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Freitag, 19.03.2021 -

Regionalliga West

Gegenspieler: SV Bergisch Gladbach 09

Beim Abbruch der letzten Saison hatte der SV Bergisch Gladbach gerade mal 15 Punkte auf dem Konto und wäre unter normalen Bedingungen wohl abgestiegen. In diesem Jahr spielt die Mannschaft nicht oben mit, doch das rettende Ufer liegt in greifbarer Nähe. Vor der morgigen Begegnung am 31. Spieltag der Regionalliga West hat sich die neunzehn54-Redaktion für Ausgabe 8 des WSV-Stadionmagazins, die in Kürze erscheint, mit Helge Hohl, dem mit 29 Jahren jüngsten Trainer der Liga, unterhalten.

Hallo Helge, wie zufrieden bist du bisher mit eurer Saison?

Letztes Jahr war es durch die kurze Vorbereitung im Sommer schwierig, weil wir nach dem Aufstieg insgesamt nur sechs Wochen Pause hatten. In diesem Jahr hatten wir ganz andere Möglichkeiten, uns vorzubereiten. Diese Zeit haben wir gut genutzt. Wenn vor der Saison jemand zu uns gesagt hätte, dass wir zu diesem Zeitpunkt zwei Punkte hinter dem ersten Nichtabstiegsplatz sind, hätten das alle unterschrieben. Deshalb bin ich mit der Ausbeute an Punkten im Grunde schon zufrieden. Wir sind noch auf Schlagdistanz und wichtig ist die Endabrechnung! Wir haben uns in den zwei Jahren kontinuierlich gesteigert und in den letzten Wochen gezeigt, dass wir mitspielen können. Das ist einfach sehr, sehr positiv und macht viel Spaß.

Wo könnt ihr euch noch steigern? Serhat Koruk hat beeindruckende 16 Tore geschossen, insgesamt habt ihr aber erst 24-mal getroffen...

Zu Saisonbeginn hatten wir kaum Torchancen. Jetzt ist es aber so, dass wir in den letzten Spielen sehr viele hatten, die ungenutzt geblieben sind. Es wäre natürlich der nächste Schritt, die Tore auf mehrere Schultern zu verteilen. Dauerhaft auf die Tore von Koruk zu hoffen, ist relativ schwierig. Aber Toreschießen hat auch etwas mit Qualität zu tun. Ich glaube nicht, dass es hilft, fünfmal Torschusstraining zu machen. Ich versuche die Mannschaft so zu trainieren und zu entwickeln, dass sie häufiger vor dem Tor steht. Das ist uns in der letzten Zeit eigentlich sehr gut gelungen und daran arbeiten wir weiter. Bekannt ist auch, dass wir bei Standardsituationen in beide Richtungen ausbaufähig sind. Wir haben viele kleinere Spieler im Kader, auch die größeren sind nicht unbedingt Kopfballungeheuer. Deshalb müssen wir die eine oder andere kreative Lösung finden, um diese Situationen meistern zu können.

Andy Habl hat von 2005 bis 2008 in unserer zweiten Mannschaft in der Oberliga gespielt. Welche Rolle nimmt er heute bei euch ein?

Andy Habl ist für mich einfach Wahnsinn. Er ist mit seinen 36 Jahren wirklich noch topfit und sein Engagement und seine Professionalität sind absolut beeindruckend. Er ist sehr wichtig für uns, weil er in jeglicher Form ein Vorbild für die jungen Spieler ist und letztlich jedes Jahr seine Leistung kontinuierlich bringt. Er ist ein sehr, sehr wichtiger Faktor für uns.

Du bist erst 29 Jahre alt - Benedict Weeks (SV Straelen, 30 Jahre), Imke Wübbenhorst (bis 12/20 SF Lotte, 32) und Felix Bechtold (SV Lippstadt, 30) sind ebenfalls noch im besten Spieleralter. Trauen sich die Vereine heute mehr als früher, auch mal jüngere Leute ans Ruder zu lassen?

Das glaube ich schon. Ich glaube, dass es für uns junge Trainer immens wichtig war, dass das Projekt mit Julian Nagelsmann als jüngstem Bundesligatrainer so eingeschlagen ist. Viele Verantwortliche schauen darauf, was in oberen Ligen funktioniert und versuchen die Dinge auf unsere Ebene runterzubrechen. Stück für Stück haben sich dann einige dieses Wagnis getraut. Wobei es aus meiner Sicht nie um alt oder jung, oder irgendwas anderes geht, sondern um die Qualität. Es gibt viele erfahrene Trainer, die eine hohe Qualität haben, aber genauso eben auch viele junge Trainer. Inzwischen bin ich aber auch schon seit zwölf Jahren Trainer, erst im Jugend- und seit sechs Jahren im Seniorenbereich. Ich habe also eine gewisse Erfahrung. Nichtsdestotrotz gibt es gewisse Situationen, die einfach auch Lebenserfahrung erfordern - da habe ich dann vielleicht nicht so viel wie der eine oder andere. Aber wir haben in Bergisch Gladbach mit unserem Torwart-Trainer Tomasz Bobel jemanden, der im Profifußball unterwegs war und unter Jupp Heynckes gespielt hat, mit Andi Dreiner einen Co-Trainer, der als Spieler lange hier aktiv war und dementsprechend 09 und das Umfeld sehr, sehr gut kennt, und mit Chris Schlösser einen Sportdirektor, der seit 15 Jahren in der Ober- und Regionalliga unterwegs ist. Das heißt, wir ergänzen uns im Team sehr und das ist, glaube ich, der entscheidende Punkt.

Was erwartest du für ein Spiel in Wuppertal?

Was soll ich dazu sagen? Wuppertal ist für mich eine brutal gute Mannschaft, die besonders mit den Verstärkungen im Winter von der Qualität her auf jeden Fall ins erste Drittel gehört. Nach der stockend verlaufenden Hinrunde wird man natürlich nicht mehr in diese Regionen reinkommen. Aber ganz neutral betrachtet ist Wuppertal schon richtig, richtig gut aufgestellt. Das Hinspiel war mit vielen Emotionen brutal umkämpft - wir haben ein gutes Spiel gemacht und hatten mit dem späten Tor den einen großen Moment. Wir standen dadurch zur Winterpause über dem Strich und sind mit einem guten Gefühl in die Rückrunde gegangen. Wuppertal hat sich durch die guten Ergebnisse zuletzt ein bisschen freigeschwommen. Das könnte für uns positiv sein, wenn der WSV etwas lockerer ins Spiel gehen kann und es nicht ganz so umkämpft wird. Umgekehrt könnte es auch negativ sein, wenn der WSV mit richtig breiter Brust und Lust auf mehr ins Spiel geht. Naja, wir werden auf beides vorbereitet sein und wissen, dass wir den Fokus wie in den letzten Spielen auf uns richten müssen.

Danke für das Gespräch!

Quelle: neunzehn54

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