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Dienstag, 11.05.2021 -

1. Mannschaft

„Ich möchte Spieler sehen, die auf dem Platz ihr Herz für den Verein geben“

Trainer Björn Mehnert im Gespräch mit neunzehn54

Nach einer eher enttäuschenden Hinserie und einigen Veränderungen in der Winterpause ist der WSV zu einer der besten Rückrundenmannschaften der Regionalliga West mutiert. Einer der Väter des Erfolgs: Trainer Björn Mehnert, dessen Vertrag vor zwei Wochen verlängert wurde. Vor dem Spiel gegen Rot-Weiss Essen am vergangenen Samstag (1:2) hat sich die neunzehn54-Redaktion für Ausgabe 10 des WSV-Stadionmagazins mit „Mehne“ u.a. über den Rückrundenverlauf und die Zukunftsperspektiven unterhalten.

Hallo Mehne. Im Kalenderjahr 2021 hat die Mannschaft richtig „gezündet“ und ist eines der besten Rückrundenteams. Worin siehst du die konkreten Gründe?

Wir haben in der Winterpause Veränderungen vorgenommen, die - so glaube ich - zu dieser Entwicklung beigetragen haben. Wir haben defensiv Stabilität reinbekommen, was ein großer Faktor war, denn darauf baut alles auf. Aber auch in der Offensive haben wir uns noch mal verändert. Wir haben Qualität hinzugeholt und bestimmte Positionen mit Spielern besetzt, die dort ihre Stammposition haben - zum Beispiel die Außenverteidigerposition, die zuvor so ein bisschen verwaist war. Das Hinzuholen von Qualität und die Tatsache, dass die Neuzugänge und die Spieler aus dem Stamm, die im Winter geblieben sind, sich sehr gut verstehen und zu einer Einheit geworden sind, waren für mich die wichtigsten Punkte.

Wie kann man als Trainer steuern, dass die Spieler zu einer Einheit werden?

Man kann das als Trainer von Außen mit geeigneten Maßnahmen unterstützen, aber letztendlich müssen diese Mechanismen innerhalb einer Mannschaft geschehen. Die Charaktere müssen zueinander passen und das ist bei uns der Fall.

Du hast im Winter die 21 ausstehenden Spiele als „Pokalserie“ ausgerufen. Kann man wirklich jede Partie wie ein Alles-oder-nichts-Spiel angehen und wie vermittelt man dieses Bild in der Kabine?

Ich habe mir im Winter Gedanken dazu gemacht und das Ganze dann visualisiert: Als eine Art „Roadmap“, also einen Weg, den wir auf unserer Pokalreise gehen - mit den einzelnen Haltestellen, die die Gegner darstellen. In dem Kontext habe ich ein Belohnungssystem eingeführt. Die Jungs können sich mit Siegen nach einer gewissen Anzahl von Punkten belohnen. Zu diesem Zweck darf ich mir dann etwas überlegen.

Ihr zeigt eine Heimstärke, die es so jahrelang nicht gegeben hat. Wie hat sich das entwickelt?

Wir haben den Jungs versucht zu vermitteln, was es bedeutet, für den WSV spielen zu dürfen: Nämlich dass hier eine riesige Tradition und eine große Fanbasis existiert - auch wenn diese leider gerade nicht im Stadion sein darf. Wir haben den Jungs vor Heimspielen anhand von ein paar Szenen gezeigt, was hier abgehen könnte, wenn keine Pandemie wäre. Das hat vielleicht dabei geholfen, den gewissen Kick zu verspüren, hier in unserem Wohnzimmer unbedingt gewinnen zu wollen. Natürlich fehlt uns die Unterstützung der Fans. Aber wir müssen alle gemeinsam noch ein wenig durchhalten, denn für die Fans ist es genauso schwierig. Umso schöner ist es, dass wir ihnen für ihre Treue nun ein Stück weit etwas zurückgeben konnten.

Die Mannschaft hat nach Niederlagen regelmäßig eine Reaktion gezeigt. Wie ist euch dies gelungen?

Wir haben gute und starke Charaktere in der Mannschaft, die wissen, dass zum Fußball - wie auch zum Leben - Niederlagen dazugehören, und die diese für sich und für die gesamte Truppe dann wieder schnell abschütteln konnten. Ich konnte mich stets darauf verlassen, dass die Jungs auf dem Platz alles raushauen. Auch bei den Niederlagen war kein Spiel dabei, bei dem man ihnen den Vorwurf hätte machen können, sie hätten nicht alles gegeben. Aber es gibt eben auch Tage, wo einem nicht so viel gelingt wie dem Gegner.

Vor zwei Wochen hast du deinen Vertrag beim WSV verlängert. Was waren die ausschlaggebenden Gründe und wie verlief der Entscheidungsprozess?

Das ging alles sehr schnell und entspannt. Es war ein Gespräch von einer halben Stunde. Natürlich hat man sich auch schon vor ein paar Wochen mal in die Augen geschaut und gesagt, dass man sich einen weiteren gemeinsamen Weg vorstellen kann. Aber mir war wichtig, das habe ich immer betont, zunächst das Gespräch mit Friedhelm Runge zu führen. Was hat er vor? Bleibt er dabei? Die Antworten waren mir sehr wichtig, denn ich glaube, jeder hat gesehen und verstanden, dass es ohne ihn nicht in die richtige Richtung gehen wird. Ich sage ganz ehrlich: Ich habe meine Zukunft auch ein Stück weit mit seiner Person und damit verbunden, wie Friedhelm Runge den weiteren Weg des WSV sieht. Aber: Es geht auch nicht nur alleine mit Friedhelm Runge - das wissen ebenfalls alle. Die Beteiligten müssen sich vernünftig an einen Tisch setzen, miteinander reden und gemeinsam die weiteren Wege gehen. Zu den ausschlaggebenden Gründen gehört natürlich auch, dass mir das Arbeiten im Team mit Stephan Küsters, Thomas Richter und Gaetano Manno sehr viel Spaß macht. Wir lachen viel miteinander, aber wir arbeiten eben auch sehr intensiv. Ich denke, man sieht, dass wir an den richtigen Themen gearbeitet haben und dies auch weiter tun werden.

Welche Ziele verfolgst du für die kommende Spielzeit? Welcher WSV schwebt dir auf dem Platz vor?

Ich tue mich immer schwer damit, so weit in die Zukunft zu schauen, weil wir in dieser Saison noch viele Spiele haben. Natürlich habe ich gewisse Vorstellungen, die man auch im Ansatz schon sieht: Ich möchte Mentalität sehen und Spieler, die auf dem Platz ihr Herz für den Verein geben. Ich kenne die WSV-Fans sehr gut. Sie verzeihen auch Niederlagen - aber nur dann, wenn sie sehen, dass die Spieler für den Verein und das Trikot, das sie tragen, alles in die Waagschale geworfen und alles rausgehauen haben. Genau das möchte auch ich sehen: Dass wir Fußball arbeiten, kämpfen und dass wir natürlich auch guten Fußball spielen. Mentalität und Charakter - für diese Attribute möchte ich die richtigen Spieler an Bord haben.

Hast du schon ein Bild im Kopf, welches du zur neuen Saison zeichnen wirst? Von einer erneuten „Pokalserie“ wird man nicht sprechen können, richtig?

Ja, das war eine Idee für die aktuelle Situation, die von der Mannschaft auch gut angenommen wurde, wie man sieht. Man kann das zur neuen Saison nicht eins zu eins wieder so machen, aber ich glaube, ich bin kreativ genug, mir etwas anderes einfallen zu lassen.

Xhuljo Tabaku und Durim Berisha kommen vom SC Wiedenbrück. Wie weit sind die Kaderplanungen für die kommende Saison ansonsten fortgeschritten?

Wir führen zunächst Gespräche mit den Spielern des aktuellen Kaders, denn das gehört sich auch einfach so. Natürlich muss man parallel Augen und Ohren offen halten, damit man nicht zu spät dran ist. Wir werden definitiv einen Kern der Mannschaft behalten, wollen uns aber qualitativ weiter verbessern.

Mit Sportdirektor Stephan Küsters, Chefscout Gaetano Manno, Vorstand Thomas Richter und dir als Trainer bringen gleich mehrere Personen Kompetenzen bei der Kaderplanung ein. Wie verlaufen die Entscheidungsprozesse konkret und wer nimmt welche Rolle ein?

Ich glaube, an dieser Stelle haben wir ein großes Faustpfand: Wir kommen alle aus dem Fußball und haben ein bisschen Ahnung von der Materie - die Drei mehr als ich (lacht). Letztendlich ergänzt sich das alles ganz gut. Theoretisch bringt jeder eigene Ideen ein, aber da wir alle ähnlich ticken, haben wir auch ähnliche Ideen, was die Abläufe natürlich erleichtert. Wir tauschen uns aus, gerne auch kontrovers, und wenn wir am Ende etwas machen, stehen wir alle zu 100 Prozent hinter der Entscheidung. Andernfalls wird es nicht umgesetzt.

Heute kommt RWE ins Stadion am Zoo. Welche persönlichen Erinnerungen hast du an diesen alten Westschlager und was erwartest du von dieser Begegnung im Jahr 2021?

Ich habe viele positive Erinnerungen an die Spiele gegen Rot-Weiss Essen, wir haben sie im Stadion am Zoo das eine oder andere Mal geschlagen. Ich kann mich auch noch dunkel daran erinnern, dass ich an der Hafenstraße bei einer deutlichen Niederlage mal einen Elfmeter in den Fanblock geschossen habe, als ich weggerutscht bin (lacht). Es ist schade, dass diesmal keine Zuschauer im Stadion sein werden, aber viele Fans werden das Spiel sicher am Livestream verfolgen. Wir werden alles raushauen und versuchen, Rot-Weiss Essen zu ärgern. Ich denke, sie stehen schon immens unter Druck, denn wenn sie aufsteigen wollen, dürfen sie sich am besten keinen Patzer mehr erlauben, da Dortmund vermutlich nicht mehr viel liegenlassen wird. Meine Jungs freuen sich genauso wie ich auf das Spiel, denn es ist immer etwas Besonderes, so ein Derby spielen zu dürfen.

Vielen Dank für das Gespräch, Mehne!

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