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WSV
Montag, 29.07.2019 -

Vorstand

Im Gespräch mit Finanzvorstand Melanie Drees

„Ich bin jemand, der nicht nur zuguckt, sondern gerne aktiv etwas gestaltet“

Das Stadionmagazin neunzehn54 sprach vor dem erfolgreichen Auftakt gegen Alemannia Aachen mit unserem Finanzvorstand Melanie Drees.

Nachfolgend noch einmal das Interview zum Nachlesen:

Seit März 2019 arbeitet Steuerberaterin Melanie Drees als Finanzvorstand des Wuppertaler SV. Im Gespräch über Berufliches, Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit ließ Melanie Drees auch einige persönliche Einblicke zu.


Frau Drees, bitte erläutern Sie uns zunächst einmal Ihren beruflichen Werdegang.

Ich habe eine Ausbildung zur Steuerfachangestellten gemacht. Als ich bereits berufstätig war, habe ich nebenbei mein Abitur nachgeholt und anschließend ein Studium mit Bachelor- und Masterabschluss absolviert. Direkt im Anschluss habe ich die Steuerberatervorbereitung gemacht und bin im ersten Versuch Steuerberaterin geworden. Zu diesem Zeitpunkt war ich 31 Jahre alt. Seit September 2009 arbeite ich als Steuerfachangestellte in der Villa Media in der Kanzlei Kegel. Inhaltlich beschäftige ich mich unter anderem mit Buchhaltung, Löhnen, Jahresabschlüssen, Steuererklärungen, Unternehmensumstrukturierung, Erb- und Unternehmensnachfolge sowie Vermögensauseinandersetzungen.


Wie ist es zu Ihrer Tätigkeit beim WSV gekommen?

2015 habe ich an den WSV einen Brief mit positiver und negativer Kritik geschrieben. Auf Einladung von Herrn Eichner haben wir uns getroffen und über meinen Brief gesprochen. Er hat mich gefragt, ob ich Ressourcen hätte, dem Verein zu helfen. Da ich mich aber in meiner Steuerberatervorbereitung befand, konnte ich damals nicht zusagen. Nach den Rücktritten von Herrn Stücker und Herrn Bölstler in diesem Jahr ist es zum erneuten Kontakt zwischen Herrn Eichner und mir gekommen. Ich hatte mir zunächst vorstellen können, in den Verwaltungsrat zu gehen, aber Herr Eichner hat mir dann aufgrund meines beruflichen Backgrounds den Posten als Finanzvorstand nahegelegt. Ich habe mich mit meinem Vater beraten, der mein enger Vertrauter ist. Er hat mir auch zum Vorstand geraten, da man auf diesem Posten am Ende des Tages mehr bewirken kann. Ich bin jemand, der nicht nur zuguckt, sondern gerne aktiv etwas gestaltet. Insofern habe ich meine Zusage gegeben. Und heute frage ich mich manchmal, warum ich das getan habe... (lacht)


Wie genau sieht Ihre Arbeit beim WSV als Finanzvorstand aus?

Schlaflose Nächte... (lacht) Wenn ich in meinem Beruf arbeite, gehen schon auch sehr viele Anrufe in Sachen WSV bei mir ein. Deswegen nehme ich viel Arbeit vom Büro mit nach Hause, um die Zeit, die ich tagsüber für den WSV aufgebracht habe, wieder herauszuarbeiten. Aber auch vom WSV nehme ich viel Arbeit mit nach Hause, das ist alles vermischt.


Wie gut gelingt der Spagat aus „Aufarbeitung der Vergangenheit“ und „Gestaltung der Zukunft“?

Man versucht sich das zeitlich so gut wie möglich einzurichten. Man muss immer schauen, dass man das bereits Festgestellte für die Zukunft besser macht, darf aber nicht nur der Vergangenheit nachhängen, denn dann vergisst man die Gegenwart. Man kann die Zahlen der Vergangenheit nicht mehr verändern. Wir müssen jetzt dafür sorgen, wieder ein positives Bild nach außen zu tragen, damit Menschen wieder bereit sind, Geld in den WSV zu investieren. Jemand hat mal gesagt: Man wirft gutes Geld Schlechtem nicht hinterher. Wir werden momentan ständig damit konfrontiert, dass wir mit der Vergangenheit gleich gesetzt werden, obwohl die handelnden Personen neu dabei sind. Es ist jetzt kontinuierliches Arbeiten erforderlich, damit wir nicht mehr jeden Tag überlegen müssen, ob wir noch leben oder schon sterben. Meiner Meinung nach müssen wir auch wieder mehr an der Basis arbeiten. Der WSV ist viel mehr als die erste Mannschaft und hat auch andere Abteilungen, die künftig mehr in den Fokus gerückt werden sollten.


Wie fühlt sich für Sie die Arbeit in der „Männerwelt Fußball“ an?

Da kann ich eigentlich gar nicht so viel zu sagen, denn die Steuerberaterwelt ist auch eine Männerdomäne. Von daher ist das für mich nichts Neues. Ich versuche diesbezüglich auch nicht geschlechterspezifisch zu denken, sondern ich gucke nach den Leistungen. Das ist vielleicht auch eine Charaktereigenschaft von mir, dass ich mich weder beeindrucken lasse, noch dass ich versuche, etwas auszuspielen.


Wie haben Sie die beiden Mitgliederversammlungen in prekärer Phase des Vereins wahrgenommen?

Ich bin ganz ehrlich: Ich habe Respekt, vor vielen Menschen zu sprechen. Man hat auch jederzeit die Erwartungen und den Druck gespürt, die auf einem lasteten. Die erste Versammlung war schwierig für mich und bei der zweiten war es nicht wirklich besser. Ich bin vielleicht auch nicht unbedingt der Typ für so etwas, obwohl ich diesbezüglich an mir arbeite. Insofern habe ich mich kurz gefasst.


Welche Fortschritte sehen Sie bereits im Bereich der Finanzen des Vereins?

Momentan ist es so, dass wir komplett alles neu organisieren, darunter auch die Arbeitsabläufe auf der Geschäftsstelle. Wir wollen eine neue Struktur entwickeln, um jederzeit den Überblick behalten zu können. Die Buchhaltung wird komplett von der Geschäftsstelle ausgelagert. Es wird künftig auch mit Kosten-und-Leistungsrechnung gearbeitet, so dass man die Plan-Zahlen mit den Ist-Zahlen sofort vergleichen kann. Ich sehe den Verein von seiner Komplexität her wie ein Unternehmen an, so dass man wissen muss, wie die einzelnen Abteilungen stehen. Dies bekommt man nur hin, wenn man mit Kostenstellen arbeitet. Man muss quasi auf Knopfdruck sehen können, wohin die Reise in einzelnen Abteilungen geht, sonst kann man den Überblick nicht behalten.


Was verbindet Sie mit dem WSV?

Mein allerersten Fußballspiel! Das war 1992 in der 2. Bundesliga das Spiel WSV gegen Mainz 05 im Stadion am Zoo. Ich bin damals zugegebenermaßen auch Anhängerin des FSV Mainz 05 geworden, aber insbesondere durch meinen Vater besteht seitdem die Verbundenheit zum WSV. Seit 1992 gehe ich mit ihm ins Stadion, am liebsten auf die Nord, und seitdem ist der WSV ein wichtiger Bestandteil meines Lebens.


Haben Sie manchmal Sorge, Ihr Fan-Dasein durch den Vorstandsposten zu gefährden?

Ich bin da sehr abgeklärt. Ich weiß auch durch Einblicke in anderen Bereichen, dass es hinter den Kulissen oftmals anders ist als davor. Klar haben mich gewisse Dinge erstaunt, zum Beispiel der ganze Kostenapparat, der hinter dem Verein steht. Der Fan ärgert sich vielleicht, dass die Karten teurer werden, aber mich hat dann doch erschrocken, wie wenig tatsächlich von so einer Eintrittskarte als Gewinn übrig bleibt. Da fängt man dann vielleicht an, in gewissen Bereichen anders zu denken.


Wie kompensieren Sie es, wenn Sie doch einmal etwas aufregt oder belastet?

Ich gehe mit dem Hund raus oder aktiviere den Flugzeugmodus und packe mir Musik auf die Ohren. Ich versuche mich dann komplett raus zu nehmen und Musik ist dafür mein Allheilmittel zur Seelenreinigung.


Was zeichnet Sie als Menschen aus? Welche Werte sind Ihnen wichtig?

Ehrlichkeit, Respekt und Loyalität. Man muss über sich selbst lachen können. Mir ist wichtig, dass man mit einem anderen Menschen durchs Feuer gehen kann. Zwar nicht bedingungslos, aber es muss einen Zusammenhalt geben, nicht nur in guten Momenten. Fehler sollten auch offen ansprechbar sein, anstatt hinter dem Rücken über jemanden zu reden. Darüber hinaus bin ich eine absolut treue Seele, harmoniebedürftig und gerne Kummerkasten.


Was bedeuten Ihre Tattoos für Sie?

Lebensgeschichte. Sie stehen für Ereignisse in meinem Leben und für die Verarbeitung der Vergangenheit.


Wo trifft man Sie in Ihrer Freizeit an?

Was ist Freizeit? (lacht) Im Wald mit dem Hund, auf der Couch mit einem guten Buch oder beim Musikhören. Ich lese gerne Krimis, in denen man als Leser rätseln kann, wer der Täter ist. Wenn die Zeit knapper ist, höre ich nebenbei Hörbücher anstatt selbst zu lesen.


Wie bewerten Sie die sportlichen Aussichten der neu formierten Mannschaft?

Ich zitiere hierzu gerne meinen Vater, der immer sagt: „Geld schießt keine Tore“. Es kommt auf den Teamgeist an und ich gehe fest davon aus, dass unsere Jungs uns alle überraschen werden. Ich finde es schade, wenn hin und wieder von Fans oder Mitgliedern die Kritik kommt, dass man mit so wenig Geld doch sowieso nicht die Liga halten kann. Das ist den Jungs gegenüber unfair, die mit Überzeugung zum WSV gekommen sind, etwas Positives zu bewirken. Die Spieler verbringen freiwillig ihre Freizeit miteinander, essen zum Beispiel zusammen. Das verkörpert gerade eine richtig gute mannschaftliche Geschlossenheit. Wir sollten der Mannschaft einen Vertrauensvorschuss geben anstatt sie direkt schon abzuschreiben. Die Spieler sollten merken, dass die Fans hinter ihnen stehen. Ich hoffe, dass die Fans in der kommenden Saison vollen Einsatz zeigen werden.


Vielen Dank für das interessante Gespräch, Frau Drees!


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