MENÜ
23
Okt
KFC
14:00
WSV
Anzeige
Mittwoch, 18.08.2021 -

1. Mannschaft

„Ich definiere mich über Tore“

Unser Stadionmagazin neunzehn54 im Gespräch mit Neuzugang Roman Prokoph

Im Sommertrainingslager des Wuppertaler SV in Willingen traf sich die neunzehn54-Redaktion für Ausgabe 2 des WSV-Stadionmagazins mit unserem Neuzugang Roman Prokoph, der uns freundlicherweise Rede und Antwort stand. Der inzwischen 36-jährige Stürmer schoss in der abgelaufenen Saison beim Ligakonkurrenten Fortuna Köln 15 Saisontore und belegte mit seinem alten Team den vierten Tabellenplatz. In den ersten Vorbereitungsspielen sorgte unsere Nummer 18 direkt für Furore und trug sich in der Begegnung gegen den TSV Steinbach-Haiger sowie im letzten Test gegen den 1. FC Kaan-Marienborn in die Torschützenliste ein.

Die erste Station in Roman Prokophs Laufbahn war der Adlershofer BC in Berlin-Köpenick. Dort wurden im Jahr 1995 die Talentscouts vom größten Verein aus Berlin-Köpenick auf ihn aufmerksam, sodass der Torjäger in den Nachwuchs des heutigen Bundesligisten 1. FC Union Berlin wechselte. Fortan durchlief der gebürtige Berliner alle Jugendmannschaften der „Eisernen“ und spielte seine ersten anderthalb Seniorensaisons ebenfalls bei den Unionern, ehe er über die Station Ludwigsfelder FC beim FC St. Pauli landete. Über seine erste Station außerhalb von Berlin verrät uns Roman folgendes: „Mein erster Schritt aus Berlin war nicht leicht für mich. Ich war noch sehr jung, hatte einen großen Freundeskreis und meine Familie in Berlin, als es zum ersten Mal raus nach Hamburg ging. Die Hamburger sind so ein bisschen unterkühlt, für mich war das alles neu und nicht leicht, da ich noch nicht so gefestigt war.“ Anschließend verschlug es Roman zum ersten Mal nach Nordrhein-Westfalen und er schloss sich unserem Pokalgegner aus Bochum an. Beim VfL spielte der 1,83 Meter große Stürmer sowohl in der Regionalliga West wie auch in der 1. und 2. Bundesliga. Über den Aufstieg der Bochumer, zu denen er immer noch einige Kontakte pflegt, sowie das Pokallos seines neuen Teams gegen den VfL freute sich Roman auch aus einem eher nicht so schönen Grund, wie er berichtet: „Ich freue mich über den Aufstieg von Bochum zurück in die Bundesliga, weil ich ein Teil der letzten Abstiegsmannschaft 2009/10 war.“ Nachdem das Kapitel in Bochum trotz Vertrag vorbei war, schloss sich der Berliner dem Kapfenberger SV in der Bundesliga in Österreich an. Diesen Wechsel bereut unser Neuzugang noch heute: „Österreich war mein größter Fehler, ich hatte in Bochum noch zwei Jahre Vertrag und bin dann Hals über Kopf, ohne mich zu informieren, nach Österreich gewechselt. Der Wechsel hat meiner Karriere schon einen Knick gegeben. Hätte ich den Fehler nicht gemacht, dann hätte ich heute mehr 1. und 2. Bundesliga-Spiele absolviert.“ Weiter berichtet unser Neuzugang aber auch von Situationen, die ihm heute noch helfen: „In dem halben Jahr habe ich am meisten gelernt und deswegen habe ich ein ganz besonderes Auge dafür, wenn in der Mannschaft mal einer hinten dran ist - wenn jemand zum Beispiel verschlossen oder einfach fußballerisch noch nicht ganz auf der Höhe ist. Auf diejenigen habe ich ein ganz besonderes Auge, damit man sich die Jungs wieder mit ins Boot holt, denn in dem halben Jahr in Österreich habe ich gelernt wie schwierig es ist, in der Mannschaft zu sein ohne ein Standing zu haben - das ist einfach unfassbar schwer.“

Von Missverständnissen, natürlicher Autorität und Zahlenspielen

Nach dem Missverständnis in Österreich spielte der Stürmer bei der SpVgg Unterhaching und beim VfL Osnabrück in der dritten Liga sowie zwischendurch eine Saison mit 37 Einsätzen in der Regionalliga West bei den Sportfreunden aus Lotte. Anschließend schloss sich unser Sommerneuzugang dem Nachwuchs von Hannover 96 an. Dort zählte Roman zu den absoluten Leadern und führte die Mannschaft. Nicht nur das Toreschießen erfüllt ihn, sondern auch das Zusammenarbeiten mit jungen Spielern: „Ich habe eine natürliche Autorität gegenüber jungen Spielern. Ich arbeite sehr, sehr gerne mit ihnen zusammen und deswegen hat es mich auch in Hannover und Köln sehr erfüllt, eine U23 bzw. U21 zu führen, sowohl auf als auch neben dem Platz. Dass ich nicht so einer bin, der noch auf die alte Schule steht - und als Beispiel die Einstellung hat, dass die Jungen die Bälle aufpumpen und tragen müssen -, sondern eher einer, der gerne selbst anpackt, kommt ganz gut bei den jungen Spielern an. Des Weiteren bin ich einer, der viel durch positives Coaching versucht zu motivieren und der weniger Kritik ausübt.“ Bei ihm sei das in jungen Jahren nicht immer der Fall gewesen und er habe sich geschworen, so nie werden zu wollen. Nach den drei Jahren in Niedersachsens Landeshauptstadt wechselte Roman in den Nachwuchs des 1. FC Köln. Dort nahm er dieselbe Rolle ein wie im Nachwuchs von „96“ und ging voran. Nach drei Jahren wechselte unser Neuzugang weiter zu Fortuna Köln und zählte dort auch zum absoluten Stammpersonal. Bei der Fortuna wurde Roman sein Alter zum Verhängnis und die Verantwortlichen in der Domstadt trauten ihm die Leistung der abgelaufenen Saison nicht noch einmal zu: „Es ist ein schwieriges Thema. Obwohl ich letztes Jahr 15 Tore gemacht habe, wurde mir trotzdem gesagt, dass sie mir eine Wiederholung aufgrund meines Alters nicht noch einmal zutrauen. Ich finde so etwas schade, denn für mein Alter als Zahl kann ich nichts. Ich kann nur dafür sorgen, dass meine Quote stimmt und dass ich dem Verein einen Mehrwert geben kann.“

Die Teamchemie als Erfolgsrezept, die Torquote als Maßstab

Über die ersten Wochen bei uns in Wuppertal findet unsere Nummer 18 nur positive Worte: „Ich bin sehr gut aufgenommen worden, hatte es mir aber fast gedacht, da die Rückrunde des Wuppertaler SV sehr erfolgreich war. Du kannst nur Erfolg haben, wenn du eine gute Teamchemie hast.“ Und er fügt an: „Genau das habe ich hier vorgefunden: Es ist eine intakte Mannschaft, in der sich ein Kern gebildet hat, der sehr gut miteinander harmoniert und der es uns Neuen leicht gemacht hat, aufgenommen zu werden. Ich fühle mich pudelwohl hier - dementsprechend in erster Linie ein großer Dank an die Mannschaft! Jetzt hoffe ich, dass ich es mit Leistung zurückgeben kann.“ Aber nicht nur der Gedanke an eine intakte Mannschaft, sondern auch das Stadion und die Fans spielten eine wichtige Rolle dabei, vom Rhein an die Wupper zu wechseln, so Roman Prokoph: „Ich komme gerne zum Stadion am Zoo, welches ein schönes Stadion ist. Wenn kein Corona ist, sind hier immer viele Fans im Stadion, der WSV ist ein traditionsreicher Verein und dementsprechend freue ich mich, dass wir in dieser Saison hoffentlich wieder vor Fans spielen können. Das ist aus meiner Sicht auch ein großes Faustpfand, den der Verein hat, und es war mit ein Grund, wieso ich mich für den WSV entschieden habe.“ Mit den Fans im Rücken hat sich unser neuer Stürmer nicht nur für sich selbst viel vorgenommen, sondern auch für den gesamten Verein. Sein persönliches Ziel formuliert er wie folgt: „Ich habe letztes Jahr 15 Tore gemacht und mein Ziel ist es immer, die Quote, die ich in der Vorsaison hatte, zu verbessern - also muss ich in dieser Spielzeit mehr als 15 Tore erzielen, das ist mein Ziel. Ich definiere mich über Tore und ich werde täglich daran arbeiten, dass ich es schaffe, diese Marke zu knacken. Ich setze mich damit ganz bewusst unter Druck, indem ich es öffentlich anspreche.“ In diesem Kontext erzählt uns Roman eine Anekdote aus seiner Zeit in Köln: „Damals, als ich zum „Effzeh“ kam, wurde mir genau dieselbe Frage gestellt und ich sagte: Ich möchte fünfzehn Tore schießen! Die Mitspieler fragten mich, ob ich nicht wüsste, dass die Mannschaft im Jahr vorher fast abgestiegen ist. Aber am Ende der Saison hatte ich dann 20 Tore erzielt.“ Für die anstehende Spielzeit sieht er sich nicht nur persönlich gut gerüstet, sondern den gesamten Verein: „Der WSV hat sehr gute Transfers getätigt. Wichtig war aber auch, dass wirklich gute Spieler geblieben sind, die die viertbeste Rückrundenmannschaft waren. Dementsprechend entwickelt es sich weiter in diese Richtung. Ich denke, wir können es schaffen, unter die ersten fünf Teams zu kommen. Man muss natürlich gucken, dass man wegen Corona nicht zu viele Nachholspiele hat sowie vom Verletzungspech verschont bleibt. Wir haben zwar den Luxus, dass wir auf jeder Position doppelt besetzt sind, aber klar, wenn ein oder zwei Schlüsselspieler ausfallen, dann wird es immer schwer. Ein bisschen Matchglück braucht man zudem auch immer.“ Sich selbst schätzt unser Neuzugang wie folgt ein: „Es hat sich ein bisschen gewandelt, muss ich sagen. Am Anfang meiner Laufbahn war ich mehr der fleißige Stürmer, der viel um den zentralen Neuner rumgespielt, viele Wege gezogen, viele Kopfbälle verlängert und viel zugearbeitet hat. Als ich dann nach Hannover gekommen bin, hat sich mein Spiel ein bisschen geändert und ich bin der absolute Abschlussspieler geworden. Ich hatte auch die letzten Jahre eine gute Quote und dementsprechend hat sich das dann bestätigt.“

Wenn Roman nicht auf dem grünen Rasen steht oder auf der Autobahn zwischen Wuppertal und Köln, wo er weiterhin wohnen bleibt, unterwegs ist, angelt er sehr gerne. Geangelt hat er früher schon in Berlin, es aber vor kurzem wieder neu für sich entdeckt, unter anderem mit Jannik Löhden von Fortuna Köln. Im September werden im Hause Teller / Prokoph die Hochzeitsglocken leuten und Roman wird seine Verlobte Anika zur Frau nehmen. Den Namen seiner zukünftige Frau Anika hat sicherlich schon der eine oder andere gehört, ist sie nämlich Influencerin und Podcasterin. Über die Berufswahl seiner zukünftigen Frau sagt Roman folgendes: „Ich freue mich für sie, weil es beruflich gut läuft, und ich unterstütze sie auch wo ich kann. Wenn sie zum Beispiel Hilfe bei Fotos oder Videos braucht oder wenn sie gerne möchte, dass ich in ihren Fotos auftauche, dann mache ich das. Ich kann mir aber nie vorstellen, in dieses Business selber einzusteigen. Wir sind beide sehr privilegiert, da wir beide das machen, was uns Spaß macht.“ Roman würde nach seiner aktiven Karriere gerne im Athletikbereich arbeiten und sich dort niederzulassen. Aktuell hätten beide noch viel Spaß daran, anhand der Erziehung des Hundes schon einmal zu üben wie es ist, später die eigenen Kinder zu erziehen, berichtet Roman uns von den gemeinsamen Familienplänen.

Wir bedanken uns bei Roman Prokoph, dass er sich die Zeit für die neunzehn54-Redaktion genommen hat und uns Rede und Antwort stand. Wir drücken ihm sowohl auf als auch neben dem Platz die Daumen und wünschen - gerade in der aktuellen Phase - Gesundheit sowie eine verletzungsfreie und erfolgreiche Zeit bei uns im Tal. Viel Spaß im Stadion am Zoo und im rot-blauen Trikot!

Quelle: neunzehn54

×