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Freitag, 11.06.2021 -

Verein

„Der WSV ist mein Verein“

Die Vita liest sich eindrucksvoll: Insgesamt 461 Spiele, 117 Treffer und 71 Torvorlagen; davon 2 Erstligaeinsätze für den VfL Bochum, 62 Partien in der 2. Bundesliga für den VfL Osnabrück und den SC Paderborn, sowie 133 Begegnungen in der 3. Liga/Regionalliga Nord für den WSV, Rot-Weiß Erfurt, den VfL Osnabrück und Preußen Münster. Das ist das Statistikbuch von „Capitano“ Gaetano Manno, der 2019 im Alter von fast 37 Jahren seine Profikarriere beim WSV beendet hat. Die neunzehn54-Redaktion beleuchtet in Ausgabe 12 des WSV-Stadionmagazins, in welcher Rolle unsere ehemalige Nummer 10 nun in den Verein zurückgekehrt ist.

Bei keinem Verein spielte Gaetano Manno länger als für die Rot-Blauen am Zoo. Die ersten beiden Jahre von 2005 bis 2007 - damals kickte der WSV erfolgreich in der Regionalliga Nord - waren sein Sprungbrett für eine insgesamt 19 Jahre andauernde Profikarriere. 2015 hätte der Hagener auch einen besser dotierten Vertrag beim damals aufstrebenden KFC Uerdingen unterschreiben können, doch entschied sich unsere Nummer 10 für eine Rückkehr an die Wupper. Mitte 2019 - nach Regionalligaaufstieg 2016 und Etablierung in dieser Spielklasse - machte er nach insgesamt sechs Jahren im Trikot des WSV Schluss und kehrte auch fußballerisch in seine Heimatstadt Hagen, in der Gaetano mit seiner Frau Sabrina und den beiden Kindern Luca (10 Jahre) und Alessio (3 Jahre) lebt, zurück. Bei der SpVg. Hagen 11 war er zwar noch ambitioniert in der Westfalenliga aktiv, hauptsächlich beschäftigte ihn aber sein Gastronomiebetrieb, Caffee Lounge da Manno, welchen er zusammen mit seiner Frau in der Innenstadt von Hagen eröffnete. Zu Beginn des Jahres 2020 beschloss er gemeinsam mit ihr, sein Unternehmen zu verkaufen, auch, um mehr Zeit für seine Familie zu haben: „Mit zwei kleinen Kindern war es einfach zu intensiv, da wir sieben Tage die Woche, und dann auch immer bis nachts, geöffnet hatten.“ Ziel von Gaetano war es anschließend, beruflich wieder in den Fußball zurückzukehren. Im Sommer 2020 lotete er in vielen Gesprächen mit Ankersponsor Friedhelm Runge, der den WSV mittlerweile wieder großzügig unterstützt, sowie Sport-Vorstand Thomas Richter aus, in welchen Bereichen er helfen könnte: „Ich habe angeboten, den Verein mit meiner Erfahrung aus meiner langen Profikarriere zu unterstützen. Wir haben dann zunächst einmal die Bereiche Scouting und Kaderplanung festgelegt. Es ergibt sich aber natürlich in einem Verein wie dem WSV, wo nicht so viel Personal angestellt ist, automatisch, dass man auch in den sportlichen Aufgabenbereichen hilft, die gerade anfallen.“ Nach der Verpflichtung des Sportlichen Leiters Stephan Küsters, den Gaetano Manno bereits aus seiner Zeit bei Preußen Münster und Viktoria Köln kennen und schätzen gelernt hatte, schaute er diesem bei seiner Arbeit über die Schulter und steuerte eigene Expertisen bei. Seitdem ist Manno unter der Woche täglich an der Seite von Stephan Küsters, am Wochenende beobachtet er als Scout die kommenden Gegner des WSV, erstellt daraufhin seine Berichte und Analysen, und sichtet als Kaderplaner interessante Spieler, die in Zukunft für eine Verpflichtung in Frage kommen könnten. Zugute kommen ihm dabei sicherlich seine langjährige Profilaufbahn, aber auch seine persönliche Trainererfahrung. Bereits im Alter von 22 Jahren gründete er mit Freunden in seiner Heimatstadt den C.R. Italiano Hagen, mit dem er als Trainer und Vorstand einige sportliche Erfolge feiern konnte.

Die ausführliche Gegnerbeobachtung

Wie eine Gegnerbeobachtung mit anschließender Analyse abläuft, erklärt uns „Gaeta“ auf dem Freudenberg, wo gerade das Training stattfindet: „Für einen Monat im Voraus lege ich zusammen mit dem Sportlichen Leiter und dem Cheftrainer fest, welche Begegnungen ich mir anschaue. Ich plane immer ein, dass ich zum Warmmachen im jeweiligen Stadion bin und beobachte dann, wie die einzelnen Spieler schießen oder wie sie flanken. Danach analysiere ich die 90 Minuten: Wie die Spieler bei eigenem Ballbesitz agieren und wie sie gegen den Ball arbeiten. Was fällt mir positiv auf, was negativ? Was erkenne ich bei den Standardsituationen, gibt es besonders auffällige Spieler oder ist der Torwart zum Beispiel fußballerisch gut? All dies versuche ich dann im Nachgang in einem mehrseitigen Bericht für unseren Cheftrainer so aufzubereiten, dass er nach unserer gemeinsamen Analyse zu Beginn der Trainingswoche die Mannschaft gezielt auf den kommenden Gegner vorbereiten kann.“ Spielt bei der Gegneranalyse eine Rolle, ob er diesen zu Hause oder auswärts scoutet? „Es macht schon einen Unterschied, ob du auswärts oder zu Hause spielst. Viele Mannschaften stehen auswärts tiefer, wohingegen sie bei Heimspielen offensiver antreten und direkt vorne draufgehen. Von der Grundaufstellung und der Taktik her ist es aber ähnlich“, so Manno.

Die Kaderplanung

Bei Gaetas Gegnerbeobachtung spielt darüber hinaus auch schon die Kaderplanung für die nächste Spielzeit eine Rolle: „Beim Scouting notiere ich mir natürlich auch auffällige Spieler, die in der nächsten Transferperiode für uns interessant werden könnten. Ich achte dabei unter anderem auf Schnelligkeit, Technik oder wer sich aus Drucksituationen gut lösen kann. Wenn wir dann während der Kaderplanung die Positionen erörtern, auf denen wir externe Neuzugänge verpflichten wollen, kommen uns natürlich diese Beobachtungen und unsere geballte sportliche Kompetenz zugute. Mit Stephan Küsters, Thomas Richter, Björn Mehnert - und jetzt neu hinzugekommen Peter Neururer - verfügen wir über eine langjährige Fußballexpertise. Jeder von uns bringt dazu sein persönliches Netzwerk ins Team ein, was sehr wichtig und bereichernd ist. Ich kann aufgrund meines Scoutings direkt Spieler vorschlagen, die mir besonders hängengeblieben sind. Darauf bin ich dann bestmöglich vorbereitet. Das macht gerade in unserem Team sehr viel Spaß.“ Auf die Zusammenarbeit mit Neururer freut er sich: „Unter ihm habe ich meine Bundesligaspiele beim VfL Bochum gemacht und mit ihm bekommen wir einen zusätzlichen Fachmann mit viel Erfahrung, die er sich in seiner jahrzehntelangen Laufbahn im Profifußball erarbeitet hat.“

Die Rückkehr

Seine Rückkehr zum WSV war für Gaetano Manno eigentlich nur folgerichtig: „Der WSV ist mein Verein und das ist nicht nur ein Spruch. Wer gesehen hat, wie ich nach meinem letzten Spiel 2019 im Pokalfinale gegen den KFC Uerdingen geheult habe, der kann dies sicherlich nachvollziehen. Deshalb ist es schön, dass ich wieder hier sein kann, um dem Verein im Rahmen meiner Möglichkeiten zu helfen.“ Auch wenn er nicht der Erste in dieser Spielzeit ist, der sich bei Friedhelm Runge für dessen Engagement bedankt, ist es ihm dennoch ein persönliches Anliegen: „Man kann es Friedhelm Runge gar nicht hoch genug anrechnen, dass er sich erneut beim WSV in solch einem Maße engagiert. Ohne ihn, bei dem jeder Vereinsangestellte immer pünktlich sein Geld auf dem Konto hat - noch dazu in schwierigen Corona-Zeiten - würde es hier keinen leistungsorientierten Fußball mehr geben. Das sollten alle, die ihn immer wieder kritisieren, einmal bedenken. Er sorgt dafür, dass viele Familien auch in dieser Krisenzeit ein gesichertes Einkommen haben. Dafür möchte ich mich hier an dieser Stelle auch einmal ganz herzlich bei ihm bedanken.“ Für die Zukunft des WSV hat Gaetano noch viel vor: „Ich hoffe, dass wir mit unserer Arbeit den Verein wieder dahin bringen können, wo er meiner Meinung nach hingehört. Dafür werden wir als Team um die Mannschaft herum hart arbeiten und geben 120 Prozent. Wir haben zwar nicht die finanziellen Möglichkeiten wie andere Vereine in der Regionalliga, aber dafür andere Mittel - wie zum Beispiel ein gutes Auge beim Scouting, durch das wir einen Spieler entdecken und verpflichten können, der sich dann bei uns zu einem Leistungsträger entwickelt.“ Auf dass Chefscout Gaetano Manno noch den einen oder anderen Spieler entdecken wird, der möglicherweise eine ähnliche Vita wie der „Capitano“ in die WSV-Geschichtsbücher wird schreiben können.

Quelle: neunzehn54

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