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WSV
Donnerstag, 29.10.2020 -

Fans

„Ich habe bis jetzt noch keine Minute bereut“

Unser Stadionmagazin neunzehn54 stellt WSV-Fan Uwe Mausbeck vor

Uwe „Ole“ Mausbeck aus Bergisch Gladbach geht seit mehr als 50 Jahren zum WSV. Der heute 62-jährige erinnert sich immer noch gut an die Bilder des Sommers 1972 und den größten Vereinserfolg in rot und blau: „Nachdem der Aufstieg in die 1. Bundesliga feststand, sind wir aus der Südkurve, dem damaligen Standort der WSV-Fankurve, die Radrennbahn herunter auf das Spielfeld gelaufen. Damals gab es noch keine Zäune zum Spielfeld hin. Dann haben wir die Mannschaft um Günter Pröpper und auch Trainer Horst Buhtz auf unsere Schultern geladen und feiernd vom Rasen getragen.“

1958 im Wuppertaler Bethesda Krankenhaus geboren, verbrachte Uwe Mausbeck seine ersten Lebensjahre mit seiner Mutter bei seiner Oma Anna, die oberhalb des ehemaligen Sportplatzes Nevigeser Straße wohnte. Als sein Vater, der beruflich in Amerika war, wieder zurück nach Deutschland kam, ließ sich die Familie in Bensberg, einem heutigen Ortsteil von Bergisch Gladbach, nieder. Kurze Zeit später ging es dann noch etwas weiter auf das Land nach Moitzfeld, wo Uwe auch heute noch lebt. Dort meldete er sich in der Fußballabteilung des TuS Moitzfeld an, der er mittlerweile auch schon 55 Jahre angehört. „Ich habe immer gerne Fußball gespielt und bin auch heute noch aktiver Fußballer im Verein“, erklärt Uwe. Auf die Frage, ob er beim TuS Moitzfeld bei den Alten Herren spielt, zeigt er sich entrüstet: „Ich spiele nach wie vor in der zweiten Herrenmannschaft in der Kreisliga D, auch wenn ich auf einer Position bin, wo ich nicht mehr so viel laufen muss - als Torwart nämlich.“

Als Torhüter Manni Müller sich gar nicht mehr beruhigen konnte

Auf seine schönsten WSV-Erlebnisse angesprochen, hätte jetzt jeder erwartet, dass er ein Spiel aus der Bundesligazeit zwischen 1972 und 1975 aufführt, wie das 3:1 gegen den FC Bayern München im Abstiegsjahr oder das 1:1 gegen Beckenbauer, Hoeneß, Breitner, Müller und Co. im Oktober 1972 vor 40.000 Zuschauern im Stadion am Zoo. Doch falsch gedacht: „Das Schönste war immer, dass ich zunächst mit der Straßenbahn nach Deutz und dann von dort aus weiter mit dem Zug nach Wuppertal zu meiner Oma gefahren bin, wo ich am Wochenende oft übernachtet habe, sie mir Geld für die Eintrittskarte gab und ich dann zu den WSV-Spielen gegangen bin“, erinnert er sich. Ins Stadion am Zoo ging es damals wie heute zumeist mit seinem Onkel Ulrich, der gar nicht so viel älter ist als Uwe selbst. Jedoch hat Onkel Ulrich einen Makel, der diesem bis heute immer und immer wieder schmunzelnd von Uwe aufs Brot geschmiert wird: „Der lebt im falschen Stadtteil von Wuppertal - in Barmen!“. Zu Hause in Moitzfeld waren sie drei Kinder - zwei Jungs und ein Mädchen. Ob die beiden Geschwister auch von der Leidenschaft für Rot-Blau angesteckt waren, wollen wir wissen: „Mein Bruder hat mit Fußball nichts am Hut, aber meine drei Jahre jüngere Schwester Ulrike war und ist auch oft dabei und wenn wir telefonieren, sprechen wir auch immer über den WSV.“ Kommen wir zurück auf seine Erinnerungen an seine schönsten Erlebnisse mit dem WSV: „In der Regionalliga West waren die Ecken von Dieter Lömm sehr gefährlich. Bevor er diese hereintrat, rief die ganze Fankurve schon ‚Ecke-Tor‘, da diese sehr oft von Günter Pröpper im Hereinlaufen zu Toren abgeschlossen wurden“, zeigt sich Uwe auch heute, über 50 Jahre danach, begeistert. „Sehr beeindruckend war in der Aufstiegssaison 1971/72, dass Günter Pröpper in der damaligen Regionalliga West, immerhin die zweithöchste Spielklasse in Deutschland, über 50 Pflichtspieltreffer erzielt hat und damit deutlich vor dem Bomber der Nation, Gerd Müller, lag. Besonders einprägsam ist ihm aber nicht etwa die ungeschlagene Aufstiegsrunde mit acht Siegen aus acht Spielen in Erinnerung, sondern das letzte Meisterschaftsspiel der Regionalliga West am 34. Spieltag zu Hause gegen den DJK Gütersloh: „Der WSV spielte Gütersloh mit 7:1 in Grund und Boden und was macht Torhüter Manni Müller? Der ärgerte sich schwarz über das Gegentor und konnte sich gar nicht mehr beruhigen“, bewundert der 62-jährige auch heute noch diesen Ehrgeiz.

In Wuppertaler Kneipen wurde Geld für den WSV gesammelt

Die Fankurve ist ihm auch im fortgeschrittenen Alter lieb. Zwar wurden im Laufe der Jahrzehnte die Spielbesuche im Stadion am Zoo weniger, während Uwe eine Südkurven-Dauerkarte seines Bundesliga-Lieblingsvereins 1. FC Köln erwarb, doch den WSV verfolgte er auch mit etwas Abstand immer. „Heute habe ich wieder zwei Dauerkarten für die Stehplätze. Am liebsten stehe und singe ich mit unseren Anhängern auf der Nord“, hofft er darauf, dass die andauernde Corona-Lage Besuche hinter dem Tor bald wieder zulässt. Als der WSV im Sommer zum zweiten Mal nach 2013 Insolvenz anmelden musste, sprach er mit Schwester Ulrike darüber, wie er dem WSV helfen könne. „Ich habe dann spontan auf der Geschäftsstelle angerufen, mich am nächsten Tag in den Zug gesetzt, mit Daniel Grebe im Stadion getroffen und einen Sponsorenvertrag als Privatperson unterschrieben. Ich habe dies bis jetzt noch keine Minute bereut“, so der Moitzfelder. Auch in früheren Jahrzehnten sah es beim WSV finanziell nicht immer rosig aus: „Als es dem Verein in den 1970er Jahren nicht gut ging, sind die WSV-Anhänger durch die Wuppertaler Kneipen gezogen und haben Geld für den Verein gesammelt. Ich selbst habe auf der Geschäftsstelle mit Tränen in den Augen für 5 Mark einen WSV-Aufkleber gekauft, der eigentlich 3 Mark kosten sollte, der Rest war für die Kasse“, erinnert er sich. Auch bei seinem Heimatverein TuS Moitzfeld engagiert sich Mausbeck seit Jahrzehnten. „Dort habe ich immer unterstützt und auch verschiedene Funktionen ausgeübt, bis September war ich Abteilungsleiter Senioren Fußball, doch jetzt trete ich etwas kürzer. Unser größter Erfolg ist, dass wir seit drei Jahren als kleiner Dorfverein einen Kunstrasen haben“, so Uwe weiter. Somit bleibt künftig auch mehr Zeit für Spielbesuche am Zoo, die früher etwas zu kurz kamen. „Über meine Dauerkarte beim 1. FC Köln freut sich jetzt ein Jugendspieler aus Moitzfeld.“ Beruflich ist er noch als Vertriebsingenieur bei EMITEC, Weltmarktführer auf dem Sektor Metallträger für Abgas-Katalysatoren und metallische Dieselpartikelfilter für Kraftfahrzeuge und mobile Maschinen, einem Zuliefererbetrieb der Automobilindustrie mit Standort in Lohmar, tätig. „Dort haben wir die Corona-Krise bislang zum Glück gut überstanden und langsam geht es wieder aufwärts“, blickt er auch hier hoffnungsvoll in die Zukunft.

Seine zweite große Leidenschaft neben dem Fußball ist der Rallye-Rennsport. Uwe lachend: „Das ist der richtige Motorrennsport und man fährt nicht immer nur im Kreis.“ Bei Toyota und Peugeot war er sogar einige Zeit als Beifahrer bei einem Werksfahrerteam aktiv.

Und plötzlich steht Günter Pröpper vor ihm

An einem warmen Spätsommerabend im September 2020 ist Preußen Münster zu Gast im Stadion am Zoo. Seinen Platz auf der Nord kann Uwe Mausbeck coronabedingt nicht einnehmen, sitzt aber auf der Haupttribüne im Stadion am Zoo und feuert die Rot-Blauen an. Seinen Glücksbringer hat er allerdings behütet zu Hause gelassen: „Das ist der selbstgestrickte Schal, den mir meine Schwester Ulrike vor fast 50 Jahren geschenkt hat. Den hüte ich ganz besonders, kann man so etwas doch nicht noch einmal wiederbekommen oder kaufen.“ Auf dem Weg zum Tribünenaufgang passiert Uwe den Stadionvorplatz, als WSV-Legende Günter Pröpper seinen Weg kreuzt. Beide fachsimpeln kurz über alte Zeiten und die aktuelle Situation des WSV, machen ein gemeinsames Bild, ehe sich ihre Wege wieder trennen und Uwe glückselig weiter zu seinem Platz geht. Zu Pröpper fällt ihm dann doch noch etwas ein: „Mein Onkel Ulrich, mit Familiennamen Schöpp, machte eine Ausbildung bei der Stadt Wuppertal und saß dann eine Zeit lang mit Günter Pröpper zusammen im Büro.“ Und wieder einmal merkt man, dass Fußball beim WSV mehr ist als elf Spieler auf dem Rasen oder das nackte Ergebnis.

Zum Abschluss wollen wir aber noch wissen, warum Uwe von allen nur „Ole“ gerufen wird: „Damals auf dem Fußballplatz war ich nicht so gut wie mein Namensvetter Uwe Seeler vom Hamburger SV, dort gab es aber mit Ole Björnmose einen dänischen Nationalspieler: Enorm kampfstark und technisch beschlagen, wurde er im Volksparkstadion zu einem echten Publikumsliebling. Seiner Spielweise kam ich wohl am nächsten“, muss Uwe schmunzeln.

In guten wie in schlechten Zeiten! Nur der WSV!!!

Quelle: neunzehn54

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