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WSV
Montag, 29.07.2019 -

Fans

Ein Rettungsring für den WSV

Blinder WSV-Fan setzt starkes Zeichen


Was wir sehen, fühlt Thorsten Finger: Der 50-Jährige begleitet den WSV seit Jahren - ohne wirklich viel vom Spiel zu sehen. Eine Erkrankung an den Augen ließ den Fan nach langjährigem Kampf Anfang März des Jahres vollständig erblinden. Schon in den letzten fünf Jahren waren Stadionbesuche für ihn organisatorisch immer schwieriger geworden, da sich das ohnehin schon sehr geringe Restsehvermögen zum damaligen Zeitpunkt immer weiter verschlechterte. Trotz der aktuellen, gesundheitlichen Notlage hat er für seinen WSV zur Finanzierung in schwieriger Situation ein Sponsoring mit einer beträchtlichen, fünfstelligen Summe übernommen.


Da steht er im RWFK-Kult-Trikot vom legendären WSV-Spieler Ference „Ferry“ Schmidt vor dem Stadion am Zoo zusammen mit seinem treuen Blindenführhund „Ares“. Es beißt sich leicht mit der Farbe der äußeren Tribünenfassade - sandgelb zu grellem orange. Und so beißt es sich für viele auch, dass ein vollkommen blinder Mensch zum Fußball geht. „Du siehst doch eh nichts!“, sind noch die harmloseren Phrasen, die Thorsten regelmäßig zu hören bekommt, wenn er erzählt, ins Stadion zu gehen, um Fußball „zu schauen“. Das macht ihm in seinem sportlichen Wohnzimmer nichts aus. Mit dem Gang ins Stadion am Zoo möchte er auch ein Zeichen für Selbstbestimmtheit bzw. Toleranz und gegen Alltagsdiskriminierung setzen, der er täglich ausgesetzt ist, wie Thorsten kopfschüttelnd berichtet. „Warum soll ein Mensch mit Handicap zu Hause bleiben? Man kann auch ohne Augenlicht ein glückliches Leben führen, Augenlicht ist Luxus und ich bin bescheiden“, sagt er augenzwinkernd. „Man sieht nur mit dem Herzen gut! Wenn es mir möglich ist, bin ich viel unterwegs“, ergänzt er lächelnd. Deshalb sitzt er so oft es ihm möglich ist auf der Haupttribüne seines WSV.


Aufgewachsen ist Thorsten Finger in Wuppertal. Sein Leben ist von Geburt an spannend und mit immer neuen Herausforderungen, Krankheiten am Auge und weiteren Rückschlägen geprägt. Die Prognose für das kürzlich vollständig erblindete Auge - Thorsten nimmt nur noch weißen Nebel bzw. Licht wahr - besagt, dass er auch dieses über kurz oder mittelfristig organisch verlieren wird. Und dennoch beeindruckt er immer wieder durch seine lebensbejahende Einstellung und seinen unerschütterlichen, auch selbstironischen Humor. So kommentiert er den drohenden Verlust des einzigen Auges so: „Keine guten Aussichten!“


Seit rund 4 ½ Jahren ist sein Blindenführhund „Ares“ an seiner Seite. Seine ehemalige Krankenkasse hat Thorsten die Finanzierung seines Blindenführhundes trotz zuvor mehrfach erteilter Versorgungs- und Kostenzusage verweigert, so dass er die Anschaffungskosten für „Ares“ privat aufbringen und hierfür seine privaten Altersvorsorgeverträge kündigen musste. „Ich habe finanziell keine Sicherheiten mehr, aber meine Würde habe ich mir nicht nehmen lassen!“, stellt Finger selbstbewusst klar. Deswegen findet er immer wieder den Weg ins Stadion am Zoo: „Ich nehme das Spiel über mein Gehör wahr, fokussiere mich auf die Kommentare der Sitznachbarn und schlussfolgere aus Emotionen der anderen. Ich fühle und durchlebe es mit jeder Faser meines Körpers, kann das Spiel lesen“, sagt Finger und man sieht ihm an, dass ihm das Spaß macht. In den vergangenen Jahren war er entweder auf der Haupttribüne oder bei seinen Freunden der „Aktiven Gegengerade“, ab und zu auch auf der „Nord“ zu finden, je nachdem, wer ihn begleiten konnte.


Als Thorsten Finger im Januar - als er mit entsprechender Technik noch etwas lesen konnte - von den dramatischen, finanziellen Problemen des WSV gelesen bzw. gehört hatte, hat er sich unverzüglich an den WSV gewandt und sich mit Maria Nitzsche, die damals unter anderem für die Sponsoren zuständig war, zu einem ausführlichen Gespräch getroffen und mit ihr über den großzügig zur Verfügung gestellten Betrag gesprochen. Eine Summe, die zeigt, wie selbstlos Thorsten Finger an seine eigene Situation herangeht: „Ich werde später Probleme haben - der WSV braucht die Hilfe aber sofort. Ich habe bildlich gesprochen einen Rettungsring ausgeworfen für jemanden, der ums nackte Überleben kämpft, wie zum Beispiel Flüchtende in Seenot.“ Für die Farben Rot und Blau hat er zwar keine roten Zahlen geschrieben, aber einen Großteil seiner Rücklage für im Alter zu erwartender Probleme entnommen, damit der WSV nicht im Januar Insolvenz beantragen musste. „Egoismus ist etwas, mit dem ich nichts anfangen kann. Mein Leben ist darauf ausgerichtet zu helfen, wenn es sein muss“, begründet er. Umso bemerkenswerter, wie er sich für den WSV eingesetzt hat. „Ich möchte mit dem Sponsoring für den WSV ein Zeichen setzen und alle Fans, Mitglieder, Sponsoren und Bürger/innen, die den Verein lieben, auffordern, dies auch jetzt zu tun. Es ist Zeit! Nur wenn wir gemeinsam und völlig uneigennützig alles Menschenmögliche tun, hat unser WSV eine Zukunft! Kommen Sie regelmäßig ins Stadion am Zoo und stimmen mit den Füßen für den Erhalt des WSV ab.“ Für die zahlreichen Wuppertaler Weltmarktführer, die bisher einem Sponsoring skeptisch gegenüberstanden, hält er noch einen besonderen Hinweis bereit: „Nur wer sät und das Feld regelmäßig bestellt, kann auch die Ernte einfahren! Unterstützen Sie den WSV jetzt aktiv, dann werden wir in ein paar Jahren auch wieder bessere Zeiten erleben!“


Als Dankeschön für die Unterstützung hatte der WSV Thorsten Finger für die restlichen Heimspiele der Saison 2018/19 seit Februar eine VIP-Dauerkarte zur Verfügung gestellt und für die laufende Saison reserviert. Finger sagt dazu: „Ich danke dem WSV für dieses große Zeichen der Verbundenheit und vor allem dafür, dass ich meinen Blindenführhund „Ares“ während der Spiele im Büro der Geschäftsstelle lassen kann, so dass ich entspannt das Spiel „anschauen“ kann.“ Sehr dankbar ist er auch für das Angebot des WSV, seinen möglichen Begleitpersonen für das jeweilige Spiel ein zweites VIP-Ticket zur Verfügung zu stellen.


Wer Thorsten Finger zum Spiel begleiten möchte, kann das gerne über die Geschäftsstelle unter info@wuppertalersv.com oder telefonisch (0202-97 46 210) zu den Öffnungszeiten anmelden. Die Mitarbeiter des WSV stellen dann den Kontakt her.


Der WSV bedankt sich, in aller Demut, bei Thorsten! Bitte helft unseren "beiden" Fans, dass sie auch in dieser Saison viele Spiele erleben können.


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