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Interview

„Der WSV ist für mich Leidenschaft, Herzblut, Heimat, Familie, Zuhause“

Montag, 08.08.2022 09:22 Uhr | Alois Urban
Foto: WSV

ROT-BLAUES JUBILÄUM: Vor genau zehn Jahren hatte WSV-Stadionsprecher Carsten Kulawik seinen ersten Einsatz. Im Gespräch mit uns blickt er auf Highlights zurück, spricht über seine Leidenschaft am Mikro und verrät, was er sich für die Zukunft wünscht. Wir sagen: Danke für Deinen ehrenamtlichen Einsatz! Herzlichen Glückwunsch und auf die nächsten zehn Jahre!

Wie kam es eigentlich dazu, dass Du Stadionsprecher beim WSV geworden bist?

Ich kam wie die Jungfrau zum Kind. Am 3. August 2012 hat abends mein Handy geklingelt. Es war ein Freitagabend, ich war mit Freunden auf dem Weg nach Bochum ins Kino. Am anderen Ende der Leitung: Radio-Wuppertal-Kollege Jens Voss. Er erzählte mir, dass der WSV einen Stadionsprecher sucht. Und weil er als Sportreporter neutral bleiben müsse, könnte das ja für mich spannend sein. Sofort lief bei mir ein Film im Kopf ab: Das war doch immer Dein Traum. Das, was Du immer machen wolltest. Fünf Tage später ging’s auch schon los. Wahnsinn! Darüber habe ich mit Jens, ohne den ich heute nicht hier wäre, übrigens im Radio-Wuppertal-Podcast gesprochen.  

Dein erster Einsatz – welches Spiel war was?

Am 8. August 2012 gegen Fortuna Köln – ein Mittwochabend – bei Flutlicht. Leider eine 1:2-Niederlage, die uns Silvio Pagano – damals auf der falschen Seite – beschert hat. Einen besseren Einstand hätte ich mir trotzdem nicht wünschen können. Die 2.700 Fans waren wohlwollend und haben mich großartig empfangen, auch ein paar Verwechslungen durchgehen lassen. Ich habe letztens meinen allerersten Aufstellungsbogen wiedergefunden und bin die Namen durchgegangen. Ein gewisser Guido Winkmann hat das Spiel geleitet. Ein Profischiri im Oberhaus. Im Nachhinein unfassbar.

Was waren in all den Jahren Höhepunkte? Gibt es dabei ein besonderes Highlight?

In jedem der zehn Jahre ist so viel passiert ist, dass ich ganze Bücher füllen könnte. Aber immer in Erinnerung wird der Aufstieg 2016 bleiben. Diese Gemeinschaft, dieses Zusammengehörigkeitsgefühl, diese Einheit, dieses Team auf und neben dem Platz: sagenhaft. Die Krönung war sicherlich das gemeinsame Rudelhören der Partie Uerdingen gegen TuRU im Butan, die Resignation kurz vor Abpfiff, als es 3:1 für die Blau-Roten stand, anschließend die beiden späten Treffer von TuRU zum 3:3 – gleichbedeutend „doch“ unser Aufstieg, den wir an Ort und Stelle mit Mannschaft, Staff und Fans gefeiert haben. Später haben wir noch die Schwebebahn unsicher gemacht. Irre.

Hast Du nicht auch mal einen Schiedsrichter auf der Tribüne gesucht?

Ja. Das war legendär. (lacht) Bei einem Abendspiel musste ich nach zwanzig Minuten musste ich eine Durchsage machen, weil sich ein Schiedsrichterassistent verletzt hat. Diagnose: vermutlich nicht richtig aufgewärmt. Heißt: Entweder es meldet sich jemand mit Schiri-Pass von der Tribüne oder wir müssen abbrechen. Nach minutenlangen Wiederholungen hat sich Uwe aus Gelsenkirchen gemeldet und ist eingesprungen. Er wurde bei jeder Aktion gefeiert. Am vergangenen Wochenende habe ich ihn zufällig im Stadion wiedergesehen. Es hat sich quasi ein Kreis geschlossen. Seinen kuriosen Einsatz wird er übrigens ebenfalls nie vergessen, wie er mir erzählt hat. Eine der typischen Geschichten, die nur der Fußball schreibt.

Was bedeutet Dir der WSV?

Den WSV kann ich in wenigen Worten auf den Punkt bringen. Er ist für mich Leidenschaft, Herzblut, Identifikation, Heimat, Familie, Zuhause. Dass ich über einen so langen Zeitraum am Mikro sein darf und den Rückhalt von der Kurve habe, sorgt nach wie vor für Gänsehaut. Ein unbeschreiblich schönes Gefühl.

Was wünschst Du Dir für den WSV für die Zukunft?

Das Pokalspiel gegen Essen mit 12.000 Fans hat deutlich gemacht: Der Verein hat Potenzial und elektrisiert die Menschen. Deswegen würde ich mir wünschen, dass sich der Klub sportlich so weiterentwickelt, dass die Infrastruktur wächst und wir als rot-blaue Einheit noch den ein oder anderen Erfolg zusammen feiern können. Gemeinsam schaffen wir alles.



Der WSV ist für mich Leidenschaft, Herzblut, Heimat, Familie, Zuhause

Carsten Kulawik beim DFB-Pokalspiel gegen den VfL Bochumt 1848. Foto: Benjamin Lenz