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Freitag, 26.03.2021 -

1. Mannschaft

„Für mich war schnell klar, dass der WSV eine sehr interessante Adresse ist“

Torhüter Sebastian Patzler im Gespräch mit neunzehn54

Sebastian Patzler verfügt über reichlich Regionalliga-Erfahrung, hat für Werder Bremen II und Viktoria Köln in der 3. Liga gespielt und führte mit den Rechtsrheinischen in der 1. Rundes des DFB-Pokals bis zur 61. Minute mit 1:0 gegen RB Leipzig. Anfang Januar wechselte der 30-jährige zum WSV und hat seitdem einen großen Anteil daran, dass die Mannschaft 2021 in den ersten vier von sieben Spielen ohne Gegentor geblieben ist. Für Ausgabe 8 des WSV-Stadionmagazins hat sich die neunzehn54-Redaktion mit dem Winter-Neuzugang unterhalten.

Hallo Sebastian. Bitte erkläre uns doch eingangs, wie es zu deinem Wechsel zu uns gekommen ist?

Stephan Küsters und ich kennen uns aus der gemeinsamen Zeit bei Viktoria Köln, wir hatten immer mal wieder Kontakt. Als bei mir im Sommer klar war, dass es bei der Viktoria nicht weitergeht, haben wir unseren Kontakt intensiviert. Ein Wechsel hat sich aber noch nicht ergeben, da der WSV zu diesem Zeitpunkt mit seinen zwei Torhütern die Planungen abgeschlossen hatte. Ich selbst hatte zwar einige Angebote, aber es war nichts dabei, bei dem ich das Gefühl hatte, dass ich es sofort machen wollte. So kam es, dass der Kontakt im Winter wieder intensiver wurde und dann ging es eigentlich ganz schnell. Wuppertal wollte offensichtlich etwas verändern und für mich war schnell klar, dass der WSV eine sehr interessante Adresse ist, da hier etwas entstehen kann, bei dem ich gerne mithelfen würde.

Von Juli 2020 bis zum Wechsel zu uns ins Tal am 1.1.2021 warst du vereinslos. War es schwierig, wieder in den Mannschaftstrainings- und Wettkampfmodus zu kommen?

Ich hatte das große Glück, dass ich während der Zeit Mannschaftstraining absolvieren konnte, zum einen im VDV-Camp und zum anderen bei Düsseldorf II, wo ich mehrere Monate im vollen Mannschaftsbetrieb trainiert habe. Das hat mir natürlich riesig dabei geholfen, beim WSV von Anfang an auf einem guten Fitnesslevel zu starten. Wir hatten schließlich hier im Winter nur zwei Wochen Vorbereitung, bevor es dann schon zu den Spielen ging. Ich habe zwar schon das eine oder andere Spiel bestritten, aber vor dem Ahlen-Spiel war ich zugegebenermaßen etwas angespannt, da es nach längerer Zeit das erste Pflichtspiel war. Das erste Spiel nach längerer Pause - das war für mich eine Situation, die ich bis dahin nicht kannte. Ich denke aber, dass ich ohne lange Anlaufzeit ganz gut reingekommen bin und auf meinen Erfahrungsschatz zurückgreifen konnte. Natürlich hatte ich auch nie daran gezweifelt, dass ich immer noch Bälle halten kann.

Im Winter wurde hier viel davon gesprochen, eine andere Mentalität in die Mannschaft bringen zu wollen. Was bedeutet „Mentalität“ für dich konkret?

Positivität und maximales Engagement! Ich kann natürlich nicht über die Mannschaft vor der Winterpause urteilen, sondern mich nur auf das aktuelle Team beziehen. Ich kann sagen, dass aktuell jeder Spaß hat, sich aber auf der anderen Seite zu 100 Prozent auf die Aufgabe fokussiert und konzentriert. Wir wollen unbedingt in jeder Situation unser Tor verteidigen und mit allen Mitteln gewinnen, dem ordnen wir alles unter. Es wird sich nicht über die Platzverhältnisse, über Spielausfälle oder englische Wochen beschwert, sondern jeder in der Mannschaft nimmt die Siuation an wie sie ist und arbeitet mit vollem Einsatz. Ich glaube, jeder einzelne hat verstanden, dass er alles in die Waagschale werfen muss, damit der Wuppertaler SV da unten rauskommt, und dass dem einfach alles untergeordnet ist.

Zudem wurde zuletzt der große mannschaftliche Zusammenhalt und das starke „Wir-Gefühl“ betont. Wie entsteht so etwas? Was sind die entscheidenden Faktoren, damit sich so etwas entwickelt?

Ich glaube, das ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn das mit dem „Wir-Gefühl“ ist bei uns auch nicht einfach nur so dahingesagt, sondern es ist tatsächlich so. Wir zeigen das, leben es vor und ich bin davon überzeugt, dass es jeder einzelne im Team so fühlt. Ich denke, es ist entscheidend, dass der einzelne sich nicht wichtiger nimmt als das Team. Keiner muss denken, dass er der „König von Wuppertal“ ist, sondern jeder muss demütig sein. Man muss verstehen, dass es wirklich nur gemeinsam geht. Wir sind von der Qualität her nicht der FC Bayern München, wo - überspitzt gesagt - jeder Spieler alleine gegen eine Regionalliga-Mannschaft antreten könnte, sondern wir müssen zusammen als Team Fußball arbeiten. Nur wenn wir das tun, können wir erfolgreich sein und dann sieht auch wieder jeder einzelne gut aus. Wir stehen gerne gemeinsam auf dem Platz, feiern gerne gemeinsam Erfolge und stehen - wenn es sein muss - gerne gemeinsam Misserfolge durch.

In den ersten vier von sieben Spielen nach der Winterpause blieb der WSV mit dir im Kasten ohne Gegentor. Wie zufrieden bist du mit diesem Start?

Wenn uns die größten Optimisten gesagt hätten, dass wir von den ersten sieben Spielen nach der Winterpause fünf gewinnen und nur eins verlieren, hätten wir das wohl nicht geglaubt. Natürlich freut es mich, ohne Gegentor zu bleiben, aber ich muss der ganzen Mannschaft ein Kompliment dafür machen, wie verteidigt wird. Da sind wir wieder beim Thema: Jeder wirft sich in jeden Zweikampf und tut alles dafür, das Tor zu verteidigen. Es ist schließlich nicht so, dass ich in jedem Spiel fünfzehn Glanzparaden zeigen muss, sondern ich bekomme einfach auch recht wenig aufs Tor. Jeder ist bereit, die Meter nach hinten zu machen, auch in der 85. Minute. Wir nehmen die Zwischenbilanz so mit, können aber natürlich nicht automatisch davon ausgehen, dass es immer so weitergeht. Möglich ist es zwar immer, aber wir stehen mit beiden Beinen auf dem Boden und sind einfach froh, dass wir die Punkte geholt haben.

Zur Geschichte der Rückrunde gehört aber auch dein Eigentor in Oberhausen, mit dem du Sieger der Wahl zum „Kacktor des Monats Februar“ in der WDR-Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ geworden bist. Wie humorvoll kann man als Beteiligter auf die Szene zurückblicken?

Es mag vielleicht wie eine Floskel klingen, aber seitdem meine Tochter seit acht Monaten auf der Welt ist, ordne ich so etwas ohnehin anders ein. Ohne Frage ärgere ich mich in dem Moment über das Gegentor und darüber, das Spiel zu verlieren. Aber am Ende des Tage komme ich nach Hause, meine Tochter guckt mich an und ich denke mir, „es war halt nur ein Fußballspiel“. Natürlich sorgt so eine Situation bei anderen für Humor und ich kann im Nachhinein auch darüber schmunzeln. Ich habe mir die Szene danach noch sechs-, siebenmal angeschaut und überlegt, was ich tun kann, damit so etwas nicht nochmal vorkommt. Das wichtigste ist, aus Fehlern zu lernen und sie nicht zu wiederholen. Am Ende verstehe ich jeden, der aus so einer Situation seinen Spaß zieht. Mein Nachname bietet sich dafür ja auch ganz gut an (lacht).

Wie siehst du das Verhältnis auf der Torhüterposition mit Niklas Lübcke?

Ich bin absolut ein Freund davon, ein kollegial-freundschaftliches Verhältnis zu führen. Wir spielen nunmal dieselbe Position, sind in unseren Entwicklungsphasen aber etwas auseinander. Ich bin auf jeden Fall jemand, der mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn Niklas eine Frage hat oder über etwas reden möchte. Wenn ich helfen kann, tue ich das wirklich gerne. Ich denke, wir haben ein sehr gutes Verhältnis miteinander. Ich verstehe natürlich, dass er nicht total begeistert ist, wenn er nicht spielt, das würde mir an seiner Stelle genauso gehen. Ich möchte ihm aber helfen, sich in dieser Phase bestmöglich weiterzuentwickeln.

Du bringst viel Regionalliga-Erfahrung mit und hast auch schon in der 3. Liga bei Werder Bremen II und Viktoria Köln gespielt. Waren für dich die drei Jahre in Köln von 2017 bis 2020 mit insgesamt 83 Spielen und dem Aufstieg in die 3. Liga so etwas wie die bislang prägendste Phase der Karriere?

Gute Frage, denn das kann man glaube ich unter verschiedenen Aspekten sehen. Die zwei Jahre vorher bei der TuS Koblenz haben mir auch unfassbar viel geholfen. Die Zeit dort hat mich menschlich und torwartspezifisch so enorm weitergebracht, dass ich anschließend in der Lage war, zu einer Regionalliga-Spitzenmannschaft zu wechseln, die um den Aufstieg mitspielt. Natürlich waren die drei Jahre in Köln sehr besonders, einprägend und lehrreich, aber ich tue mich ehrlich gesagt etwas schwer, sie über alles zu stellen. Die Jahre in Koblenz waren super. Ich hatte auch eine tolle Zeit bei Union Berlin sowie bei Werder Bremen, wo ich jeweils viel mitnehmen konnte. Jede Station hatte auf ihre Art und Weise etwas Spezielles.

Am 19.08.2018 hast du mit Viktoria Köln in der 1. Runde des DFB-Pokals gegen RB Leipzig gespielt. Bis zur 61. Minute habt ihr 1:0 geführt, am Ende jedoch 1:3 verloren. Wie sind deine Erinnerungen?

Leipzig war damals schon eine Top-Mannschaft der Bundesliga. Das war natürlich ein Highlight, sich mit solchen Spielern in einem Pflichtspiel zu messen. Das bleibt auf jeden Fall in Erinnerung, gerade auch mit dem Spielverlauf, in dem es lange Zeit gut für uns ausgesehen hat. Es ist eben nicht eines von 34 Ligaspielen, sondern das eine besondere Pokalspiel, auf das man hingefiebert hat. Wenn ich ein Spiel meiner Karriere herauspicken müsste, wäre dies sicherlich das speziellste von allen. Auf der anderen Seite muss man sagen, in diesem Spiel hat man eben auch nichts zu verlieren gehabt. Es war ein Bonusspiel. Das ist demgegenüber in der Liga schon etwas anderes, wenn man unter Druck und Anspannung steht, das entscheidende Spiel gewinnen zu müssen, um aufzusteigen. Wenn der Aufstieg dann klappt, ist die Erleichtung nach dem entscheidenden Spiel natürlich viel größer und das vergisst man ebenfalls nie.

Nach zuvor DFB-Pokal, Aufstiegsfeier und 3. Liga - Fußball bei Viktoria Köln spielst du nun wegen der Corona-Pandemie vor leeren Rängen. Wie empfindest du den Fußball aktuell?

Es ist einfach nur traurig. Ich muss ganz ehrlich sagen: Ich wusste, dass hier beim WSV fußballverrückte Fans sind und das war mit ein Grund, warum ich beim WSV schnell ein gutes Bauchgefühl und richtig Lust auf den Verein hatte. Der WSV hat Fans, die den Verein leben und lieben, und darauf hatte ich richtig Bock. Deshalb ist es umso trauriger, dass die Fans momentan nicht ins Stadion dürfen. Die Serie, die wir nach der Winterpause gestartet haben, wäre doppelt schön, wenn wir sie mit den Fans gemeinsam feiern könnten. Auf der anderen Seite verstehe ich, dass wir ein riesengroßes Privileg haben, dass wir unseren Job weiter ausüben dürfen. Aus diesem Grund möchte ich mich gar nicht zu sehr beschweren. Ich bin froh, spielen zu dürfen, aber es steht außer Frage, dass die Fans fehlen. Fans sind der Grund, warum man irgendwann mal mit dem Fußballspielen angefangen hat. Natürlich hoffe ich, dass sich die Situation bald wieder ändert.

Apropos „mit dem Fußballspielen anfangen“. War für dich als Kind schon immer klar, dass du Torhüter werden möchtest? Wer waren deine Vorbilder auf dem Bolzplatz?

Tatsächlich ist das mit der Torhüterposition bei mir erst später gekommen, als ich 12 oder 13 Jahre alt gewesen bin. Vorher war ich Stürmer, aber irgendwann wurde mir das Feld einfach zu groß und ich musste zu viel dem Ball hinterherlaufen. Ich konnte zwar durchaus laufen, dachte mir aber, es wäre doch viel intelligenter, wenn ich den Ball einfach zu mir kommen lasse und mich nicht so viel bewegen muss. Dass im Umkehrschluss das Torwart-Training doppelt so anstrengend ist, hat mir jedoch vorher niemand gesagt (lacht). Da ich von Kindesbeinen an Bayern München-Fan bin, stach für mich seit jeher Oliver Kahn heraus, der von seiner Besessenheit und seiner Leistungsbereitschaft her damals über allen anderen Keepern stand.

Wie verbringst du deine Freizeit? Gibt es für dich ein Leben ohne Fußball?

Ganz klar: Wenn wir mal zwei freie Tage haben, verbringe ich 48 Stunden mit meiner Frau und meiner Tochter. Ich finde es unfassbar schön, meine Zeit mit der Familie zu verbringen. Wir wohnen noch in Köln, so dass ich eine relativ lange An- und Abfahrt habe. Ansonsten verbringe ich meine Freizeit so lange und gut wie möglich mit meiner Familie. Ich möchte jeden Entwicklungsschritt meiner Tochter so intensiv wie möglich miterleben. Dieser Rolle ist momentan alles anderen untergeordnet und das macht mir sehr, sehr viel Spaß.

Wie siehst du deine Zeit nach dem Fußball? Gibt es bereits Pläne?

Aufgrund der Arbeitslosigkeit im letzten halben Jahr habe ich mir durchaus schon intensive Gedanken darüber gemacht, hatte aber bislang immer das Gefühl, dass es noch nicht soweit ist, mit dem aktiven Fußball aufhören zu müssen. Ich habe ein riesengroßes Interesse daran, vielleicht eines Tages Torwarttrainer zu werden. Natürlich gibt es da die üblichen Vor- und Nachteile des Fußballs, die man als Familienvater abwägen muss. Man kann schlecht planen, weiß nie mit Gewissheit, wo man wie lange ist und die Wochenenden sind meistens verbaut. Für mich wird es auch darauf ankommen, wie und wann ich aufhöre. Ist der Grund eine schwere Verletzung oder stimmt eines Tages die Leistung nicht mehr? Findet man keinen Arbeitgeber mehr oder trifft man selbst die Entscheidung? Aktuell lasse ich diese Dinge noch ein wenig auf mich zukommen, aber der Torwarttrainer-Job würde mich ohne Frage sehr reizen.

Welche Ziele hast du über den Sommer hinaus? Wie siehst du deinen weiteren Weg?

Der Sommer kann natürlich viel bringen, aber wenn nichts Verrücktes passiert, dann werde ich auch über den Sommer hinaus für den WSV zwischen den Pfosten stehen. Im Fußball ist es bekanntlich immer schwer, weit in die Zukunft zu planen, aber grundsätzlich soll der eingeschlagene Weg über den Sommer hinaus weitergehen. Ich hoffe, dass wir noch ein paar vernünftige Spiele spielen, dass es so gut weiterläuft wie es angefangen hat und dann bin ich guter Dinge für die neue Saison.

Was erwartest du von dem anstehenden Heimspiel gegen den SV Bergisch-Gladbach?

Ich denke, dass es wieder ein interessantes Spiel werden wird. Zu Hause sind wir nach der Winterpause noch ohne Punktverlust und wollen natürlich weiter daran anknüpfen. Wir müssen wieder die Basis-Tugenden auf den Platz bringen, dann können wir auch immer mehr spielerische Elemente integrieren. Selbstverständlich ist unser Ziel, das Spiel erfolgreich zu bestreiten.

Vielen Dank für das Gespräch, Sebastian, und weiterhin viel Erfolg!

Quelle: neunzehn54

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