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Mittwoch, 07.10.2020 -

Fans

Der WSV-Fankeller

Oder: Von einem WSV-Fan, der zum Jubeln in den Keller geht

Viele Fußballfans kennen das: Irgendwann versucht man seiner Leidenschaft für den Lieblingsverein auch optisch Geltung zu verleihen. Die einen hängen Poster, Schals oder Trikots an die Wand, andere bestücken eine Vitrine mit allerlei Fanartikeln oder Erinnerungsstücken und wieder andere schlafen in Bettwäsche in den Vereinsfarben. In Wuppertal-Barmen hat sich WSV-Anhänger Ingo einen rot-blauen Fankeller eingerichtet. Für Ausgabe 2 des WSV-Stadionmagazins durfte die neunzehn54-Redaktion ihm einen Besuch abstatten.

An einem spätsommerlichen Tag Anfang September führt WSV-Fan Ingo die neunzehn54-Delegation mit sichtbarem Stolz an einen Ort, der ihm besonders am Herzen liegt und in den er unzählige Arbeitsstunden gesteckt hat: Seinen WSV-Fankeller. Beim Betreten des Raumes fällt dem Besucher - neben der rot-blauen Farbgebung - als erstes die eindrucksvolle Wandtapete ins Auge. Von der Zugangstür aus blickt man in Richtung der gegenüber befindlichen langen Raumseite sozusagen auf die Haupttribüne des Stadions am Zoo, rechts befindet sich an der kurzen Raumseite die „Nord“. Anhand der Bekleidung der Stadionbesucher lässt sich das Spiel identifizieren: Neben Fans in WSV-Trikots sieht man Menschen in Shirts des 1. FC Köln und das Stadion ist deutlich mehr gefüllt als bei einem „normalen“ Regionalligaspiel gegen die U21 der Domstädter. Somit wird ersichtlich: Die Szenerie stammt vom Testspiel gegen den 1. FC Köln am 8. Juli 2018, bei dem der WSV gegen den Bundesligisten vor 5.125 Zuschauern im Stadion am Zoo ein respektables 2:2-Unentschieden holte. Ingo erläutert: „Die Wandtapete ist eine Sonderanfertigung und aus 17 Einzelbildern des WSV-Fotografen Gunnar Frankenberg zusammengesetzt.“ Obgleich Ingo betont, dass er - neben der Gesamtkomposition des Raumes - auf die Wandtapete am meisten stolz ist, hat er bereits Pläne für eine Veränderung: „Es sind doch einige freie Plätze auf der Tribüne zu sehen. Ich hoffe auf ein Foto von einem noch volleren Stadion, vielleicht in einem Spiel gegen Rot-Weiss Essen. Dann würde ich die Tapete nochmal erneuern.“ Und während Ingo so erzählt, ist die neunzehn54-Delegation fleißig damit beschäftigt, Freunde und Bekannte auf der Fototapete wiederzuerkennen. Fast fühlt man sich, als befände man sich tatsächlich im Stadion am Zoo. Ein Eindruck, zu dem auch die vier blauen Originalsitze der Haupttribüne, die im Raum als Sitzgelegenheit zur Verfügung stehen, ihren Beitrag leisten.

Ingos WSV-Fankeller ist 25 Quadratmeter groß. Der Fußboden ist mit grünem Kunstrasen ausgelegt. An einer Raumseite, vor dem Wandbild der „Nord“, ist mit Europaletten eine kleine „Sitztribüne“ errichtet worden. Die vordere Reihe besteht aus roten und blauen Sitzkissen, dahinter ist eine Original-Sitzreihe ausrangierter blauer Kinosessel aus dem Cinema-Filmtheater installiert. Unter der Decke hängt ein Beamer. „Sitztribüne“, Beamer, gegenüber eine weiße Wand - dem Besucher erschließt sich automatisch, für welche Zwecke Ingo seinen Fankeller bevorzugt benutzt: „Hier schaue ich per Livestream alle WSV-Spiele, wenn ich mal nicht im Stadion sein kann. Ab und zu auch Topspiele aus der Bundesliga wie Dortmund gegen Bayern.“ Natürlich darf für solche Zwecke auch ein Kühlschrank nicht fehlen, in dem die erforderlichen Getränke gekühlt werden. „Der in die Wand eingelassene Kühlschrank war das erste, was gebaut wurde“, lacht Ingo. Insgesamt hat ihn der Fankeller im Jahr 2018 etwa sechs Monate Bau- und Einrichtungszeit gekostet, wobei er sich auf die Hilfe mehrerer Freunde verlassen konnte. Doch wie ist die Idee für den WSV-Fankeller entstanden? Ingo erläutert: „Ich habe durch Zufall auf Youtube ein Video von einem Schalke-Keller über zwei Etagen gesehen. Da habe ich gedacht, das könnte ich auch machen. Mein eigener Keller sah bis dahin chaotisch aus, ich hatte ihn als Abstellraum genutzt.“

Biertrinken in Badelatschen und eine volle Bustoilette

Ingo ist 52 Jahre alt und WSV-Fan seit der Zeit in der 2. Bundesliga von 1992 bis 1994. Gerade die damalige Mannschaft mit Spielern wie Ralf Voigt und Waldemar Ksienzyk, sowie Trainer Michael Lorkowski hat ihn am meisten geprägt. Der Kontakt zu Waldemar Ksienzyk ist bis heute nicht abgerissen. Mit Trainer Michael Lorkowski verbindet Ingo diverse Anekdoten, an die er sich mit einem Lachen gerne erinnert: „Lorkowski hat bei der Pressekonferenz immer gesagt: Geh mal einer in die Stadiongaststätte und hol mir mal ein großes Bier, ich will das kleine hier nicht.“ Überhaupt war die damalige Zeit mit einer Menge Spaß verbunden: „Mit Lorkowski waren wir im früheren Champain in der Poststraße. Wir haben ihm gesagt, komm doch einfach mal mit. Und dann kam er - und zwar in Badelatschen! Da wir Stammgäste waren, haben sie ihn reingelassen. Aber sie haben im Nachhinein zu uns gesagt: Macht das nie wieder.“ Als weniger spaßig empfand Ingo die Auswärtsfahrt am 12. April 1993 zur SpVgg Unterhaching: „Das war das erste und einzige Mal, dass ich mit dem Fanbus gefahren bin. Es war das schlimmste Erlebnis meines Lebens! Vor der Fahrt wurden sämtliche Bierdosen eingesammelt, aber schon auf der ersten Autobahnraststätte haben sich die Fans an einem Büdchen einfach neu eingedeckt. Ich habe gedacht, die arbeiten mit dem Büdchen zusammen!“ Die Rückreise trat man dann mit einem 0:0 im Gepäck und einer vollen Bustoilette an. „Nach der Hinfahrt war die Toilette voll. Meinst du, der hätte die vor der Rückfahrt leer gemacht? Dann bist du mit voller Toilette gefahren. Auf der Rückfahrt wurde dann erneut eine Raststätte leer geräumt. Das sah aus wie ein Überfall, richtig assi.“

An einem Kleiderständer in Ingos Fankeller hängt unter anderem ein T-Shirt aus besagter 2. Liga-Zeit, unterschrieben von den damaligen Spielern. Daneben sind insgesamt 23 Trikots an Kleiderbügeln aufgereiht. Neben dem Kleiderständer stehen zwei Vitrinen mit diversen Fanartikeln wie Schals, Fahnen, Gläsern, dem WSV-Gartenzwerg, Büchern und Stadionzeitungen. „Ich hätte gerne noch mehr Trikots, insbesondere aus den RWFK- und Finkenrath-Jahren“, sagt Ingo, dem es ansonsten schwer fällt, einen Lieblings-Fanartikel oder das eine besondere Erinnerungsstück zu benennen.

Der Stadionbesuch mit Kumpels als Antrieb

Überhaupt macht Ingo den Eindruck, seinen Lieblingsverein einfach in Gänze zu lieben, mit allen Höhen und Tiefen - und deshalb möchte er keinen Abschnitt der Vereinsgeschichte hervorheben: „Ich war immer euphorisch. Ich habe immer daran geglaubt, dass jeder das Gute für den Verein wollte, egal wer. Mittlerweile zweifle ich daran, aber das liegt nicht am WSV, sondern daran, dass der Fußball sich im Allgemeinen verändert hat. Meiner Meinung nach brauchst du, um höherklassig zu spielen, einen Milliardär, denn ein Millionär reicht auch schon nicht mehr aus. Erst ab der zweiten Liga kannst du richtiges Geld verdienen. Das alles sage ich aber unabhängig vom WSV.“ Doch wie sieht Ingo vor diesem Hintergrund die Perspektive seines Lieblingsvereins? „Der WSV wird, wenn man realistisch ist, die nächsten 15 Jahre Regionalliga spielen. Doch dies würde meinem Fanbesuch keinen Abbruch tun, denn mir geht es nicht alleine nur um den Fußball, sondern um den Spaß mit meinen Kumpels, mit denen ich ins Stadion gehe.“ Und so kann er sich kaum eine Konstellation vorstellen, in der er nicht mehr zum WSV gehen würde. „Vielleicht die Änderung der Vereinsfarben? Das wäre schwierig, denn dann müsste ich den ganzen Keller umgestalten“, lacht Ingo, „aber am Ende würde ich wahrscheinlich immer noch hingehen.“

Doch welche konkreten Projekte hat sich Ingo noch für seinen WSV-Fankeller vorgenommen? „Die Decke ist noch weiß. Ich habe 40 oder 50 Schals, die könnte ich vielleicht unter die Decke hängen“, sagt der 52-jährige, der die jüngste Entwicklung im Verein nach eigenem Bekunden sehr positiv bewertet und der Saison 2020/21 mit Optimismus entgegen sieht.

Die neunzehn54-Redaktion bedankt sich bei Ingo für die Gastfreundschaft und wünscht viele rot-blaue Jubelmomente, ob im Stadion oder über Beamer in seinem WSV-Fankeller!

Quelle: neunzehn54

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