. Im Finale des Niederrheinpokals scheiterte er mit den Rot-Blauen knapp am Drittligisten KFC Uerdingen und verpasste somit den damit verbundenen Einzug in den DFB-Pokal. Da sich im Sommer 2019 einiges an der Hubertusallee änderte, darunter auch die Trainingszeiten, entschloss er sich zu einem Wechsel von der Wupper an den Rhein und ging fortan für den Bundesliganachwuchs der Landeshauptstädter auf Punktejagd. Insgesamt traf „Hage“ bislang in 151 Regionalligaeinsätzen 40 Mal.

Spagat zwischen Fußball und „Nine to five“-Job

Nicht nur auf dem grünen Rasen macht Kevin eine gute Figur, sondern auch in seinem Job als Industriekaufmann bei Ferdinand Bilstein in Ennepetal. Sein Beruf war ein wichtiger Punkt, weshalb sich im Sommer 2019 die Wege von Verein und Spieler aufgrund der arbeitnehmerunfreundlichen Trainingszeiten trennten. „Die Trainingszeiten waren immer ein Hindernis für mich, weil ich neben dem Fußball weiterarbeiten wollte - weil die Arbeit das war, was ich immer gemacht habe. Ich war immer „nine to five“ beschäftigt und bin dann direkt zum Training“, so unsere Nummer 30. Da beim Bundesliganachwuchs erst nach „Feierabend“ trainiert wurde, schaffte Kevin dort den Spagat, Vollzeit arbeiten zu gehen und in der Regionalliga erfolgreich Fußball zu spielen. Ein Punkt, jetzt im Winter 2021 zurück ins Tal zu wechseln, war zunächst das Jobangebot bei EMKA in Velbert mit zeitgleicher Freistellung für den Spiel- und Trainingsbetrieb des Wuppertaler SV. Doch es ergab sich eine kurzfristige Wendung: Da sein Arbeitgeber Ferdinand Bilstein nicht auf Kevin verzichten wollte, ermöglichte dieser es ihm ebenfalls, beim WSV professionell Fußball zu spielen und weiterhin seiner Beschäftigung nachzugehen. Allerdings werden alle versäumten Stunden von Kevin im Homeoffice nachgeholt, so dass die ersten Wochen für unseren Neuzugang nach seiner Rückkehr sehr zeitintensiv waren. „Ich habe glücklicherweise mit meinem Arbeitgeber eine Lösung gefunden und eine gewisse Flexibilität bei den Arbeitszeiten gewährt bekommen. Dafür bin ich Ferdinand Bilstein sehr dankbar“, erklärt unser Flügelflitzer. Bedeutet: Wenn die meisten Regionalligaspieler nach dem Training nach Hause kommen und erstmal abschalten können, geht es für Kevin an den heimischen Schreibtisch: „Am Ende muss ich natürlich auch dort meine Arbeitsleistung erbringen. Es kommt somit vor, dass ich nach dem Training nochmal zwei bis drei Stunden zu Hause arbeite“, so „Hage“ über seine heimischen Nachtschichten im Homeoffice. Doch nicht nur das lukrative Jobangebot in Velbert war ein wichtiger Punkt für die Zusage beim WSV bis Mitte 2023, sondern ebenfalls die vielen tollen Momente, die Kevin bei uns erlebt und bis heute im Kopf hat: „Ich habe es meinen Eltern, meiner Freundin und meinen Freunden gesagt, wie gerne ich immer beim WSV gespielt habe. Ich habe mich immer pudelwohl gefühlt. Es ist eine tolle Kulisse und wir haben tolle Fans. Ich kann über das Umfeld beim WSV nur Positives sagen und wenn die Dinge Anfang 2019 nicht so passiert wären, wie sie passiert sind, weiß man nicht, ob ein Vereinswechsel überhaupt in Frage gekommen wäre. Aber das ist Vergangenheit“, so sein Fazit über seinen neuen, alten Verein und die Gründe für seinen neuen langfristigen Vertrag an der Wupper.

Klassenerhalt ist das oberste Ziel

Für die laufende Saison gibt es für Kevin und seine Mitspieler nur ein Ziel: „Wir wollen die Klasse halten. Wir brauchen jetzt nicht blind und naiv sein und vielleicht sagen, wir wollen noch etwas anderes“, so der Neuzugang über die bisherige Rückrunde. Über die ersten Wochen zurück im Stadion am Zoo berichtet Kevin folgendes: „Es ist eine tolle, harmonische Stimmung und es sind wirklich tolle Jungs in der Truppe. Es fühlt sich auch in der kurzen Zeit, die ich jetzt wieder zurück bin, wie eine Familie an. Ich wurde super aufgenommen und bin der Überzeugung, dass wir es in der Konstellation auch schaffen. Ich möchte dem Verein mit dem, was in meiner Macht steht, weiterhelfen.“ Ein Vorteil, den viele Neuzugänge nicht haben, ist, dass Kevin noch einige Jungs in der Kabine „von früher“ kennt: „Es macht es immer ein Stück weit einfacher, wenn man immer noch den einen oder anderen kennt und man somit Anlaufpunkte hat. Aber andererseits kannte ich den Großteil ja auch nicht. Dennoch war es eine sehr harmonische Aufnahme. Na klar, gegen den einen oder anderen habe ich mal gespielt, aber es ist natürlich etwas anderes, wenn man sich dann persönlich kennenlernt und das hat echt toll funktioniert. Das macht schon Spaß mit den Jungs.“ Auf die aktuell leeren Ränge und die doch eher dürftigen Zuschauerzahlen bei den Reservemannschaften in der Regionalliga West angesprochen, kommt „Hage“ direkt ins Schwärmen über unsere treuen Fans im Stadion am Zoo: „Es ist das tollste Gefühl für einen Spieler, wenn du in die Kurve läufst und zusammen mit den Fans feierst. Dafür macht man dann am Ende den Sport auch, um gemeinsam Erfolge zu feiern“, berichtet der Flügelflitzer über die tolle Atmosphäre im Stadion. Weiter fügt er an: „Ich fahre immer mit einem Lächeln zum Stadion und freue mich.“ Unsere Nummer 30 legt sich fest: „Ich bin der Meinung, dass man immer noch einiges bewegen und erreichen kann. Der WSV ist ein toller Verein.“

Mit dem FC Schalke 04 verbunden

„Es hat sich mit den Jahren verlaufen, nicht aufgrund der aktuellen Lage. Aber man guckt immer noch mit einem Auge hin und das tut mir natürlich weh, wenn man Schalke verlieren sieht“, so der 30-jährige zu seinem Lieblingsklub neben dem WSV. Ob die Verbundenheit zu den Gelsenkirchenern durch seinen Vater kam, möchte der Rechtsfuß nicht ausschließen und berichtet lachend: „Mein Dad regt sich auch regelmäßig auf, wobei er mittlerweile an einem Punkt ist, dass er sagt, worüber willst du dich da noch aufregen.“ Allerdings, so denkt unser Neuzugang, regt sich Vater Hagemann über seinen Sohnemann - für den Fall, dass es mal nicht läuft - mehr auf, als über die „Königsblauen“. Kevin zieht hierzu folgendes Fazit: „Er ist ein richtig scharfer Kritiker, das finde ich aber gut. Er ist auch ein direkter Kritiker und wenn ich eine ehrliche Meinung brauche, dann gehe ich zu ihm. Ich kann mir vorstellen, dass er sich mehr aufregt, wenn er bei mir nicht 100 Prozent sieht.“  Nicht nur Kevin steht noch auf dem Platz, sein Vater ebenfalls. Stand heute kann sich Kevin nach der Zeit als aktiver Fußballer eine Trainerlaufbahn, ähnlich wie die seines Vaters, aber nicht vorstellen und meint schmunzelnd: „Soweit will ich noch nicht denken. Ich habe noch nicht die Absicht, mit dem Fußball aufzuhören. Zum jetzigen Zeitpunkt kann ich mir daher nicht vorstellen, Trainer zu werden.“ Wenn es die Zeit und das Wetter zulassen, fährt Kevin gerne Motorrad und im Winter Ski, wie er verrät: „Ich mache das echt gerne. Gerade Skifahren habe ich noch lieber als einen Sommerurlaub. Es ist einfach ein toller Ausgleich, da fiebere ich das ganze Jahr drauf hin.“ Sein Lieblingsreiseziel ist ebenfalls ein Skigebiet und liegt in den italienischen Alpen nahe der Schweizer Grenze: „Das habe ich durch meine Freundin und ihre Eltern kennengelernt und da fahren wir immer zum Skifahren hin. Das ist echt ein schönes Örtchen“, so der leidenschaftliche Skifahrer.

Wir bedanken uns bei unserem „Heimkehrer“ Kevin Hagemann, dass er sich die Zeit für die neunzehn54- Redaktion genommen und unsere Fragen beantwortet hat. Wir drücken ihm sowohl auf als auch neben dem Platz die Daumen und wünschen Gesundheit sowie eine erfolgreiche Zeit bei uns im Tal. Viel Spaß im rot-blauen Trikot!

Quelle: neunzehn54

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