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Mittwoch, 17.11.2021 -

Fans

Fußballkulturtage NRW 2021

Unser Stadionmagazin neunzehn54 berichtet von den Fußballkulturtagen NRW 2021

In der Länderspielpause fanden traditionell vom 3. bis 15. Oktober 2021 zum sechsten Mal die Fußballkulturtage NRW, organisiert von den Fanprojekten NRW und der LAG der Fanprojekte, statt. Unter den über 30 Veranstaltungen gab es Stadtrundgänge mit Fußballbezug, Ausstellungen, Lesungen, Filmvorführungen, Diskussionen und Quizabende. Drei Veranstaltungen fanden in Wuppertal statt.

Fankultur in Indonesien

Auch unter den über 270 Millionen Indonesierinnen und Indonesiern, die mehr als 6.000 Inseln bewohnen, ist Fußball die Sportart Nummer 1. Am 10. Oktober berichtete Andrin Brändle in einem Vortrag über die Fankultur des Landes. Der Groundhopper und Anhänger des FC St. Gallen hatte die Ultras der „Brigata Curva Sud“, die den PSS Selman von der Insel Java unterstüzen, drei Monate lang begleitet. Die zwanzig Zuhörer erfuhren, dass der Eintritt zu einem Spiel nur 1-2 Euro kostet, bei einem Durchschnittsverdienst von 140 Euro aber trotzdem nicht für alle erschwinglich ist. Erschwert wird das Ganze durch die extremen Distanzen, berichtet Lutz, der vom Vortrag begeistert war: „In Deutschland fahren die Leute vielleicht maximal 900 km zu einem Auswärtsspiel. Die Fans dort fahren 3.000 bis 5.000 km weit. Diese Bustouren gehen teilweise über 30 Stunden und durch Regionen, in denen die Fans Angst haben müssen, überfallen zu werden. Es ist unvorstellbar, was dort gegenüber hier abläuft.“ Aus diesem Grund wird zu einem Auswärtsspiel pro Saison eine Mottofahrt organisiert: „Da versuchen dann alle hinzufahren, weil es ansonsten viel, viel zu teuer ist. Viele Fans haben keinen festen Job, sondern sind Tagelöhner.“ Trotz alledem ist die Stimmung in den Stadien hervorragend: „Es hat mich begeistert, wie dort mit ganz geringen Mitteln tolle Sachen gemacht werden. Die Choreos werden überhaupt nicht abgesprochen, aber wenn einer eine Idee hat, bekommen alle eine Fahne in die Hand, wissen was sie machen müssen und machen mit.“ Problematisiert wurde jedoch auch die Gewalt im indonesischen Fußball: „Die Situation dort ist überhaupt nicht mit der in Deutschland vergleichbar. Da geht es wirklich teilweise um Leben und Tod. Die Polizei mischt sich wohl auch nicht ein.“

Erinnerungsorte Wuppertal

Am Montag darauf fand eine von Fanprojektmitarbeiterin Isabel Hohmann geleitete Tour mit 12 Teilnehmern zu verschiedenen Orten in Wuppertal statt, die einen Bezug zum Fußball haben, aber auch mit Verbrechen des Nationalsozialismus in Zusammenhang stehen. Gestartet wurde im Stadion am Zoo, in dem Hitler 1932 vor bis zu 50.000 Zuhörern sprach. Auf dem Weg wurde außerdem bei Bayer, am Kaufhof und an der alten Synagoge Station gemacht. Die Tour, an deren Vorbereitung auch Mitglieder der Fanszene mitgewirkt hatten, endete im Fanprojekt in der Wiesenstraße. Von den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern, die dort die Gold-Zack Gummibänder herstellten, wurden 25 verhaftet und im Gewerkschaftsprozess zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Workers Cup

Den Abschluss bildete am Donnerstag, den 14. Oktober, ein Filmabend, der in Kooperation mit Utopiastadt im Hutmacher im Mirker Bahnhof an der Nordbahntrasse stattfand. Dort sahen 20 Zuschauer die Dokumentation „The Workers Cup“, die die Situation der Arbeitsmigranten, die am Bau der Stadien für die Weltmeisterschaft 2022 in Katar beteiligt sind, thematisiert. Für niedrigste Gehälter und unter miserablen Arbeitsbedingungen arbeiten Menschen aus den ärmsten Ländern der Welt im wohlhabenden Katar. Für Tausende von ihnen endet der Stadionbau mit dem Tod. Der Workers Cup war ein Fußballturnier, an dem die Arbeiter der verschiedenen Baufirmen teilnahmen und der vom WM-Organisationskomitee Katars gesponsert wurde. Der Film begleitet eine Gruppe junger Männer, die am Turnier teilnahmen, und versucht, den Arbeitern eine Stimme zu geben. Die Männer leben mit 4.000 anderen abgeschirmt in einem Lager außerhalb der Stadt - im Film erzählen sie ihre eigene Geschichte. Auf dem Fußballfeld wurden sie für kurze Zeit zu Helden, außerhalb des Platzes gehören sie weiterhin zum untersten Teil der Gesellschaft.

Mehr zum Thema: www.fussballkulturtage-nrw.de

Quelle: neunzehn54

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