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Freitag, 23.04.2021 -

1. Mannschaft

"Die Mentalität ist sehr gut, im Spiel ist jeder für jeden da."

Moritz Römling im Gespräch mit neunzehn54

Moritz Römling hat seit seinem 13. Lebensjahr sämtliche Jugendmannschaften des VfL Bochum durchlaufen und stand für die erste Mannschaft viermal in der 2. Bundesliga auf dem Platz. Anfang Januar kam der 19-jährige zu uns ins Tal, um hier bis zum Sommer Spielpraxis zu sammeln. Wir haben uns mit dem Linksverteidiger mit Offensivdrang unterhalten.

Hallo Moritz. Du bist - wie auch dein Bochumer Mitspieler Lars Holtkamp - Anfang Januar vom VfL zu uns ausgeliehen worden. Wie kam dein Wechsel zustande?

Zu Beginn der Saison hatte ich mir über eine Leihe noch keine Gedanken gemacht, da ich zunächst einmal schauen wollte, wie mein erstes offizielles Profjahr beim VfL Bochum laufen würde. Dann habe ich im ersten halben Jahr nur einen einzigen Einsatz gehabt, als ich gegen den 1. FC Heidenheim für 12 Minuten eingewechselt wurde. Ich möchte aber so viel wie möglich spielen, da dies - gerade als junger Spieler - das Wichtigste ist. Ich stand und stehe mit meinem Trainer und meinem Berater immer in Gesprächen, wie meine Perspektiven sind. Dann hat es sich ergeben, dass die Verantwortlichen des WSV Lars und mich im Training beobachtet haben, von uns überzeugt waren und uns sofort ausleihen wollten. Ich hatte auch ein gutes Telefonat mit Trainer Björn Mehnert und es hat eigentlich alles gepasst. Ich habe mir dann nochmal Gedanken gemacht und bin zu dem Schluss gekommen, dass es für mich das Beste ist, wenn ich mich ein halbes Jahr ausleihen lasse, weil ich in Wuppertal meine Spielzeit bekomme.

Wie würdest du die Abwägung beschreiben: Training bei einem Zweitligisten mit mutmaßlich weniger Einsatzzeit gegenüber Training bei einem Viertligisten mit voraussichtlich mehr Einsatzzeit?

Ich habe mir intensiv Gedanken über diesen Schritt gemacht. Ich habe zum Beispiel mit Patrick Fabian (u.a. 6 Erst- und 142 Zweitligaspiele für den VfL Bochum - Anm. d. Red.) gesprochen, der mir auch zu diesem Weg geraten hat. Er selbst hat damals bewusst in der 2. Mannschaft des VfL Spielpraxis gesammelt, die ihm in seiner Entwicklung weitergeholfen hat. Meiner Meinung nach sind Pflichtspiele eben etwas ganz anderes als Training, auch wenn das Training bei einem Zweitligisten naturgemäß eine höhere Qualität hat als bei einem Viertligisten. Im Spiel wirst du aber vor ganz andere Herausforderungen gestellt, die du im Training so gar nicht erlebst. Das ist einfach ein Wettbewerbscharakter, den ich in Bochum etwa ein Jahr nicht mehr hatte - ein halbes Jahr im Kader der Profis sowie in den Monaten zuvor, da die U19 coronabedingt pausiert hat. In Wettkampfsituationen musst du im Kopf noch mehr da sein als im Training. Es geht schlichtweg um Tore und Punkte, weshalb du Fehler umso mehr vermeiden solltest. Ich habe die Situation des WSV im Abstiegskampf bewusst angenommen, denn die Mentalität, nicht absteigen zu wollen ist anders, als wenn man auf dem sechsten oder achten Platz steht. Man muss alles reinwerfen.

Du kannst links in der Verteidigerrolle spielen, aber auch offensive Qualitäten mit Torvorlagen einbringen. In welchem Bereich fühlst du dich wohler?

Eigentlich hatte ich mein Leben lang vorne gespielt, ehe ich seit dem ersten Jahr in der U19 links hinten eingesetzt wurde und dort auch meinen ersten Profivertrag unterschrieben habe. Ehrlich gesagt gefällt mir die Position hinten links am besten, da ich dort einerseits verteidigen, andererseits aber auch meine Offensivläufe machen kann, die ich von früher noch „drin“ habe.

Wie bewertest du deine bisherige Zeit und den bisherigen Saisonverlauf beim WSV?

Ich weiß, dass ich in einer schwierigen Situation zum WSV gekommen bin, aber man sieht, dass die Verantwortlichen mit den Wintertransfers eine gute Arbeit geleistet haben. Wir sind gut in die Rückrunde gestartet und ich finde, dass es einfach innerhalb der Mannschaft passt. Die Mentalität ist sehr gut, im Spiel ist jeder für jeden da. Diese Mentalität hat uns dabei geholfen, auch mal die „dreckigen“ Spiele zu gewinnen. Bis jetzt ist der Saisonverlauf - von dem Platz, von dem aus wir gestartet sind - echt gut.

Wie sehr leidest du mit Lars Holtkamp, der ebenfalls Spielpraxis bei uns sammeln wollte, aber seit seiner Leihe verletzungsbedingt ausfällt?

Lars und ich spielen seit der U14 beim VfL zusammen. Wir sind gute Freunde und wollten beide den Schritt hier in Wuppertal gehen. Dass er jetzt zwei verletzungsbedingte Rückschläge erleiden musste, ist natürlich sehr bitter. Aber ich weiß, was er kann, und wenn er in den nächsten Trainingseinheiten weiter Gas gibt und an seine Form rankommt, dann macht er noch seine Spiele, davon bin ich überzeugt.

Was sind deine Ziele mit dem WSV bis Sommer?

Ich denke von Spiel zu Spiel und möchte mit der Mannschaft in der Regionalliga West noch so viele Punkte wie möglich holen. Falls der Niederrheinpokal stattfinden sollte, möchte ich in diesem Wettbewerb natürlich auch noch mal alles geben. Ich selbst möchte von Spiel zu Spiel lernen, mir Tipps vom Trainer einholen und so viel Positives für meine Entwicklung mitnehmen, wie es geht.

Sebastian Patzler hat die Wahl zum „Kacktor des Monats Februar“ mit dem 0:2 in Oberhausen gewonnen. Im Prinzip war es aber auch eine geniale Co-Produktion mit dir als Vorlagengeber. Mit Augenzwinkern gefragt: Freust du dich mit ihm oder neidest du ihm die Auszeichnung?

Ich freue mich für ihn! Wir beide verstehen uns sehr gut und so etwas passiert dann halt mal im Fußball. Natürlich ist es nicht so häufig, dass man am „Kacktor des Monats“ beteiligt ist. So eine Auszeichnung bekommt man wahrscheinlich nur einmal im Leben, deshalb gönne ich sie ihm und habe gerne die Vorlage gegeben (lacht).

Für den VfL Bochum standest du vier Mal in der 2. Bundesliga auf dem Platz (3 Ein-, 1 Auswechslung) und kommst bereits auf 104 Einsatzminuten. Wie waren diese Erlebnisse für dich?

Bei meinem Debüt gegen Holstein Kiel stand ich als 17-jähriger in der Startelf und meine Nervosität war sehr hoch. Aber ich habe es genossen, vor knapp 15.000 Zuschauern ins Ruhrstadion einzulaufen, auch wenn wir mit 1:3 verloren haben. Ich habe eigentlich auch bei meinen Einsätzen ganz gut gespielt, aber manchmal braucht man im Fußball das nötige Glück, im richtigen Moment am richtigen Ort zu sein. Mit Danilo Soares ist die Konkurrenz hinten links aktuell beim VfL nicht die schlechteste.

Bochum hat gute Chancen für einen Aufstieg in die 1. Bundesliga. Hand aufs Herz: Machst du dir Gedanken über einen möglichen VfL-Aufstieg in Bezug auf deine eigene Rolle?

Natürlich würde ich mich grundsätzlich freuen, im Kader einer Erstligamannschaft zu stehen, denn das ist verständlicherweise der Wunsch eines jeden, der Fußballprofi sein möchte. Ich mache mir die Gedanken aber erst, wenn es soweit sein sollte. Ich schaue jetzt erstmal mit dem WSV von Spiel zu Spiel und konzentriere mich darauf, dass ich hier meine Leistung bringe.

Wie sieht deine schulische Ausbildung aus und hast du parallele berufliche Pläne jenseits des Fußballs?

Vor eineinhalb Jahren habe ich mein Fachabi gemacht. Die nächsten ein, zwei Jahre möchte ich mich auf jeden Fall auf das Fußballspielen konzentrieren und mich weiter verbessern. Sollte ich Fußballprofi bleiben, habe ich vor, parallel ein Fernstudium zu absolvieren. Wenn es nicht klappen sollte, Fußballprofi zu bleiben, würde ich ein „normales“ Studium machen. Ich würde dem Sportbereich auf jeden Fall treu bleiben.

Wo und wie verbringst du deine Freizeit am liebsten?

Durch Corona gibt es natürlich alle möglichen Einschränkungen. Ich bin meistens bei meiner Freundin, mit der ich jetzt schon über ein Jahr zusammen bin. Je nachdem, wie das Wetter ist, gehen wir gerne spazieren oder wir chillen zu Hause. Leider fallen Dinge wie Essen gehen zurzeit bekanntlich weg.

Was erwartest du vom anstehenden Spiel gegen die U21 des 1. FC Köln?

Ich bin eher ein Spieler, der gar nicht so sehr darauf guckt, wo der Gegner steht. Ob ich gegen den Ersten oder gegen den Letzten spiele - ich gehe immer gleich in das Spiel. Ich kenne von der U21 des 1. FC Köln ein, zwei Spieler aus vorangegangenen Begegnungen im U19-Bereich. Allgemein wollen wir aber immer unser Spiel durchziehen. Wenn bei uns die Mentalität stimmt und jeder für jeden alles reinhaut, dann bin ich in jedem Spiel guter Dinge, egal gegen wen wir spielen.

Vielen Dank für das Gespräch, Moritz!

Quelle: neunzehn54

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