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Sonntag, 25.08.2019 -

Interview

Andreas Zimmermann im Interview

Vor dem Heimspiel gegen die U21 des 1. FC Köln sprach die neunzehn54-Redaktion mit Cheftrainer Andreas Zimmermann u.a. über den Pflichtspielauftakt in Meisterschaft und Pokal, die Unterschiede zwischen den Regionalligen West und Nordost, seine Erinnerungen an frühere Gastspiele im Stadion am Zoo als Trainer und Spieler anderer Vereine, sowie die Verzahnung von U17, U19 und der Regionalligamannschaft.

Nachfolgend noch einmal das komplette Interview zum Nachlesen:


LÖWENBANDE

Im Gespräch mit Cheftrainer Andreas Zimmermann


„Was wir uns alle erhofft und erträumt haben, ist wahr geworden!“


Andreas, blicken wir noch einmal auf den Regionalligastart gegen Alemannia Aachen zurück. Ein Start fast wie gemalt?

Was wir uns alle erhofft und erträumt haben, auf was wir sechs Wochen knüppelhart hingearbeitet haben, das ist letztendlich wahr geworden. Es war richtig geil für die Jungs und für alle Fans, die im Stadion waren. Vor dem ersten Spiel weiß man ja nie, wo man steht. Auch für mich als Trainer war es richtig, richtig geil, wenn du viele Dinge ansprichst, viele Dinge trainierst und diese schon im ersten Spiel teilweise so beeindruckend umgesetzt werden. Gerade die Ecke, die zum 2:1 führte, haben wir in der gesamten Vorbereitung versucht so einzustudieren, was aber nie geklappt hat... Dass dies dann im ersten Punktspiel zum Siegtreffer führt, ist einfach überragend. Jetzt müssen wir weiter daran arbeiten und anknüpfen. Vielleicht wird es durch solch einen Auftritt auch für Horst Willich und Alexander Eichner etwas einfacher, noch den einen oder anderen Sponsor für uns zu gewinnen und die eine oder andere Dauerkarte mehr zu verkaufen.


Danach folgte im Stadion am Zoo der Auftakt im Niederrheinpokal gegen den Landesligisten VfR Krefeld-Fischeln. War das die Pflicht nach der Kür gegen Aachen?

Auf der einen Seite Pflicht, dass wir eine Runde weitergekommen sind, weil wir uns auf die Fahne geschrieben haben, unabhängig vom Gegner so weit wie möglich, mindestens bis ins Halbfinale, zu kommen. Ich habe die Jungs vorher eingeschworen wie gegen Aachen. Es hätte natürlich das eine oder andere Tor mehr fallen sollen, letztendlich muss man auch schauen, wer bei uns alles gespielt hat. Nick Osygus hat es in seinem ersten Pflichtspieleinsatz bei den Senioren zum Beispiel sehr, sehr gut gemacht. Die Truppe ist richtig, richtig geil und hat sich den Schulterschluss mit unseren Fans verdient. Eine solche Stimmung wie am Pokalabend habe ich im Niederrheinpokal bislang selten bis gar nicht erlebt. Letztendlich war es auch eine Kür, da wir uns auch spielerisch weiterentwickeln wollen. Am liebsten würden wir natürlich am Ende der Pokalsaison das Ding in den Händen halten, auch wenn es mit Duisburg, Uerdingen oder wem auch immer als kommendem Gegner sehr schwer werden wird. Da muss man auch ein wenig Losglück haben.


Von 2014 bis 2016 warst du zuletzt in der Regionalliga West bei RW Oberhausen Cheftrainer. Wie hast du nach 2016 die Regionalliga West verfolgt?

Ich habe viele Spiele in der Regionalliga West gesehen, auch hier im Stadion am Zoo. Denn ich weiß, dass hier gute Stimmung ist, normalerweise guter Fußball gespielt wird und man hier gut beobachten kann. Ich war in vielen Stadien unterwegs gewesen, in der letzten Saison natürlich weniger hier im Westen. Aber es gibt ja auch Plattformen, wo man sich Spiele ansehen kann und da habe ich mir natürlich auch einige angeschaut. Beim Pokalfinale gegen Uerdingen hat man selbst im Fernsehen miterleben können, was hier für eine gute Stimmung herrschen kann.


Mit der VSG Altglienicke hast du letztes Jahr eine Mannschaft aus der Regionalliga Nordost trainiert. 2013 auch schon einmal den FC Carl Zeiss Jena. Welche Unterschiede zwischen den beiden Regionalligen gibt es aus deiner Sicht?

Da gibt es auf jeden Fall Unterschiede. Hier in der Regionalliga West wird eindeutig der attraktivste Fußball gespielt, ganz klar. Im Nordosten ist es so, dass dort mehr Wert auf den körperlichen, athletischen Bereich gelegt wird, was man auch in den Spielen sieht. Und das versuchen wir zu vereinen. Karsten Hutwelker und ich wollen auf der einen Seite attraktiven Fußball spielen, aber auch die Athletik und Power aus der Regionalliga Nordost mit herüberbringen. Und von genau dieser Mischung erhoffen wir uns, dass sie erfolgreich ist.


„Egal was ist, egal was war, Wuppertal mache ich!“


Als Trainer warst du in einem Pflichtspiel 2016 im Halbfinale des Niederrheinpokals mit RWO im Stadion am Zoo. Welche Erinnerungen hast du an diese Begegnung?

Sportlich als damaliger Trainer von RWO nicht so schöne. Wir haben 1:0 geführt und danach noch zwei hundertprozentige Chancen, bei denen wir alleine auf Sebastian Wickl zulaufen und sie nicht machen. Und letztendlich scheiden wir dann bitter im Elfmeterschießen aus. Was bei mir aber vom damaligen Spiel hängen geblieben ist: Trotz Rückstand ist der Support von den Rängen unten auf dem Feld angekommen. Das Gefühl, niemals aufzugeben - und das habe ich auch als Trainer der gegnerischen Mannschaft gespürt. Der Funke ist übergesprungen und dadurch hat der WSV das 1:1 gemacht und dann das Elfmeterschießen gewonnen. Im ersten Gespräch jetzt mit Karsten Hutwelker habe ich gesagt: Egal was ist, egal was war, Wuppertal mache ich!


Im Frühjahr 1997 bist du mal als Spieler mit dem LR Ahlen beim WSV im Stadion am Zoo angetreten und in der 90. Minute mit der Ampelkarte vom Platz geflogen. Der WSV konnte mit dem anschließenden Handelfmeter noch zum 2:2 ausgleichen. Daran erinnerst du dich sicherlich nicht, oder?

Doch, daran erinnere ich mich noch voll und ganz (lacht). Das war ein Handspiel von mir. Wieso, weshalb, warum, weiß ich gar nicht. Das war ein Reflex. Wir führten 2:1 und bekommen dann durch diesen Elfmeter das 2:2. Als ich anschließend runtergegangen bin, habe ich eine Riesenstandpauke von unserem damaligen Präsidenten, Helmut Spikker, in der Gästekabine bekommen. Das bleibt hängen. Und daran wächst man auch. In dem Moment war es ein Fehler gewesen, aber danach sind wir aufgestiegen in die 2. Liga und für mich ist es dann auch positiv gelaufen.


Wie gefällt dir das Stadion am Zoo?

Also, schon jetzt muss ich ganz klar sagen, dass das ein Stadion ist, was nicht die vierte Liga verdient hat. Das ist eine klare Geschichte. Aber da sind wir nun mal. Es ist ein Stadion, in dem man Fußballspielen kann, das sage ich auch den Jungs. Sie müssen stolz sein, in einem solch ehrwürdigen Stadion auflaufen zu dürfen. Da kriege ich immer Gänsehaut, weil ich auch ein Stück weit traditionalistisch und nostalgisch in solchen Geschichten bin. Was vielleicht irgendwann mal mit Stadionumbau und darüber hinaus passiert, muss man sehen. Das ist aber Zukunft: Stand jetzt ist es ein super Stadion, in dem immer was rüberkommt, wenn man herfährt. Auch als Gast macht es Spaß, hier Fußball zu spielen. Wir wollen es aber natürlich so hinbekommen, dass die Gäste keinen Spaß haben werden.


„Beim Lehrgang zum Fußballlehrer lernt man den Fußball noch einmal neu kennen“


Im März 2011 hast du erfolgreich den Fußballlehrer bestanden. Wie wichtig war diese Zeit der Ausbildung für dich?

Enorm wichtig. Man merkt es erst, wenn man dabei ist bzw. die Lehre abgeschlossen und alle Trainerlizenzen hat. Beim Lehrgang zum Fußballlehrer lernt man den Fußball noch einmal neu und noch detaillierter kennen - wie man ihn als Spieler oder mit dem A-Schein noch nicht so gesehen hat. Für mich persönlich fand ich es sehr wichtig. Nicht nur die Kontakte und Netzwerke, die dadurch entstehen, sondern auch den Austausch untereinander und die detaillierte Arbeit, egal ob es Trainingswissenschaft war oder Sportmedizin mit allem was dazugehört. Man entwickelt sich noch mal weiter. Für mich war wichtig, dass ich es durchziehe, wenn ich etwas anfange. Es ist eben der höchste Schein: Fußball-Lehrer bzw. UEFA Pro Lizenz. Bis dahin wollte ich es durchziehen, das war für mich ganz klar.


Welche Ziele hast du dir gesetzt, als du dann die Fußballlehrer-Lizenz in der Tasche hattest?

So einen Karriereplan wie viele andere habe ich nie gehabt. Natürlich möchte man immer das Höchstmögliche erreichen, gar keine Frage. Nach meiner Fußball-Lehrer-Lizenz habe ich beim FC Ingolstadt in der U19 gearbeitet und dort das Jugendleistungszentrum aufgebaut, damit wir auch den Stern bekommen als Nachwuchsleistungszentrum. Für mich ist es wichtig, dass man mit der Jugend eng zusammenarbeitet und verzahnt ist. Genauso wollen wir das auch hier in Wuppertal machen, das ist ein ganz wichtiger Punkt für mich. Deshalb passt es auch gut, dass Pascal Bieler mein Co-Trainer bei der ersten Mannschaft ist, er die U19 in der Bundesliga trainiert und Axel Kilz die U17 in der Bundesliga hat. Dass wir mit den beiden Mannschaften jetzt in der Bundesliga spielen, ist optimal. Die Verzahnung ist mir ganz, ganz wichtig. Das sieht man jetzt auch an Mike Osenberg, Nick Osygus oder Yusa Alabas. Ich arbeite gerne mit jungen Spielern. Jetzt muss man aber auch einen roten Faden entwickeln - als Trainerteam, als Cheftrainer, als Sportliche Leitung, als Trainer der U19 und U17 - damit wir komplett gleich spielen. Mit Pascal Bieler habe ich schon ein Gespräch darüber geführt, das werden wir ausarbeiten und verfeinern.  

 

Vielen Dank für das interessante Gespräch, Andreas!

Und der Wuppertaler SV bedankt sich beim gesamtem Team vom Stadionmagazin neunzehn54!


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