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WSV
Freitag, 26.02.2021 -

Fans

Thorsten Finger gibt das letzte Hemd

Hintergrund: WSV-Spielerpatenschaft

Seit vielen Jahren begleitet der kürzlich komplett erblindete Thorsten Finger den WSV. Im Rahmen der Crowdfunding-Aktion vor zwei Jahren unterstützte er den Verein erstmals mit einem großen Betrag finanziell. In diesem Sommer hat er wieder einen symbolischen Betrag gegeben, den er mit einem Appell an uns alle verbindet.

Vor zwei Jahren löste Thorsten seine Altersvorsorgen auf, um dabei mitzuhelfen, den WSV am Leben zu halten: „Ich laufe seitdem praktisch splitternackt durch die Gegend. Es ist ja nicht so, dass ich viel Geld habe. Ich habe von dem Rest, den ich zur Verfügung hatte, damals quasi alles gegeben.“ Die Insolvenz war letztlich nicht zu vermeiden, doch den WSV gibt es noch. Dazu hat Thorsten mit seinem Geld beigetragen, das er jetzt größtenteils verloren hat. Gewünscht hatte er sich vor allem, dass weitere Unterstützer seinem selbstlosen Engagement folgen würden: „Ich hatte eigentlich darauf gehofft, dass mehr Menschen und Firmen aus Wuppertal das Portemonnaie aufmachen.“

Obwohl dieser Wunsch bisher nur bedingt in Erfüllung gegangen ist, ist ihm die Dankbarkeit von Daniel Grebe, der ebenfalls ständig auf der Suche nach Sponsoren ist, sicher: „Wir sind ihm alle sehr für sein Sponsoring und seine dauerhafte Unterstützung dankbar. Er ist ein sehr positiver Typ und stellt sein persönliches Schicksal ganz klar hinten an. Er ist jemand, der wirklich etwas macht und nicht nur erzählt. Das ist beeindruckend!“

„Nicht quatschen, sondern tun - jeder einzelne kann den Verein unterstützen“

Deshalb startete Thorsten im Sommer einen neuen Anlauf, mit dem er erneut ein Zeichen setzen will: „Ich möchte mit gutem Beispiel vorangehen, Brücken bauen und positive Zeichen setzen. Ich möchte zeigen, dass man immer etwas machen kann. Obwohl ich seit Anfang Februar endgültig komplett erblindet und in vielen praktischen Dingen auf Hilfe angewiesen bin, schlägt mein rot-blaues Herz unentwegt weiter.“ Diesmal nennt er seinen Beitrag in Höhe von 1.954 € netto nur „symbolisch“, bestätigt aber auf Nachfrage, dass auch dieser Betrag „für jemanden, der an der Grasnarbe lebt, natürlich viel Geld ist.“

Aber Finger geht es um seine Botschaft, die er in den Verein und in die Stadt tragen möchte: „Nicht quatschen, sondern tun - jeder einzelne kann den Verein unterstützen!“ Dabei ist es ihm egal, ob 19,54 € oder die ganz großen Beträge gegeben werden: „Kleinvieh macht auch Mist! Man braucht nur Rot-Weiss Essen ansehen. Die haben, glaube ich, hunderte Kleinsponsoren und jetzt als Corona-Aktion über 5.000 Dauerkarten verkauft.“ In unserem Verein vermisst er hingegen nach wie vor diese Bereitschaft: „Beim Wuppertaler SV wird nur genörgelt und gemeckert, jeder gegen jeden, aber passieren tut dann nichts. Das ist aber, glaube ich, auch ein Problem in der Stadt und dagegen möchte ich gerne mit positiver Energie ansteuern.“

„Da kann man nur den Hut ziehen und das größtmöglich ehren“

Trotz aller Sorge um den Verein ist der 52-jährige natürlich immer noch glühender Fan und tauscht sich regelmäßig mit Tjorben Uphoff und Daniel Nesseler aus, für die er sich durch seinen Beitrag letzte Saison eine Spielerpatenschaft gesichert hatte. Gianluca Marzullo, mit dem er sich immer „bombe“ verstanden hat, gehörte auch zu seinen Paten. Besonders gerne diskutierte er nach den Spielen - bei denen er immer von WSV-Fan Stefan begleitet wird - mit dem Kapitän, der sein Engagement zu schätzen weiß: „Der Thorsten ist sehr, sehr eng mit dem WSV verbunden und hat den WSV mit viel Geld unterstützt. Da kann man nur den Hut ziehen und das größtmöglich ehren. Ihm steht der WSV sehr nahe. Vor Corona war er bei fast allen Heimspielen und wir haben uns nach den Spielen oft im VIP-Raum ausgetauscht. Man glaubt gar nicht, wie viel er trotz seiner Erkrankung vom Spiel und von einzelnen Szenen mitbekommt. Bei kritischen Szenen gibt er gerne seine Meinung ab und möchte meine Einschätzung wissen. Seine Einsatzbereitschaft, dem WSV zu helfen, obwohl er selbst nicht in der günstigsten Lage ist, ist schon beeindruckend. Das kann man eigentlich von niemandem erwarten.“

So sieht es auch Daniel Nesseler: „Thorsten und ich tauschen uns regelmäßig aus. Er hat mir viel von seiner Situation und seinem außergewöhnlichen Lebensweg erzählt. Obwohl er selbst genügend Probleme hat, er ist ja vor ein paar Wochen komplett erblindet, hat er mir während meiner Verletzung immer wieder geschrieben und gefragt, wie es mir geht. Was der Thorsten für den Verein leistet, ist schon unmenschlich, das muss man einfach so sagen. Wir können ihm nur für seinen Support danken. Gerade im Fußball geht es für viele nur ums Geld. Seine Interessen mal hintenan zu stellen fällt vielen schwer. Als ich gehört habe, was der Thorsten, obwohl er keine großartigen Einkünfte hat, dem Verein gibt, war ich verblüfft. Das ist schon was, Hut ab! Ich wünsche ihm und seinem Hund alles Gute und drücke ihm immer alle Daumen.“

Quelle: neunzehn54

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