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Mittwoch, 16.09.2020 -

Regionalliga West

Im Gespräch mit Oliver Fink (Fortuna Düsseldorf U23)

„Ich habe das Gefühl, dass es in der Regionalliga ein bisschen geerdeter ist und es nur um den Sport geht“

Die „Zwote“ von Fortuna Düsseldorf schloss die letzte Saison nach 22 Spielen auf Platz 11 ab. Damit hielt sich die Mannschaft, im Gegensatz zu den Vorjahren, aus dem direkten Abstiegskampf heraus. Mit Kevin Hagemann, dem vier Tore gelangen, und Tim Corsten, der aus der A-Jugend aufrückte, stehen zwei ehemalige WSVer im Team von Trainer Nicolas Michaty.

Für Ausgabe 1 des WSV-Stadionmagazins sprach die neunzehn54-Redaktion in der Vorbereitung mit dem Düsseldorfer Urgestein Oliver Fink, in den vergangen elf Jahren Teil der ersten Mannschaft, über seine neue Aufgabe im Nachwuchsteam und die Unterschiede zwischen Bundesliga- und Regionalligafußball.

Hallo Oliver, wie bist du in die Mannschaft aufgenommen worden und wie läuft das Trainingslager bisher?

Beides sehr positiv, weil die Mannschaft wirklich unkompliziert ist. Es sind viele junge Spieler dabei, aber auch ein paar ältere. Ich finde, die Mischung passt ganz gut. Ich bin wirklich glücklich, in der Mannschaft zu sein, weil du merkst, dass die Jungs mitziehen und was erreichen wollen. Du merkst, dass es da um Fußball geht, jeder mit Leidenschaft bei der Sache ist und sich weiterentwickeln will.

Habt ihr sehr mit den Temperaturen zu kämpfen?

Ja, wie alle anderen. Ich habe ein bisschen runterschrauben müssen. Wir sind diese Woche in Duisburg in der Sportschule, aber die Temperaturen sind ja hier gleich. Die Trainingsbelastung wird natürlich umso größer, je wärmer es wird. Es ist keiner dabei, der irgendwie rummeckert. Wir versuchen, das Beste daraus zu machen. Ich hoffe, dass sich das dann auch in den Spielen widerspiegelt und wir konditionell auf der Höhe sind.

Was macht für dich nach fast 20 Jahren als Profi den Reiz aus, noch mal Regionalliga zu spielen?

Weil es wirklich nur um Fußball geht - habe ich das Gefühl. Es ist ja mehr oder weniger die erste Profiliga, aber du hast trotzdem noch die Verbindung zu dem Grund, warum ich früher mit dem Fußballspielen angefangen haben. Es geht darum, mit den Jungs auf die Wiese zu gehen und dem Ball hinterherzujagen - ohne das ganze Drumherum. Ich meine, im Fußball ist das ganze Business an sich schon relativ aufgebläht. Der Fußball hat einen enormen Stellenwert in der Gesellschaft und auch medial geht immer was ab. Da habe ich das Gefühl, dass das in der Regionalliga ein bisschen geerdeter ist und es nur um den Sport geht.

Schade, dass dann jetzt erst mal die Geisterspiele bzw. Spiele mit weniger Zuschauern sind.

Ja, das ist wirklich schade. Für mich schließt sich ein bisschen der Kreis, weil mein erstes Seniorenjahr beim SSV Jahn Regensburg damals auch in der fünften Liga war und ich über die Amateurmannschaft nach oben gekommen bin. Deswegen wollte ich das Ganze noch mal erleben, so wie das damals war. Nicht nur die großen Stadien, wie bei euch oder in Aachen oder Essen, wo du so eine richtig tolle Atmosphäre hast, sondern auch andere Vereine, bei denen teilweise noch eine Kampfbahn außen drum herum geht. Da bin ich groß geworden. Von daher wollte ich das Gefühl noch mal erleben, so etwas zu sehen. Das steht und fällt natürlich mit den Emotionen und den Zuschauern. Das ist hoffentlich bald wieder möglich.

Welche Rolle siehst du denn für dich in der Mannschaft?

Erst mal einfach die Rolle des Spielers. Das ist der Job, der mir eigentlich am meisten Spaß macht und auch am meisten gegeben hat. Jetzt bin ich dankbar, dass ich den einfach noch mal fortsetzen kann. In zweiter Instanz kommt natürlich dazu, dass ich versuche, die jungen Spieler ein bisschen an die Hand zu nehmen und sie auch weiterzuentwickeln. Das dann eher im subtileren Rahmen als jetzt oberlehrerhaft irgendwelche Sachen zu erklären. Ich versuche, Vorbild zu sein und zu vermitteln, was wichtig ist im Profifußball, um vielleicht auch nach oben zu kommen. Ansonsten bin ich in erster Linie Spieler.

Du hast mal gesagt, Einstellung, Disziplin und Verzicht wären wichtig. Das hört sich aber ganz schön unangenehm an.

Ja gut, für jeden, der in seinem Leben etwas erreichen will - also unabhängig vom Fußball - sind ja Tugenden, wie Disziplin, Fleiß und Herzblut wichtig. Wenn du die an den Tag legst, dann bist du schon mal vorne mit dabei. Und wenn dann noch ein bisschen Talent und ein wenig Glück dazukommen, kann man, glaube ich, ein bisschen mehr erreichen. Als Fußballer hast du natürlich super Arbeitszeiten, einen gesellschaftlich anerkannten Beruf und wirst gut bezahlt. Je höher du rauf gehst, auch wenn das nur die Spitze des Eisbergs ist, verdienen die Leute Millionen. Ich hoffe, den meisten ist bewusst, dass man für die Beträge, die du im Fußball verdienen kannst, eigentlich einen akademischen Titel brauchst. Da sprechen wir dann natürlich wieder über die gleichen Voraussetzungen wie Disziplin und Verzicht und dem Ganzen, was da so dazugehört.

Ist es heute schwieriger als früher, den Weg über die zweite Mannschaft in den Profifußball zu gehen?

Schwer einzuschätzen. Es ist ja eine ganz andere Zeit. Ich glaube, dass die jungen Leute heute mit den Nachwuchsleistungszentren einen kleinen Vorteil haben. Früher stand das Scouting einfach noch nicht so im Fokus. Da warst du vielleicht zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hast dann, wie in meinem Fall, das Glück, dass dich ein Trainer mit hochgenommen hat. Heute durchläufst du die ganzen U-Mannschaften und lernst jedes Jahr etwas dazu. Ich glaube aber, dass der Sprung dann schon noch groß ist, vor allem wenn du von der Regionalliga in die Bundesliga springen musst. Deswegen ist der Weg zur Profimannschaft in der zweiten Liga jetzt vielleicht ein bisschen kürzer. Ansonsten geht es dennoch um die gleiche Sache. Aber ich habe schon das Gefühl, dass vermehrt Vereine versuchen, auf die eigenen Leute zu bauen.

Das Niveau der Gegner, aber auch deiner eigenen Mitspieler, ist jetzt niedriger als in der Bundesliga. Inwieweit ist die kommende Saison für dich auch eine sportliche Herausforderung?

Ach, das würde ich so gar nicht mal sagen. Die Jungs aus der Regionalliga haben ja auch bei uns oben mittrainiert. Klar merkst du dann in der einen oder anderen Situation eine kleine Lücke oder einen Erfahrungsvorsprung, den der Profi hat. Aber die Regionalliga ist für mich die erste Profiliga. Da geht es darum, dass Leute mit dem Sport Geld verdienen und sich dementsprechend vorbereiten. Bei dem, was läuferisch und athletisch mittlerweile geleistet wird, ist der Sprung zur Bundesliga, glaube ich, nicht mehr so groß. Man hat ja auch in den letzten Jahren im DFB-Pokal immer wieder gesehen, dass sich die Großen wirklich, wirklich schwertun. Von daher geht es für mich sportlich darum, gesund und fit zu bleiben, Spaß am Spiel zu haben und das dann auch zu vermitteln.

Was habt ihr euch denn sportlich für die neue Saison vorgenommen?

Das ist wirklich sehr, sehr schwer einzuschätzen. Aufgrund der Corona-Situation haben, glaube ich, nicht alle Vereine die gleichen Voraussetzungen was die Trainingssteuerung betrifft. Ich kann nur sagen, dass ich von unserer Mannschaft ein gutes Bild habe, wir aber auch noch viel Arbeit vor uns haben. In den letzten Jahren ging es immer gegen den Abstieg und ich glaube, dass man erst einmal kleinere Brötchen backen und geerdet in die Saison gehen sollte. Aber auch mit dem Wissen, dass wenn man in jedem Spiel an die Leistungsgrenze kommt, der Weg nach oben auch schnell gehen kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

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