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Mittwoch, 26.05.2021 -

1. Mannschaft

„Dann wird man erst mal wieder richtig merken, was man vermisst hat“

Unser Stadionmagazin neunzehn54 im Gespräch mit Kapitän Tjorben Uphoff

Denkt man an die letzten Jahren beim WSV zurück, kommt man an einem Namen nicht vorbei: Die Rede ist von Tjorben Uphoff. Seit Januar 2018 trägt der Verteidiger unsere Farben, bestritt inzwischen über 100 Einsätze für den WSV in Pflichtspielen und führt nunmehr in der zweiten Saison das Team als Kapitän auf den grünen Rasen. Nicht nur auf dem Fußballplatz ist „Uppe“ erfolgreich, sondern auch als Künstler mit seiner Firma „for the streets“.

Tjorben Uphoff wurde 1994 in Hannover geboren. In der niedersächsischen Landeshauptstadt wuchs er auf und fand dort auch seinen ersten Fußballverein, die Sportfreunde Ricklingen, bei denen er bis 2007 spielte, ehe er in das Nachwuchsleistungszentrum von Werder Bremen wechselte. Nach drei Jahren in Bremen zog es ihn weiter nach Hamburg. Dort spielte der 1,91 Meter große Niedersachse für fünf Jahre für den FC Sankt Pauli. Im Anschluss an die letzten Jahre im Jugendbereich schaffte „Uppe“ den Sprung in die zweite Mannschaft und kam in der Regionalliga Nord auf insgesamt 57 Pflichtspiele für die Amateure des Weltpokalsiegerbesiegers von 2002. Eines der Highlights in seiner Fußballlaufbahn war sicherlich der Zweitliga-Einsatz am 23. September 2014, als St. Pauli-Trainer Thomas Meggle unseren Kapitän spät einwechselte und Tjorben mit seiner Truppe das knappe 1:0 gegen Eintracht Braunschweig über die Bühne brachte. Nach den Jahren im Norden wechselte unsere Nummer 5 in den Nachwuchs von Schalke 04. Über die Zeit in den Nachwuchsleistungszentren der Bundesligisten zieht unser „Captain“ folgendes Fazit: „Das ist eine Erfahrung, die ich niemals missen wollen würde, auch wenn ich sehr viel aus meiner Jugend dafür geopfert habe. Es ist viel Zeit für die Fahrerei von Hannover nach Bremen draufgegangen, aber auch für die Turniere oder die Spiele.“ Und der auf diese Weise sehr gut ausgebildete Innenverteidiger fügt an: „Wir haben in der U17-Bundesliga in der Nordost-Staffel gespielt. Da hatten wir fünf bis sechs Fahrten, wie zum Beispiel Chemnitz, Dresden, Jena und Erfurt. Wir haben samstagmorgens trainiert, sind anschließend losgefahren, haben im Hotel gepennt, hatten sonntags das Spiel und dann warst du sonntagabends erst zu Hause - auf diese Weise war einfach mal das ganze Wochenende ‚weg‘. Während meine Mitschüler Party gemacht oder sich untereinander getroffen haben, saß ich im Bus… Aber noch mal: Ich würde diese Erfahrung niemals missen wollen. Die ganzen internationalen Turniere, die ich gespielt habe, und alles andere, das würde ich niemals im Leben eintauschen wollen. Das ist eine große Herausforderung, die vielleicht auch nicht für jeden etwas ist. Aber wenn man dann in so relativ jungen Jahren reinkommt, ist das schon geil, macht Spaß und man hat eine super Ausbildung.“

Elversberg als Glücksfall für den WSV

Nach zwei Jahren und 57 Spielen für die „Knappen“ wechselte Tjorben im Sommer 2017 zum SV Elversberg. Dort lief es nicht so rund und man löste den Vertrag nach der Hinrunde wieder auf. Umso besser für den WSV, denn so zog es den beidfüßigen Verteidiger zurück nach Nordrhein-Westfalen und zu uns ins Tal. In der Rückrunde bei seinem neuen Verein kam der damalige Neuzugang auf 14 Einsätze und belegte mit der Mannschaft einen starken 3. Platz hinter dem KFC Uerdingen und Viktoria Köln. In den Jahren darauf zählten alle Trainer, unter denen Tjorben beim WSV spielte, stets auf seine Qualitäten und so trug „Uppe“ bislang 97 Mal unser Trikot in der Regionalliga West. Im Normalfall spielt unsere Nummer 5 in der Innenverteidigung, sorgt dort für Stabilität und versucht, die Tore zu verhindern. In der jetzigen Rückrunde lief „Uppe“ ab und an aber auch im Mittelfeld auf. Die zunächst eher ungewohnte Position und Rolle in der Mannschaft hat er seinem neuen Trainer Björn Mehnert zu verdanken, der sich durch den groß gewachsenen Defensivspieler eine bessere Absicherung erhoffte, wie Tjorben Uphoff berichtet: „Der Trainer hat das vorgegeben, dass er mich auf dieser Position gesehen hat, um mehr Sicherheit in unser Spiel zu bekommen. Ich denke, mit den Leistungen beziehungsweise der Punktausbeute lag er da nicht so falsch. Mir hat das Spaß gemacht, obwohl ich mich längerfristig in dieser Rolle noch entwickeln und verbessern kann sowie trotzdem glaube, dass ich als Innenverteidiger am meisten meine Stärken einbringen kann.“

Nach der holprigen Hinserie sieht Tjorben Uphoff eine gewaltige Steigerung in der Rückrunde und ist zufrieden mit der Punktausbeute im neuen Kalenderjahr: „Meiner Meinung nach haben wir eine besondere Rückrunde gespielt und spielen die immer noch. Ich denke, uns haben die wenigsten zugetraut, dass wir aus der Rückrunde beziehungsweise aus dem Jahr zehn Siege holen, nur dreimal verlieren und so viele Punkte sammeln. Damit bin ich sehr, sehr zufrieden und denke, darauf kann man aufbauen. Das hat für uns natürlich vieles leichter gemacht. Wir haben jetzt noch die Pokalspiele, die wir so gut wie möglich bestreiten und in denen wir so weit wie möglich kommen wollen. Vielleicht haben wir dann noch am Ende der Saison ein kleines Highlight mit dem Pokalfinale.“ Doch nicht nur in den letzten Spielen der laufenden Saison erhofft sich der Sportmanagmentstudent für die Mannschaft den besten Verlauf, er macht sich bereits Gedanken über die Zukunft des gesamten Vereins, wie er uns berichtet: „Ich denke, für den Verein ist es wichtig, dass man Kontinuität reinbekommt und dass man mit der Rückrunde jetzt etwas aufbauen und daraus eine vernünftige Mannschaft für die kommende Saison entwickeln kann. Für den Verein wird es wichtig sein, dass man generell eine Struktur entwickelt, in der man alle - mehrere Sponsoren, die aktive Fanszene, alle WSV-Freunde und Mitglieder - unter einen Hut bekommt, so dass man endlich mal als ganzer Verein, als ganze Stadt an einem Strang ziehen und in eine Richtung gehen kann. Ich denke, das ist sehr, sehr wichtig.“ Für die Zukunft wünscht sich unser Kapitän nicht nur Kontinuität, sondern auch die Fans zurück ins Stadion. „Natürlich ist es jetzt während Corona nicht gut ohne Fans. Auch wenn man sich, so traurig es sich anhört, notgedrungen daran gewöhnt hat - denn das muss man irgendwie hinbekommen, um seine Leistung trotzdem zu bringen. Nichtsdestotrotz, sobald irgendwann wieder Zuschauer zugelassen sind, wird man erst mal wieder richtig merken, was man vermisst hat. Dann hat das alles wieder mehr Fußballcharakter und man denkt nicht mehr, man wäre bei einem Freundschaftsspiel“, so unser Kapitän über die derzeit fehlende Stimmung im Stadion am Zoo.

Kunst auf der Leinwand und unter der Haut

Viele werden es schon mitbekommen haben: Tjorben Uphoff ist sehr kreativ und designt unter dem Namen „for the streets“ zum Beispiel Schuhe, Kleidung, Leinwände, Wände von Firmen - oder wie im vergangen Jahr die Räumlichkeiten des Fanprojektes in Wuppertal. Sein Talent an der Dose hatte er länger ruhen und erst wieder aufblühen lassen, als beim Wuppertaler SV in der Winterpause 2018/2019 das Crowdfunding durchgeführt wurde. So berichtet uns der 26-jährige: „Das Ganze hat sich ein bisschen entwickelt damals während der Crowdfunding Aktion, als ich die WSV-Leinwand entworfen und gemerkt habe, dass ich in dem Bereich vielleicht ein bisschen mehr machen kann. Stand jetzt ist es echt ein nettes Hobby, ich will es nicht als zweites Standbein beschreiben. Ich mache es einfach in der Art und Weise, wie es mir Spaß macht. Wenn Aufträge kommen, dann kommen sie und wenn keine kommen, dann kommen eben keine. Dann sitze ich nicht auf heißen Kohlen und hoffe, dass mir jemand schreibt, damit ich was machen kann.“ Doch nicht nur Klamotten und Einrichtungen für Kunden und seine Mitspieler designt „Uppe“, sondern seine Liebe zum Designen geht auch unter die Haut. „Für mich ist es wichtig, dass man einen persönlichen Bezug zum Tätowierer hat oder aufbaut, um irgendwie seine Arbeit auch zu würdigen. Ich setze mich einfach gerne mit den Leuten auseinander, denn mich interessieren ihre Sichtweisen und wie sie manche Dinge angehen - vielleicht ist es manchmal auch ein Austausch unter Kreativen“, berichtet Tjorben, der auf Tattoostudio-Besuche in Hamburg und in Gelsenkirchen zurückblickt: „Ich bin am Anfang nach Hamburg gegangen, auf St. Pauli war ein Studio, wo ich viel habe machen lassen. Das war über Freunde und war immer relativ cool. Er hat dann auch immer extra für mich aufgemacht, damit das mit dem Fußball klappen konnte, auch mal samstags oder sonntags in der Nacht, damit man genug Zeit hatte bis zum nächsten Training. Seitdem ich jetzt im Ruhrgebiet bin, war ich dreimal in Gelsenkirchen, wo es ähnlich gehandhabt wurde.“

Mit seinem ehemaligen Verein, dem FC St. Pauli, fiebert Uppe heute noch mit und freut sich (möglicherweise) auch in der nächsten Saison auf das Derby in Hamburg. Doch nicht nur auf das Stadtduell kann sich der Niedersachse freuen, sondern auch auf den FC Schalke 04. Wie eingangs erwähnt, spielte „Uppe“ dort für zwei Saisons selbst und meint zur aktuellen Lage beim Revierklub folgendes: „Es ist schon fast tragisch, was da so passiert - als Höhepunkt jetzt mit dem Abstieg in Bielefeld und mit dem, was danach passiert ist. Es ist tragisch für den Verein, aber vor allem tragisch für die Menschen, die ihr Herz an den Verein verloren haben. Für die ist es am tragischsten.“

Wir bedanken uns bei Tjorben Uphoff, dass er sich die Zeit für die neunzehn54-Redaktion genommen hat und uns Rede und Antwort stand. Wir drücken ihm sowohl auf als auch neben dem Platz die Daumen und wünschen - gerade in der aktuellen Phase - Gesundheit, eine schnelle Genesung und weiterhin eine erfolgreiche Zeit bei uns im Tal. Viel Spaß weiterhin im Stadion am Zoo und im rot-blauen Trikot!

Quelle: neunzehn54

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