MENÜ
11
Dez
SVR
14:00
WSV
Anzeige
Dienstag, 09.11.2021 -

1. Mannschaft

„Mein Dank gilt Friedhelm Runge“

Unser Stadionmagazin neunzehn54 im Gespräch mit Stephan Küsters

Als Spieler schnürte Stephan Küsters für den KFC Uerdingen, den SC Jülich, den FC Remscheid und den SC Preußen Münster die Fußballschuhe. Danach stand „Küste“ bei Preußen Münster und Viktoria Köln neben dem Platz in der Verantwortung. Die neunzehn54-Redaktion hat mit ihm für Ausgabe 5 des WSV-Stadionmagazins über seine Stationen und seine Aufgaben beim WSV gesprochen.

Hallo Stephan. Wo würde Björn Mehnert den Spieler Stephan Küsters heute aufstellen?

Er würde mich heute auf der Sechs aufstellen, weil ich auf dem Platz viel gesprochen habe und ein guter Zweikämpfer war.

Wie hat sich das Niveau im Bereich der dritten und vierten Liga im Vergleich zu den 1990er-Jahren verändert?

Heute wird viel mehr Wert auf Fußball gelegt. Früher war der Fußball - wenn man überlegt, was für Charaktere da so gespielt haben - viel aggressiver. Es wurde kein schlechterer Fußball gespielt, aber heute wird sich in den Nachwuchsleistungszentren (NLZ) auf andere Sachen konzentriert. Man legt mehr Wert auf Athletik, während es früher gar keine Sprintwerte für verschiedene Distanzen gab. Das war kein wichtiges Thema. Ich denke, man hatte mehr Leidenschaft und ein bisschen mehr Aggressivität, ohne den Fußball zu vergessen.

Wärst du rückblickend gerne in einem NLZ gewesen?

Nein, eigentlich nicht. Ich finde es gut, dass es NLZ gibt. Aber mir fehlen heute ein bisschen die Straßenfußballer. Ich habe mich immer als Straßenfußballer gesehen. Diese Typen würden jeder Mannschaft heute guttun. Ich finde, jede Mannschaft, die ein paar verrückte Spieler hat, ist auch irgendwo erfolgreich. Bayern holt zum Beispiel nicht nur Musterschüler, sondern jedes Jahr auch gute Charaktere. Bei Sané haben sich viele gefragt, ob er beim FC Bayern funktionieren würde. Ich war gegen Leverkusen im Stadion und habe gesehen, was für Sachen er macht. Das kann man nicht lernen. Früher ein Effenberg - das waren Typen. Wir brauchen auch immer eine gute Mischung aus jungen Spielern und erfahrenen Drecksäcken, auf gut Deutsch gesagt, um die Mannschaft in bestimmten Situationen nach vorne zu bringen.

Du hast mit Bayer Uerdingen im Europa-Pokal gespielt. Heute ist die Grotenburg gesperrt und der KFC verliert mit 0:11 gegen Essen. Wie denkst du darüber?

Ich habe die Uerdinger auch in der Drittligazeit unter Ponomarew verfolgt. Da habe ich mich schon gefragt, wo es hingehen soll. Ohne die Grotenburg hat der Verein kein Zuhause mehr. Das tut natürlich als Ex-Uerdingen-Spieler weh. Aber die Zeit ist meilenweit weg, damals war es ja auch noch Bayer Uerdingen. Ohne eigenes Wohnzimmer ist es dann eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis man wieder absteigt. Von außen ist das natürlich alles schwer zu beurteilen. Ich hätte als Sponsor der Stadt, bevor ich investiere, vielleicht erstmal gesagt: „Ich bin bereit, aber nur wenn das Stadion modernisiert wird.“

Bei deiner zweiten Station in Jülich war Dietmar Grabotin, der von 2004-2006 sportlicher Leiter beim WSV war, dein Trainer…

Er war mein Lieblingstrainer. Auch wenn ich ihn nicht lange hatte, unter Grabo hat es Spaß gemacht. Er hat damals leider als Tabellenführer wegen Einmischungen durch den Vorstand von heute auf morgen hingeschmissen. Das war eine sehr intensive, kurze, aber schöne Zeit.

Beim FC Remscheid hast du die Region kennengelernt. Hat das bei deiner Entscheidung, zum WSV zu kommen, eine Rolle gespielt?

Der FC Remscheid und das Bergische Land sind mir in Erinnerung, klar. Aber ich war dort damals nicht so verwurzelt wie jetzt beim WSV. Ich bin von Duisburg immer nur zum Training oder zum Spiel rübergekommen und war dann wieder weg. In Wuppertal bin ich ein bisschen heimisch geworden. Ich wurde herzlich aufgenommen und habe hier auch schon einen guten Freundeskreis gefunden. Deshalb hat das eigentlich keine Rolle gespielt. Als Friedhelm Runge mich angerufen hat und sagte, dass er dabei mithilft, den WSV wieder da rauszuholen, brauchte ich nicht lange überlegen. Für mich war klar, wenn er dabei ist, komme ich sehr gerne. Ich bin wegen ihm hier und bin ihm sehr dankbar, dass er mir das Vertrauen geschenkt hat. Ich bin jetzt ein Jahr hier und weiterhin mit sehr viel Freude dabei.

Die längste Zeit deiner Karriere hast du in Münster verbracht. Ist der SC Preußen Münster dein Heimatverein?

Ja, ich denke, 15 Jahre Preußen Münster sind schon eine Ansage - ich war dort acht Jahre als Spieler und sieben Jahre als Offizieller. In Ahlen, das ist ganz in der Nähe, wohnen auch meine Ex-Frau und meine Tochter. Ich hatte ein Sportgeschäft in der Stadt und mich dort niedergelassen. Ich bin zwar aus Duisburg, habe meinen größten Freundeskreis aber in Münster. Münster ist schon der Ort, wo alles hängengeblieben ist.

Was fehlt dem WSV noch im Vergleich zu Münster?

Ich finde, Preußen Münster und der WSV sind vom Charakter oder den Fangruppen schon ähnliche Vereine. Von der Struktur her hat Münster aktuell sicher mehr Manpower als wir, aber wir sind auf einem guten Weg. Dadurch, dass Daniel Grebe seine Karriere vorzeitig beendet hat und sich jetzt voll auf das Marketing konzentrieren kann, haben wir zum Beispiel zuletzt einen wichtigen Schritt nach vorne gemacht. Natürlich hat Münster ein größeres Netzwerk an Sponsoren, da müssen wir auch hinkommen. Ich bin aber optimistisch, dass wir das schaffen.

Wie bringst du dich in diesem Bereich ein?

Ich bin sehr viel auf der Geschäftsstelle und mit Daniel und den anderen Jungs im Austausch. Ich weiß aus Erfahrung, wie ein Verein strukturiert sein muss und bringe alles mit ein, was ich habe. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich der Professor bin und alles besser weiß, aber ich arbeite im Team mit und helfe dabei, uns zu verbessern. Wir haben zum Beispiel die Geschäftsstelle ein bisschen schöner gestaltet. Wenn die Leute hier reinkommen, müssen die Räumlichkeiten gut aussehen und einen guten Eindruck machen. Damit sind wir jetzt fast fertig. Die Leute hier - Daniel, Tobi Brandtner, Dirk Schneider, Tim Adamek oder Siegrid - hauen sich unheimlich rein. Wir sind dabei, uns wieder gut aufzustellen. Ich will dabei auch gar nicht auf diejenigen zurückgucken, die nicht mehr hier sind. Der Fußball ist schnelllebig, bei Spielern und Funktionären, daher denke ich, sollten wir immer nach vorne schauen.

Wie ist es dazu gekommen, dass du Sportdirektor geworden bist?

Ich habe bei Bayer Bürokaufmann gelernt, das konnte man in Uerdingen damals parallel machen. Ich bin dann aber nie zurückgegangen. Während meiner aktiven Laufbahn habe ich mit 25 Jahren gemeinsam mit einem Kompagnon ein Sportgeschäft aufgemacht und seitdem immer ein Sportgeschäft gehabt. Nach meiner aktiven Zeit in Münster wollte ich gerne im Verein bleiben und habe in diese Richtung tendiert, da ich immer viele Spiele geguckt habe und mir - schon bevor ich in der Verantwortung stand - Gedanken über die Zusammenstellung des Teams gemacht habe. Ich war dann Teammanager und zusammen mit Carsten Gockel auch Sportlicher Leiter. Seitdem ist das eigentlich mein Hauptjob. Dort habe ich auch nichts anderes als heute gemacht. Bei Viktoria Köln bin ich anschließend auf dieser Position Nachfolger von Franz Wunderlich geworden. Wegen dieser Erfahrungen, ohne jetzt arrogant klingen zu wollen, weiß ich, dass ich mich in der dritten Liga und in der Regionalliga gut auskenne und ein gutes Netzwerk habe. Ich denke, ich habe auch die Menschenkenntnis, die man benötigt, um einschätzen zu können, welche Typen vom Charakter her in ein Team passen. Meine Mannschaften kommen meistens über das Kollektiv und haben eine Kameradschaft, gehen auch mal abends zusammen los. Klar, individuell muss man auch seine Stärken haben, aber in der Regionalliga oder auch in der dritten Liga ist es am wichtigsten, dass man eine homogene Mannschaft auf dem Platz hat.

Was machst du, wenn du gerade kein Fußballspiel guckst?

Ich spiele sehr gerne Tennis, meine Freundin ebenfalls, sodass wird dies auch mal zusammen machen können. Im Moment habe ich aber Probleme mit der Schulter. Wir haben ansonsten einen Hund, mit dem wir gerne in Köln spazieren gehen.

Vielen Dank für das Gespräch, Stephan!

Quelle: neunzehn54

×